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Kazuaki Takano

13 Stufen

Roman

Ein unschuldig wegen Mordes zum Tod Verurteilter soll hingerichtet werden. Der ehemalige Gefängnisaufseher Nangō und der auf Bewährung entlassene Jun'ichi erhalten den Auftrag, den wahren Täter zu finden. Für das ungleiche Ermittlerduo beginnt damit nicht nur ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, sondern beide müssen sich auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen.

Bestsellerautor Kazuaki Takano erzählt eine fesselnde Geschichte voller unerwarteter Wendungen und falscher Fährten bis hin zum furiosen Showdown. Am Beispiel der in Japan noch angewandten Todesstrafe stellt er die Frage nach Schuld und Reue, nach dem Recht auf Vergeltung. Dabei erzeugt seine vielschichtige Erzählweise eine außergewöhnliche Spannung, die den Leser bis zur letzten Seite nicht loslässt.

Das Buch spielt in Tokio, Japan

Leserstimmen

Todesstrafe

Von: wal.li Datum: 19. Januar 2018

Ein junger Mann wartet auf die Vollstreckung des Todesurteils. Fast alle seine Mittel sind ausgeschöpft. Völlig unerwartet wird ein Gefängnisaufseher von einem Anwalt beauftragt, noch einmal Nachforschungen in dem Fall des Verurteilten anzustellen. Es gibt vage Hinweise, die auf seine Unschuld hindeuten können. Dieser Aufseher versichert sich der Mitarbeit eines eben entlassenen Strafgefangen, dem er damit bei der Wiedereingliederung in den normalen Alltag helfen will. Schon bald finden die Beiden weitere Ungereimtheiten, die vermuten lassen, dass die Tat doch aus anderen Gründen begangen wurde als es bisher aus den Akten hervorgeht. Kann es Hoffnung für den Todeskandidaten geben?

Kann eine Todesstrafe zu recht ausgesprochen werden, zu recht vollstreckt werden. Kann es überhaupt eine gerechte Strafe sein. Wenn zum Beispiel ein Angeklagter keine Reue zeigen kann, weil er sich an den Tathergang nicht erinnert, und er gerade deshalb zur Höchststrafe verurteilt wird. Wenn eine Strafe eher einen erzieherischen Effekt haben soll, wie kann ein zum Tode verurteilter, davon noch profitieren. Sie alle sowohl der Gefangene als auch Aufseher und auf Bewährung frei gelassener hadern mit ihren Gedanken. Zwar versuchen sie die Wahrheit zu finden, doch sie fürchten sich auch vor dem, was sie finden könnten. Gerade die Beiden, die sich auf die Suche machen, um das Rätsel der Tat zu entschlüsseln, fördern so manche Überraschung zutage.

Zwei ungleiche Ermittler, eine Thematik, die schwieriger kaum sein kann, eine Tat, die schlüssig erscheint und bei genauem Hinsehen doch Wiedersprüche aufweist. Nicht ganz leicht mag es sein, sich in die japanische Mentalität hineinzuversetzen. Doch wenn man die Fremdheit einfach akzeptiert, erhält man einen fesselnden Krimi, der sich mit dem Ziel von Strafen auseinandersetzt, mit dem Sinn von Todesstrafen, mit den Nöten der Vollstrecker, mit dem Leid, das durch Straftaten hervorgerufen wird. Auch wenn der Fall gelöst wird, für die dargestellten Problematiken kann es keine Lösung geben. Der Leser wird sich sein Gedanken machen und sich ein ideale Welt wünschen, in der es kein Verbrechen gibt. Ein Wunsch, der sich nicht erfüllen wird.

Eine packende zweite Veröffentlichung von Kazuaki Takano, die ganz anders ist als das erste Werk; die überzeugt.

Keine leichte Kost

Von: Amy J. Brown Datum: 16. Januar 2018

Ich hatte bereits viel Gutes über den Roman gehört, bevor ich ihn beim Verlag angefragt habe, außerdem interessiert mich die Thematik der Todesstrafe sehr. Ich war sehr gespannt auf die Geschichte und wurde nicht enttäuscht.

Was mir sofort aufgefallen ist, war die Atmosphäre der Geschichte. Wie es bei vielen asiatischen Romanen der Fall ist, erzählt auch Kazuaki Takano die Geschichte ruhig, sie kommt ohne Ausreißer aus und ist trotzdem sehr eindringlich. Die Figuren werden ausgiebig vorgestellt, was mir ermöglicht hat, verschiedene Sichten auf die Dinge zu erfahren.


Der Roman lässt sich schwer kategorisieren, er ist Roman, Drama und Krimi in einem. Der Autor stellt mit der Geschichte die Frage, ob das japanische Justizsystem wirklich gerecht ist. Er zeigt Fehler auf, wie zum Beispiel der Fall zeigt in dem die beiden Figuren ermitteln.

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass die Figuren so ausführlich ausgearbeitet waren. Zuerst lernen wir Jun'ichi kennen. Er kann gerade auf Bewährung dem Gefängnis entfliehen, denn seine Tat ist aus Notwehr geschehen. Doch nicht nur sein Leben hat sich gründlich geändert, sondern auch das seiner Familie, denn er hat Schande über sie gebracht. Er fühlt sich schuldig und nimmt deswegen einen Auftrag an.

Dann gibt es noch Nango, er ist Gefängnisaufseher und sich sehr wohl bewusst, dass das Strafsystem nicht wirklich der Gerechtigkeit dient. Auch er bekommt einen Auftrag und bildet mit Jun'ichi ein Ermittlerduo.

Ryō Kihara sitzt im Gefängnis, er soll die Todesstrafe bekommen, weil er angeblich ein Ehepaar getötet hat. Er kann sich jedoch an nichts erinnern, weil er an Amnesie leidet.



Diese ist eine der Geschichten, die einen so schnell nicht mehr loslässt. Sie ist spannend, fesselnd und stellt viele Fragen, über die man unweigerlich während des Lesens und darüber hinaus nachdenkt. Der Leser erfährt viel über die Todesstrafe an sich, dabei wird sie aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

Von mir eine klare Leseempfehlung, ich bin ja immer dafür, vor solchen Themen nicht davon zu laufen. Der vorherige Roman "Extinction" von dem Autor wandert ebenfalls auf meine Wunschliste.

mehr Leserstimmen anzeigen

Die Zeit läuft...

Von: Elke Heid-Paulus Datum: 11. Januar 2018

Seine Sporen hat sich der in Los Angeles ausgebildete Japaner Kazuaki Takano als Drehbuchschreiber verdient, bevor er sich, vielleicht sogar inspiriert durch die Romane Stephen Kings (und hier insbesondere „The Green Mile“), dem Schreiben von Thrillern zuwandt.

„13 Stufen“ ist sein Erstling (2001 im Original), womit Takano äußerst erfolgreich in Japan war. Gleichzeitig ist das erst sein zweites Buch, das nach dem 2011 veröffentlichten und 2015 in der Übersetzung unter dem Titel „Extinction“ erschienenen Roman, ins Deutsche übersetzt wurde.
Die Ausgangssituation ist schnell erzählt: Kihara wartet in der Todeszelle auf seine Hinrichtung. Er soll seinen Bewährungshelfer und dessen Frau bestohlen und ermordet haben. Nur dumm, dass er sich an den Tathergang nicht mehr erinnern kann, denn durch einen Unfall bei der Flucht leidet er an Amnesie. Eventuell hätte er ja noch eine Chance gehabt, der Todesstrafe zu entgehen, wenn er glaubhaft seine Tat bereuen könnte. Aber wie soll man etwas bedauern, an das man sich nicht erinnern kann?

13 Stufen muss der Verurteilte auf seinem Weg zum Strick hinaufsteigen, und 13 Beamte aus unterschiedlichen Institutionen müssen der Hinrichtung zustimmen. Doch es gibt jemanden, der berechtigte Zweifel an der Schuld Kiharas hat und zwei ungewöhnliche Ermittler beauftragt, dessen Unschuld zu beweisen. Ein ehemaliger Wärter und ein auf Bewährung entlassener Totschläger, in ihren Händen liegt nun das Schicksal des Todeskandidaten.

Takano vermittelt seinen Lesern in diesem Roman einen interessanten Einblick in das japanische Strafrecht sowie den Umgang dieser Nation mit Schuld und Sühne. Auf uns Europäer wirken diese japanischen Formalien sehr gewöhnungsbedürftig, allein schon der Umstand, dass ein Täter Reue zeigen und einen finanziellen Ausgleich zahlen muss, um in den Genuss einer Begnadigung zu kommen. Und dann ist da natürlich noch das alles überlagernde Thema Todesstrafe, das aus den verschiedenen Perspektiven der handelnden Personen beleuchtet wird und nicht nur das finale Ereignis sondern auch den Weg dahin kritisch betrachtet.

Eine beeindruckende Lektüre, unaufgeregt und ohne Effekthascherei erzählt, die inhaltlich sowie formal die Funktionsweise des japanischen Rechtssystems transportiert und zum Nachdenken anregt, ohne das Urteil des Lesers in vom Autor geplante Bahnen zu lenken.

Tabuthema beeindruckend erzählt

Von: Melanie Berg Datum: 10. Januar 2018

Das ist mal ein Thema Todesstrafe, was viel debattiert wurde. Ich selbst bin da auch total zwiespältig. Einerseits gibt es eindeutig Verbrechen die verdienen eine qualvolle Todesstrafe. Wie zum Beispiel Verbrechen an Kindern und bestialische Morde. Andererseits, wie sicher kann man sein, das man auch wirklich den richtigen Täter gefunden hat. Wie oft werden Beweise zurückgelassen die auf einen " unschuldigen " weisen. Also, wann kann man wirklich sicher sicher sein!?

Auch diese Geschichte handelt von einem Todeskandidaten, wir begleiten ihn, die '13 Stufen' zur Exekution. Sein Verbrechen, er soll ein Ehepaar grausam ermordet haben. Parallel wird ein Killer nach seiner Haftstrafe entlassen, weil er einen internen Protigè hat.

Auch der Einblick in die japanische Kultur ist beeindruckend, und gerade auch für uns aus dem mitteleuropäischen Raum Neuland, und ist sehr geschickt in den eigentlichen Fall integriert.

Einen intensiven Einblick vom Rechtssystem wird auch gegeben. Es ist alles ganz genau und alles hat seine Ordnung, so ganz anders als bei 'uns'. Wichtig ist auch die Wiedergutmachung bei Opfern. Des Weiteren hat ein Straftäter sich bei seinem Opfer, im Fall eines Totschlages oder Mordes bei dessen nächsten Angehörigen, persönlich und überzeugend entschuldigen. Das wäre bei uns undenkbar.

Außerdem ist die ganze Story durchweg spannend. Fremde Kultur wird uns näher gebracht.

Ob die Unschuld bewiesen werden kann; müßtest Ihr schon selbst lesen. Klare Leseempfehlung! Ich hoffe, noch mehr von diesem Autor zu lesen. Extinction steht schon auf meiner Wunschliste!

Spannendes, beeindruckendes und nachhaltig wirkendes Thriller-Drama mit Tiefgang.

Von: Wolfgang Brunner - Buchwelten Datum: 07. Januar 2018

Schon mit „Extinction“ hat mich Takano vollends überzeugt, aber mit seinem vorher verfassten Thriller „13 Stufen“ hat er noch eins draufgesetzt. „13 Stufen“ hat mich von der ersten Seite an fasziniert und nicht mehr aus seinem Bann gelassen. Takano hat hier zwei wunderbare Charaktere erschaffen, die mir dermaßen ans Herz gewachsen sind, dass ich fast meinte, sie im realen Leben persönlich zu kennen. Ich habe schon öfter festgestellt, dass mich Protagonisten, deren Gedankengänge und Handlungsweisen in japanischen Romanen oftmals sehr ansprechen. So ist es auch hier. Kazuaki Takano beschreibt die Wesenszüge der beiden Hauptpersonen sehr detailliert, emotional und authentisch. Vor allem der Ex-Sträfling Jun’ichi hat mich mit seinen Überlegungen sehr beeindruckt.

In diesem äußerst spannenden und raffiniert konstruierten Thriller-Drama, das mich oftmals alleine schon wegen der Thematik an die Geschichten von John Grisham erinnert hat, macht sich der Autor sehr kluge Gedanken über die Todesstrafe, das Justiz- und Rechtssystem, Selbstjustiz und das Leben und den Tod an sich. Aber auch Familie, Freunde, Liebe und Einsamkeit spielen eine wichtige Rolle in diesem Pageturner, der mich nachhaltig beeindruckt hat. Der Wettlauf gegen die Zeit ist in jeder Zeile spürbar und die Überlegungen der beiden Protagonisten machen den Roman zusätzlich noch zu einem Krimi, der unheimlich Spaß macht, weil man selbst mitdenkt und -rätselt, wie die Vorgänge zusammenpassen. Obwohl der Plot relativ ruhig und unspektakulär daherkommt, lässt er einen nicht mehr los. Vielleicht ist es gerade auch die sehr stimmungsvolle Atmosphäre, die Takano durchgehend erschafft und damit den Leser in einen fast schon hypnotischen Strudel zieht. Wie man den Zeilen entnehmen kann, bin ich wirklich äußerst begeistert und angetan von „13 Stufen“. Die Problematik der Todesstrafe wird bis ins kleinste Detail ausgeleuchtet und das Für und Wider dargelegt. Fast mutet der Thriller wie ein Sachbuch in Romanform an, denn man erfährt sehr viel über dieses Thema und wird selbst permanent zum Nachdenken angeregt.

Ergänzend zu den oben erwähnten interessanten Ausführungen über Todesstrafe und Rechtssystem wird der Leser noch in die japanische Denkweise und Kultur eingeführt, was dem Roman einen (zumindest für mich) außergewöhnlichen, zusätzlichen Reiz vermittelt, der mich sehr angesprochen hat. Durch das ganze Buch zieht sich eine fast schon melancholische Stimmung, durch die man sich immer wieder gezwungen fühlt, noch ein paar Seiten weiterzulesen. Kazuaki Takano hat mit seinem flüssig zu lesenden Schreibstil einen raffinierten Thriller verfasst, der mit jeder Menge intelligenten Wendungen aufwarten kann. Und trotz aller Spannung bleibt am Ende ein eindringliches Bild im Gedächtnis des Lesers haften, das man so schnell nicht mehr losbekommt. Zu drastisch setzt sich der Autor mit den Vor- und Nachteilen der Todesstrafe auseinander, als dass es den Leser kalt lassen könnte. Gerade die verschiedenen Sichtweisen der Gegner und Befürworter bringen die eigenen Gedanken zum Kreisen, auch wenn man das Buch zur Seite gelegt hat.
Was „Extinction“ an Spannung zu bieten hat, gleicht „13 Stufen“ durch einen enormen Tiefgang aus. Letztendlich zeigen die beiden im Grunde genommen gegensätzlichen und eigentlich nicht vergleichbaren Bücher, welch guter Schriftsteller Kazuaki Takano ist, denn er beherrscht beides hervorragend: Spannungsthriller und Thrillerdrama.
Mir persönlich hat auf jeden Fall der hier vorliegende Debütroman von Kazuaki Takano bedeutend besser gefallen als „Extinction“, weil er unglaublich lange in seiner Wirkung nachhält.

Fazit: Spannendes, beeindruckendes und nachhaltig wirkendes Thriller-Drama mit Tiefgang.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Eindringliche Diskussion um die Todesstrafe

Von: Sigismund von Dobschütz Datum: 07. Januar 2018

Als Entdeckung für den deutschen Buchmarkt darf man wohl den japanischen Schriftsteller und Drehbuchautor Kazuaki Takano (53) bezeichnen, dessen bereits 2001 in Japan veröffentlichter Debütroman „13 Stufen“ im November endlich auch auf Deutsch beim Penguin-Verlag erschienen ist. Auslöser für diesen zeitlichen „Nachzügler“ war wohl der 2015 erzielte Erfolg mit Takanos bisher letztem Roman „Extinction“, der damals Rang 4 der Spiegel-Bestsellerliste erreicht hatte. Auch Takanos Erstling „13 Stufen“ hatte in Japan großen Erfolg und war prämiert worden. Seine deutsche Ausgabe hat der Verlag wohlweislich nicht als Krimi, sondern als Roman eingestuft, handelt es sich doch nur vordergründig um einen spannenden Kriminalfall. Das eigentliche Thema ist die in Japan seit Jahrzehnten andauernde Diskussion um die Abschaffung der Todesstrafe: Japan ist neben den USA und China die einzige Industrienation, in der die Todesstrafe noch vollstreckt wird. Im Dezember gab es wieder zwei Hinrichtungen, eine sogar an einem Minderjährigen. Ausgangspunkt in „13 Stufen“ - der deutsche Titel steht für die 13 Instanzen in Japan von der Urteilsverkündung bis zur Vollstreckung – ist die anstehende Hinrichtung eines unschuldig wegen Mordes zum Tod Verurteilten. Jetzt erhalten der ehemalige Gefängnisaufseher Nangō und der auf Bewährung entlassene Mikami über einen Anwalt den Auftrag eines Unbekannten, den wahren Täter zu finden. Die Suche des ungewöhnlichen Ermittlerduos mit unerwarteten Wendungen und auf zahllosen Irrwegen führt letztlich zum Ziel. Doch ist diese Handlung für Autor Kazuaki Takano eher nebensächlich und nur Mittel zum Zweck: Ihm geht es um die Frage, ob unsere Gesellschaft das Recht auf Vergeltung hat. Muss Mord zwingend mit Mord vergolten werden? Gott vergibt, wir Menschen nie? Wenn auch die Todesstrafe in Deutschland seit fast 70 Jahren kein Thema mehr sein mag, ist dieser ausgezeichnete Roman doch auch für uns lesenswert. Autor Takano versteht es meisterlich, uns Lesern durch die Auswahl seiner Protagonisten und deren in der Handlung geschilderte Denkweise die unterschiedlichen Argumente und Sichtweisen für und gegen die Todesstrafe nachvollziehbar aufzuzeigen und sachlich gegeneinander abzuwägen – aus Sicht des Gefängnisaufsehers, der selbst zwei Hinrichtungen durchführen musste, aus Sicht eines Mörders, aus dem Blickwinkel der Familien des Täters als auch der Hinterbliebenen des Mordopfers sowie aus Sicht des Staatsanwalts, der Strafverfolgungsbehörden und des Justizministeriums. Deutlich stellt sich der Autor auf die Seite der Gegner, doch auch die Befürworter der Todesstrafe kommen gleichgewichtig zu Wort. Kazuaki Takanos Erstlingsroman „13 Stufen“ dürfte auch deutsche Leser nicht unberührt lassen und nachhaltig beschäftigen. Das Buch hätte eine frühzeitigere Übersetzung verdient gehabt.

Dank vieler Wendungen sehr spannend

Von: Burgherr Datum: 02. Januar 2018

Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit Büchern japanischer Autoren. So ein wenig scheint immer die Fremdartigkeit der Kultur durch und ich komme gar nicht erst in Versuchung, mir Gedanken über die Qualität der Übersetzung zu machen.

Beeindruckt von Steven Spielberg begann Kazuaki Takano seine Laufbahn beim Film. "13 Stufen" war sein erster Roman, er erschien im Jahr 2001. Vor gut einem Monat wurde es als Taschenbuch in Deutschland veröffentlicht. Dank seines aktuellen Bestsellers "Extinction" sollte dem Buch die verdiente Aufmerksamkeit zukommen.

"13 Stufen" bezeichnet sowohl den Prozess bis zur endgültigen Anordnung der Todesstrafe in Japan als auch die bruchstückartige Erinnerung des Todeskandidaten im gleichnamigen Buch. Obwohl die vermeintlichen Morde schon viele Jahre zurückliegen, machen sich der Ex-Gefängnisaufseher Nangō und der auf Bewährung entlassene Jun'ichi auf die Suche nach Hinweisen auf den wahren Mörder. Die Zeit läuft, den die Hinrichtung des unschuldig inhaftierten Ryo Kihara seht unmittelbar bevor.

"13 Stufen" bietet in vielerlei Hinsicht Spannung. Auch Jun'ichi Geschichte möchte erzählt werden und birgt viele Wendungen und für mich unvorhersehbare Überraschungen. Darüber hinaus regt dieser Roman zur Beschäftigung mit dem Thema Todesstrafe ein. Und natürlich werden auch Einblicke in die japanische Kultur geboten.

Die Handlung ist spannend und stellenweise fesselnd verfasst. Es fiel mir ungewöhnlich schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse, diese extreme Beschleunigung ist m. E. nicht nötig, aber so kann man rascher zu "Extinction" greifen. Darauf macht "13 Stufen" auf jeden Fall Lust.

13 Stufen Roman von Kazuaki Takano

Von: Norddeutsche Goere Datum: 20. Dezember 2017

Aufgrund einer Kopfverletzung kann sich Ryo Kihara nicht erinnern was mit der Tat an seinen Bewährungshelfer passiert ist. Er sitzt schon seit 7 Jahren im Todestrakt. Ist er wirklich der Mörder? Der Richter kann eine Begnadigung nur geben, wenn der Täter Reue zeigt. Ryo Kihara kann aber keine Reue zeigen, wie den auch wenn er sich an nichts erinnern kann. Er weiß nicht was an diesen Besagten Abend passiert ist, als der Bewährungselfer umgebracht wurde. Jetzt kommt Jun`ichi ins Spiel nach der Entlassung aus dem Gefängnis mit dem Strafvollzugsbeamten Nango die Unschuld beweisen soll. Jedoch ist Jun`ichi ein etwas seltsamer Junge. Aber wird er das schaffen und wird die Unschuld bewiesen?

Tolles Buch

Von: Nici F. (Nici's WORT und Totschlag/ Facebook) Datum: 20. Dezember 2017

Eine äußerst SPANNENDE und BEDRÜCKENDE Story. Es werden die Abgründe des Japanischen Rechtssystem beleuchtet.
Die Todesstrafe, kein anderes Thema spaltet Menschen und Meinungen wie dieses.
Ist diese Art der Strafe gerecht oder ungerecht? Dieses Buch lässt den Leser, nachdenklich zurück.
Der Schreibstil ist recht flüssig, nur hatte ich manchmal so meine Probleme mit den japanischen Namen��.
In einigen Abschnitten hat mir auch einfach die Empathie gefehlt, die Protagonisten kamen stellenweise extrem Gefühlskalt rüber.
Toll hingegen empfand ich, das streuen von falschen Fährten, so blieb das Buch wirklich bis zur letzten Seite spannend. Der Spannungsbogen steigert sich stetig und endet Thrillerartig.
Leser, die Sinn und Tiefe in Geschichten suchen, kommen hier voll auf ihre Kosten.

Fazit:

Ein Buch das sich schwer in eine Schublade stecken lässt.
Leser die gute Unterhaltung suchen, sollten dieses Buch definitiv lesen.
Von mir gibt es 4 Sterne und eine Leseempfehlung!!

Die Suche des wahren Mörders

Von: Kaisu Datum: 17. Dezember 2017



„Die Todesboten erschienen um neun Uhr morgens.“ (Buchbeginn)

Jeden Tag laufen die Wärter durch das Gefängnis. Jeden Tag lauschen die Gefangenen ihren Schritten. Hoffen und Bangen. Zittern am ganzen Leib. Bitten um Gnade. Dann gehen die Schritte weiter. Diesmal sind die verschont. Jemand anderen hat es getroffen. Aber wie lange geht das gut? Im Trakt, wo alle zum Tode verurteilt sind? Auch Ryo Kihara sitzt in diesem Trakt. Seit einigen Jahren. Bisher sind die Wärter immer an seiner Zelle vorbeigelaufen. Aber die Zeit rennt. Bald ist auch er dran.

Während Ryo auf seinen Todestag wartet, wird Jun’ichi – Insasse Nummer 229 – auf Bewährung entlassen. Nach knapp zwei Jahren ist der junge Mann wieder auf freiem Fuss und macht sich, gemeinsam mit seinem Vater, auf zu seinem Elternhaus. Freude, Tränen, Wut und Entschlossenheit vermischen sich auf emotionaler Ebene. Nun muss Jun’ichi lernen sich wieder einzugliedern und der Vergangenheit zu stellen. Diese lauert in Form von seinem Bruder, seiner Jugendliebe und alten Bekannten an jeder Ecke. Genauso wie der Gefängnisaufseher Nango.

„Du fragst dich sicherlich, weshalb ich hier aufgekreuzt bin, oder?“
„Ja.“
„Keine Angst. Es ist nichts schlimmes. Nun, ich möchte dich um einen Gefallen bitten. Es geht um einen Job auf Zeit.“ (S.52)

So kommen zwei ungleiche Gestalten zusammen, mit einem gemeinsamen Ziel: Den wahren Täter einer grausamen Mordreihe zu finden, damit der ihrer Meinung nach, unschuldig verurteilte Ryo freigelassen wird. Aber dafür benötigen sie Beweise, vorher brauchen sie nicht mit einem neuen Antrag an die Behörde herantreten. Zudem lockt eine Menge Geld, welches ihr Auftraggeber bereithält. Doch rasch bekommen sie die Steine zu spüren, die ihnen vor die Füße geworfen werden und ihre Hoffnung, die Wahrheit zeitnah auf den Tisch zu legen, rückt immer weiter weg.

Neben den Fakten, denen sie auf der Spur sind, begeben sich die beiden auf eine Reise in die Vergangenheit. Schließlich geht es in „13 Stufen“ nicht nur um eine Rettungsaktion. Nein, die Todesstrafe wird hinterfragt und diese wird in Japan immer noch aktiv betrieben. Derzeit sitzen 129 Personen* im Gefängnis warten auf ihren Tod durch den Strick. Diese Bestrafung kommt nur bei Mord und Verbrechen mit Todesfolge zum Einsatz. Aber sind wirklich alle jene Menschen zu Recht verurteilt?

„Dreizehn Personen.
Der Staatsanwalt rechnete nach, wie viele Formalitäten erledigt werden mussten, bis die Verkündung des Todesurteils zur Vollstreckung gelangte. Es waren 13 Schritte.
Dreizehn Stufen.
Ein Synonym für den Aufstieg zum Galgen.“ (S.39)

Diese Frage hat sich Oberaufseher Nango bereits öfter gestellt. Werden die Staatsdiener – in dem Fall die Gefängniswärter – ebenfalls zu Mördern, wenn die einen Mörder hängen? Was, wenn er unschuldig ist? Er seine Taten aufrichtig bereut? Warum wird manch einer begnadigt und ein andere nicht? Warum wird die Todesstrafe zeitweise (Machtwechsel) ausgesetzt? Gibt es nicht Gesetze, an die man sich halten muss und sollte? Zahlreiche Fragen werden aufgeworfen und man fragt sich selbst als Leser, wie steh ich selbst dazu?

Aber auch Jun’ichi hat Schatten aus seiner Vergangenheit, die ihn bis heute verfolgen und sein Handeln beeinflussen. Letztlich ist es gerade diese Kombination aus Krimi und Tatsachenbericht, die ich an dem Buch so mochte. Man beobachtet zwei Männer bei ihrem Kampf gegen Windmühlen und möchte am liebsten selbst mit einschreiten und helfen. Selbst in den Momenten, der Zweifel und Skepsis. Wo man den eigentlichen Pfad der Suche verlässt und andere Dämonen bekämpft.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es schlägt einen ruhigen und zugleich spannenden Tonfall an, dem man gerne lauscht. Wer also einen nervenaufreibenden Kriminalroman erwartet, sollte die Finger davon lassen. Wer dagegen selbst seinen Kopf zu dieser Thematik anstrengen möchte, sollte zugreifen.

Gutes Buch, Spannend, aber kein Roman.

Von: Himmelsblume Datum: 07. Dezember 2017

un’ichi wurde soeben aus dem Gefängnis entlassen und soll mit Strafvollzugsbeamten Nango die Unschuld eines Häftlings beweisen, der im Todestrakt sitzt und auf seine Hinrichtung wartet. Ryo Kihara, der im Todestrakt seit sieben Jahren sitzt, soll sein Bewährungshelfer ermordet haben und setzt alle Hoffnung in Jun’ichi. Ob Ryo wirklich der Mörder ist? Fakt ist, er kann sich aufgrund einer Kopfverletzung nicht mehr an den Tatabend erinnern und der Richter sieht es vor, das nur Verbrecher Begnadigung erhalten, die Reue zeigen. Ryo kann jedoch keine Reue zeigen, den er kann sich einfach nicht mehr daran erinnern, was an jenem Abend passiert ist.

Jun’ich, der nun aufklären soll, ob Ryo den Mord begann haben soll oder nicht, ist schon ein seltsamer Junger. Wenn man die Story so liest, könnte man denken, er war niemals im Gefängnis. Wirkte er doch so freundlich und sehr verantwortungsvoll. Allerdings hat er eine Tat begangen, die er nicht bereut. Doch warum? Das liest man selber erst zum Schluss.

Eine wirklich spannende Story, die auch zeigen kann, wie ungerecht manche Menschen bestraft werden. Recht gut fand ich immer wieder die falschen Fährten und Geheimniskrämerei. So weis man wirklich erst zum Schluss, was wirklich am Abend passiert ist und warum am Ende alles so gekommen ist. Auch warum ausgerechnet Sträfling Jun’ichi den besagten Abend aufklären soll.

Ist Todesstrafe gerechtfertigter Mord?

Von: WolfgangB Datum: 02. Dezember 2017

Vor zwei Jahren überraschte der Japaner Kazuaki Takano mit seinem Thriller "Exctinction", der zugleich mit hohem Tempo und tiefgreifenden Gedanken ausgestattet war, damals mein Hörbuch-Highlight des Jahres [http://www.buecherkaffee.de/2016/02/kolumne-aufgelesen-zuruckgehort-meine.html]. Nun veröffentlichte der Penguin-Verlag seinen bereits im Jahr 2001 erstmals erschienenen Roman "13 Stufen".
Die schlechte Nachricht: Ein das menschliche Selbstverständnis infrage stellendes Hochgeschwindigkeitsrennen durch die Seiten wie "Exctinction" sollte man sich nicht erwarten, die beiden Romane unterscheiden sich fundamental.
Die gute Nachricht: "13 Stufen" entzieht sich dem Vergleich, indem es eine weitaus intimer dimensionierte Geschichte erzählt, die eine interessierte Leserschaft weit in die japanische Kultur führt.

Der soeben aus dem Gefängnis entlassene Jun'ichi wird mit einer ungewöhnlichen Aufgabe betraut. Gemeinsam mit dem Strafvollzugsbeamten Nango - im Klappentext fälschlicherweise mit dem Verurteilten verwechselt - soll er die Unschuld eines Häftlings beweisen, der im Todestrakt seiner Hinrichtung entgegensieht. Dem verurteilten Ryo Kihara wird nämlich der Mord an seinem Bewährungshelfer zur Last gelegt. Üblicherweise werden als Protagonisten in einem Krimi hauptamtliche Ermittler gewählt, da diese einerseits die größtmögliche Handlungsfreiheit und andererseits einen jederzeit umfassenden Informationsstand gewährleisten. Nicht so im vorliegenden Werk. Die resultierende Einschränkung wird jedoch durch das Spezialwissen der beiden Hauptfiguren, ihre Erfahrungen innerhalb einer Haftanstalt, kompensiert. Diese ermöglichen nicht nur Empathie mit Kihara und unkonventionelle Gedankengänge zum Tathergang, sondern erlauben es dem Autor auch, Überlegungen zum japanischen Vollzugssystem anzustellen, die tief unter die Oberfläche reichen. Insbesondere die berührende Betrachtung der Todesstrafe zwingt den Leser förmlich, Stellung zu beziehen.

"Ist das Gesetz gerecht? Ist es wirklich unparteiisch?" (S. 390)

Die beiden Hauptfiguren Jun'ichi und Nango symbolisieren die gegensätzlichen Standpunkte zum Hauptthema des Romans. Nango als Justizwachebeamter ist mit der Unerbittlichkeit eines hochbürokratischen Systems konfrontiert, dessen Anfälligkeit für Fehler im Laufe der Berufsjahre seine Zweifel genährt haben. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt den Fall von "Nummer 160" - Gefangene werden depersonalisiert - in dem Nango eigenhändig das Urteil vollstrecken mußte, womit er in seinen Augen selbst zum Mörder wurde.
Jun'ichi hingegen hat in seiner Zeit auf der anderen Seite der Zellentür einerseits Zeitgenossen kennengelernt, die er für nicht resozialisierbar hält und andererseits die persönlichkeitszerbrechende Isolation von der Gesellschaft am eigenen Leib erfahren. Seiner Meinung nach ist der Todestrakt als Endstation die einzig wirksame Abschreckung.
Diese beiden ähnlichen und in ihren Ansichten doch unterschiedlichen Figuren repräsentieren zugleich auch die Gesellschaft, die zwar offen die Todesstrafe ablehnt, sie jedoch insgeheim befürwortet.

Die zahlreichen Überlegungen zum japanischen Justizsystem, die detaillierten Abläufe und der behördliche Schriftverkehr drosseln zwar in der ersten Hälfte des Romans das Tempo, zwingen den Leser jedoch, zu wohldefinierten und vielstrapazierten Begriffen wie Gerechtigkeit, Justiz und Sühne Stellung zu beziehen. Wie beim Erlernen einer Fremdsprache ruft man sich das Vokabular und die Grammatik des eigenen Rechtssystems ins Gedächtnis, blättert zurück, um Passagen ein weiteres Mal zu lesen, vergleicht, dringt tiefer in die Geschichte ein. Jun'ichi muß etwa für seine Tat um Entschuldigung bitten, damit die Strafe als vollständig abgegolten gilt ... für europäische Verhältnisse eher ungewöhnlich.

"Angenommen, sein eigenes Kind wäre ermordet worden, dann würde er dem Verbrecher das Gleiche antun wollen. Aber wenn nun jeder Selbstjustiz üben würde, stürzte dies die gesamte Gesellschaft ins Chaos." (S. 191)

Nangos Zweifel werfen weitere Fragen auf: Kann es ein letigimes Motiv für Mord geben? Wie soll der Staat mit Schwerverbrechern umgehen? Was, wenn Zweifel an der Schuld bestehen? Was, wenn ein Verurteilter aufrichtige Reue zeigt? Was, wenn hingegen keine Aussicht auf Resozialisierung besteht, er den Hinterbliebenen ins Gesicht spuckt? Ist der Akt der Hinrichtung selbst auch Mord? Inwieweit kann blinder Gehorsam ohne Augenmaß ein Verbrechen sein?

Mit einem nachdenklichen, sachlichen Erzählstil orientiert sich der Autor an seinem schwierigen Thema, das ihm so wichtig ist, daß er Faktisches nicht mit zu viel Fiktivem verwässern will. Die Sprache ist oft von erfrischend naiver Direktheit, die zudem nahelegt, daß dem Autor mit seinem Debütroman die Botschaft ein größeres Anliegen ist als der literarische Anspruch. Erst als ein stabiles Fundament gelegt ist, scheint Kazuaki Takano auch bereit, darauf eine Geschichte zu errichten, die gerade im Ausklang noch mit raffinierten Wendungen überrascht.


Persönliches Fazit

"13 Stufen" wirkt anfangs wie ein Essay mit dramaturgischen Elementen, erweist sich jedoch nach und nach als knifflige Detektivarbeit vor einer detailliert ausgestalteten japanischen Kulisse.

Eines der wichtigsten Bücher des Jahres!

Von: Die Leserin Datum: 19. November 2017

Eigentlich ist die Zahl Vier in Japan und China die Unglückszahl. Aber im Debütroman des Japaners Kazuaki Takano ist es eindeutig die 13. Denn es sind 13 Stufen, die Verurteilte von dem Galgen trennen und 13 Beamte, die für die Vollstreckung zustimmen müssen.

Ryō Kihara ist so ein Verurteilter. Seit sieben Jahren sitzt er in der Todeszelle des „Nullbezirks“ in der Justizvollzugsanstalt Tokyo. In seiner 5m² kleinen Zelle gibt es gerade mal Platz für einen Waschtrog, eine Kloschüssel und eine Tatamimatte. Den ganzen Tag leuchtet eine Neonröhre von der Decke und auch nachts wird es nicht dunkel, denn durch die nächtliche 10-Watt-Birne ist sichergestellt, dass die Gefangenen durchwegs beobachtet werden können.
Jetzt ist es so, dass Kazuaki Takano gleich mal alle Register zieht. Denn Ryō Kihara hat einfach Pech. Pech, weil er sich nicht an den Tatabend - aufgrund einer Kopfverletzung und einer daraus entstandenen retrograder Amnesie - erinnern kann. Das Gesetz sieht vor, dass nur die Verbrecher Begnadigung erhalten können, die Reue zeigen. Aber ohne Erinnerung kann keine Reue entstehen.
„Man wird mich hinrichten.
Für eine Tat, an die ich mich überhaupt nicht erinnern kann.“ Zitat S. 10

Anders ergeht es Jun’ichi Mikami, der vorzeitig aus seiner Haft entlassen wird. Aber auch das schildert Takano mit einigen Schauderelementen. Jun’ichi würde man als den netten Jungen von nebenan bezeichnen. Er ist höflich, er fühlt sich verantwortlich, aber insgeheim bereut er seine Tat nicht. Warum, wird erst gegen Ende der Geschichte klar und als Leser wird man mit der Frage konfrontiert, ob manche Morde nicht doch gerecht seien. Erschreckend, oder?

Vom Gefängniswärter Shōji Nangō wird Jun’ichi angeheuert, die Unschuld Kiharas zu beweisen und ihn dadurch vor dem Galgen zu retten.
Die Story zeigt einerseits wie ungerecht manche Todesstrafen vollzogen werden, wie erschreckend Bürokratie und Gesetz ausgelegt werden, aber andererseits gibt es auch eine vertrackte Story mit vielen falschen Fährten und Geheimniskrämerei.

Leser, die Sinn und Tiefe in Geschichten suchen, kommen hier voll in den Genuss. Takano beleuchtet die Todesstrafe von allen Seiten: Von Verurteilten, die zitternd auf den Spruch der Todesboten warten, von Henkern, die das Urteil vollziehen müssen und zwischen Mitleid und dem Gefühl von Ungerechtigkeit und Abscheu und dem Gefühl von Gerechtigkeit hin- und hergerissen sind. Auch die Angehörigen der Opfer werden verschiedenen beleuchtet: Die einen, die trotz der Tat eine Begnadigung für den Täter fordern, und anderen, die unbedingt Rache in Form des Todes möchten.

Aber auch Leser, die eine gute Unterhaltung suchen, werden mit vielen falschen Fährten und einer Handlung, die sich langsam steigert und schließlich thrillerartig endet, belohnt.

Der Stil ist an manchen Stellen sehr japanisch. Sehr nüchtern, stellenweise sehr höflich, manchmal aber auch trocken. Der Stil zeigt aber auch, den kulturellen Unterschied zwischen uns und den Japanern. Emotionen werden verborgen, sind zwischen den Zeilen zu finden, ganz anders als bei uns. Anfangs befremdlich zu lesen, doch mit ein paar gelesenen Seiten gewöhnt man sich daran und lässt sich ein, in japanisches Denken und Leben.

Was Takano hier vorgelegt hat, ist ein Roman, der einen am Ende nicht mehr loslässt. Der die Frage, ob eine Todesstrafe gerecht ist oder nicht, nicht beantwortet. Der aber dazu anregt, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, weil es den Leser nicht mehr loslässt.
So einfach sind Lebens- oder wie in diesem Fall - Todesfragen nicht zu beantworten. Von daher sehr glaubwürdig, sehr erschreckend, sehr nachwirkend. Ohne zu urteilen oder zu bewerten, wird der Leser sich seine Antwort auf die Frage nach der Gerechtigkeit der Todesstrafe selbst suchen müssen.

Intelligent konstruierte Ermittlungen

Von: Michael Lehmann-Pape Datum: 13. November 2017

Einer sitzt in der Todeszelle und wartet darauf, die „13 Stufen“ nach oben zum Schafott gehen zu müssen. Vor fast genau 10 Jahren soll der Mann ein Ehepaar brutal ermordet haben.

Ein anderer wird dagegen, auch wenn auch er einer ist, der einen anderen getötet hat, kurz vor Ablauf der offiziellen Haftstrafe freigelassen werden.

Was darauf zurückzuführen ist, dass ein dritter Mann, ein Angestellter des Strafvollzuges, seine ganz eigenen Gründe hat, diesem Jun´ichi Mikamani nicht nur bei der Beurteilung vor der Kommission sehr zur Seite zu stehen, sondern diesen ebenfalls umgehend als „Assistenten“ anzuwerben. Um eben den Fall des zuerst genannten Todeskandidaten neu aufzurollen und zu verhindern, dass ein Unschuldiger hingerichtet wird.

Warum aber gerade Mikamani der „Mann der Wahl ist“, das wird sich ebenso erst im Verlauf der ausufernden Ermittlungen und Recherchen zum damaligen Mord erweisen, wie so manche andere Überraschung auf den Leser wartet. Dies gilt vor allem in Fragen der Bewertung und Einschätzung der handelnden Personen. Denn der erste Eindruck täuscht ja nicht selten und in diesem Thriller sogar überaus häufig.

Wie nebenbei lässt Takano während der intensiven Fortschreibung des eigentlichen Falles den Leser einen ebenso tiefen Einblick in die japanische Kultur erhalten.

Das Rechtssystem. Die penible Ordnung notwendiger Unterschriften auf Todesurteilen werden ebenso flüssig erläutert, wie die, dem Westen eher eigentümlich wirkende, gesellschaftliche Haltung mit ihren Folgen an sich. Da die japanische Kultur auf umfassender Gemeinschaft aufbaut, gilt bei Verbrechen zunächst eine Wiedergutmachung zu leisten (auch wenn das, wie im Falle Jun´ichis, die eigenen finanziellen Möglichkeiten und die der eigenen Familie bei Weitem übersteigt. Zudem muss sich jeder Straftäter bei seinem Opfer, im Fall eines Totschlages oder Mordes bei dessen nächsten Angehörigen, persönlich und überzeugend entschuldigen.

Was befremdlich wirkt, hier aber vor allem durchaus erweiternd und dem Fall am Ende dienend vollzogen wird.

Dass die Zeit knapp wird, der Spuren nur wenige zu finden sind, kaum einer der Befragten mit der ganzen Wahrheit herausrückt und zudem das ein oder andere verdeckt falsche Spiel betrieben wird, erhöht einerseits die Fantasie des Lesers, der lange nicht wirklich greifen kann, in welche Richtung die Auflösung des Falles sich entwickeln wird, und sorgt zudem für spannende Momente gerade im Finale des Buches, in dem Takano zeigt, dass er durchaus auch die „härtere Gangart“ sprachlich bestens in Szene zu setzen vermag.

Ein interessanter Fall, ein guter Einblick in eine doch fremde Kultur und, trotz der ruhigen Form, eine anregende Unterhaltung.

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