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Paolo Cognetti

Sofia trägt immer Schwarz

Roman

Der neue Bestseller des internationalen Erfolgsautors von »Acht Berge«

Sofia Muratore wäre so gern glücklich und trägt doch immer Schwarz. Sie hat zwei ungleiche Augen und fühlt sich wie ein »Luftballon hinter Gittern«. Mit zehn Jahren rasiert sie sich aus Protest die Haare, mit sechzehn hat sie von allem genug. Sie erträgt die Krisen der Eltern nicht, will Schauspielerin werden, wird aber nur magersüchtig. Sie zieht von Mailand nach Rom und dann nach New York. Sie verliebt sich, taucht ein in das Leben anderer und verflüchtigt sich sofort wieder wie Gas. Überhaupt ist Sofia immer auf der Flucht, vor ihren Freunden, Liebhabern, den Eltern und sich selbst – in der Hoffnung, anderswo endlich zur Ruhe zu kommen.

»Sofia trägt immer Schwarz« ist ein eindringlich-empathischer Roman über die Rastlosigkeit der Zeit - wie in seinem Bestseller »Acht Berge« beweist Paolo Cognetti ein feines Gespür für die drängenden Fragen unseres Lebens.

Das Buch spielt in Mailand, Italien

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Leserstimmen

In Episoden erzählte, tiefgründige Einblicke in ein Leben

Von: Buchstabenträumerin Datum: 16. Oktober 2018

„Die Frau mit den zwei Gesichtern“, erwidert Marta. „Siehst du das? Nicht nur das Auge, sondern auch die Braue, der Mundwinkel und diese kleine Narbe an der Wange – dein Gesicht ist total asymmetrisch.“
„Und so soll ich sein? Asymmetrisch?“. (Seite 138)

Es gibt ein abstraktes Kunstwerk, an das ich beim Lesen von „Sofia trägt immer Schwarz“ von Paolo Cognetti denken musste. Metallsplitter hängen wie in der Bewegung erstarrt in der Luft, in ihrer Mitte ein leerer Raum. Anfangs meinte ich, das Metall sei das zu beurteilende Kunstwerk, doch letztendlich war der Raum die Essenz von allem. Der Raum ist es, worauf es ankommt, die Metallsplitter erfüllen nur den Zweck, diesen Raum sichtbar zu machen. Ganz ähnlich erging es mir mit Sofia. Sie ist kaum greifbar, sie ist wandelbar und flüchtig. Nirgends wird sie sesshaft, ihre Gedanken und Gefühle behält sie unter Verschluss. Stattdessen sind es die Menschen, denen sie im Verlauf der Geschichte begegnet, die durch ihre gemeinsamen Erlebnisse eine Art „Sofia-Raum“ entstehen lassen und auf diese Weise den Kern von Sofias Wesen erfassen.

Du schleppst deine beiden Identitäten mit dir herum wie streitsüchtige Schwestern: Eine zerrt an dir und will weiterkommen, während die andere die Absätze in den Boden rammt. (Seite 139)

Da wären ihre Eltern, ihre depressive Mutter, der schwerkranke Vater, die patente Tante sowie diverse Bekanntschaften und Liebhaber. Alle erzählen in kurzen Episoden von ihrer Begegnung mit Sofia. Sie zeichnen ein Bild von diesem Mädchen, später von Sofia als erwachsene Frau, offenbaren Charakterzüge und Eigenheiten, die sie so speziell machen. Das ist auch das Besondere an diesem Buch: Niemals ist es Sofia selbst, die von sich aus der Ich-Perspektive erzählt. So bleibt sie bis zu einem gewissen Grat stets rätselhaft und undurchdringlich.

Paolo Cognetti gibt die Aufgabe, Sofia und ihre Lebensgeschichte zu verstehen, an den Leser ab. Soll er sich einen Reim auf seine Protagonistin machen, scheint er sich zu denken. Inwiefern hat ihre Kindheit mit der depressiven Mutter Sofia geprägt? Oder der häufig abwesende Vater? Was treibt sie an? Was erhofft sie sich vom Leben? In gewisser Weise ist „Sofia trägt immer Schwarz“ ein weißes Blatt. Denn letztendlich sind die bruchstückhaften Episoden nur kurze Zeitfenster in Sofias Leben. Was geschah in der Zwischenzeit? In diese Lücken setzt jeder Leser seine eigene Interpretation. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich darauf einlassen kann und möchte. Für alle, die konkrete Antworten suchen, ist dieser Roman nicht der richtige. Für alle, die ihre Gedanken treiben lassen möchten, hingegen umso mehr.

Vor der Kamera verwandelte sich Sofia wieder in die Kellnerin am Fluss: Sie bewegte sich in ihrer Rolle, als wäre der Film das Leben und alles andere reine Imitation. (Seite 211)

Fazit

„Sofia trägt immer Schwarz“ von Paolo Cognetti schenkt dem Leser viel Freiraum zur Interpretation. In einzelnen Episoden schildern unterschiedliche Charaktere ihre Begegnung mit Sofia, einer Protagonistin, die es nicht einfach hat im Leben und die es sich nicht einfach macht. Sie fordert andere heraus und ist stets auf der Suche. Nach was? Das lässt sich nur erahnen und womöglich findet jeder Leser seine eigene, ganz persönliche Antwort auf diese Frage. Kein einfacher Roman, aber einer, der sich zu lesen lohnt.

Eine zeitlose Berührung

Von: VB00KS Datum: 12. Oktober 2018

Meine Zusammenfassung:
Sofia ist acht Jahre alt, als ihr Vater eines Tages mit dem Neunjährigen Oscar, dem Sohn eines Freundes, dessen Frau im Sterben liegt, nach Hause kommt und die Familie ihn für einige Zeit aufnimmt. Es dauert nicht lange, bis sich die beiden Kinder anfreunden und Oscar ein vollwertiges Familienmitglied wird.

Während Oscar Sofia lehrt, eine Piratin zu werden und sie gemeinsam mit den anderen Kindern gegen verfeindete Piraten kämpfen, bringt Sofia ihm bei, wie man betet. Sie zeigt ihm, dass Gebete dabei helfen können, Wünsche zu erfüllen und sei es der Wunsch, dass Oscars Mutter länger lebt. Doch beide Kinder müssen feststellen, dass kein Gebet der Welt dagegen hilft, gegen einen Tumor anzukommen.

Doch Sofia wird älter, und mit einem leichten Hang zur Dramatik, auch impulsiver. Ein eher dezenter Versuch sich selbst umzubringen, bringt ihr nicht nur Aufmerksamkeit sondern auch einen Aufenthalt in einer Klinik. In dieser Zeit entwickelt sie ein gutes Verhältnis zu ihrer Tante Marta, mit der sie zuvor eher wenig zutun hatte. Marta sorgt sogar für ihre Entlassung und nimmt sie bei sich zu Hause auf.

In der Zeit nach ihrem Klinikaufenthalt kommt Sofia viel rum und begegnet den unterschiedlichsten Menschen und berührt diese alle auf ihre Art und hinterlässt ihre Spuren. Sie wird Schauspielerin und wohnt gemeinsam mit zwei weiteren angehenden Schauspielerinnen in einer Frauen WG. Doch das Leben meint es nicht immer gut mit ihr, genauso wenig, wie mit den Menschen die ihr mal nahe standen …

Meine Meinung:
Sofia trägt immer Schwarz ist in meinen Augen eine ganz andere Art Roman. Ich hatte meine Startschwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Und auch zwischendurch war es immer mal wieder schwierig für mich, den Anschluss nicht zu verlieren. Doch irgendwann, als ich dann endlich im gleichen Takt wie die Geschichte war, hat es mich völlig eingebunden und mitgenommen.

Ich habe die Protagonistin aus vielen unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt. Vielerlei Blickwinkel haben mir die einzelnen Puzzleteile einer Person zu einem Gesamtbild zusammengefügt und mir einen Charakter gezeigt, den ich zunächst als unsympathisch empfand. Doch zum Schluss hat auch mein Blickwinkel sich gedreht und Sofia wurde in meinen Augen zu einer Frau, die durch ihre Vergangenheit zu schnell erwachsen wurde, aber das Beste daraus gemacht hat. Sie hat die Welt mit anderen Augen gesehen, nicht hauptsächlich weil viele ihr die Welt erklären wollten sondern eher, weil ihr eigener Blickwinkel ein anderer war.

Dies ist kein Buch, welches mich unterhält oder mich zum lachen und zum weinen bringt, sondern eine Geschichte, die mich berührt hat. Sofia hat mich berührt. Und um zu verstehen, welche Art der Berührung hier stattgefunden hat, muss man dieses Buch selbst gelesen haben. Diese 236 Seiten kosten keine Zeit, sie lassen die Zeit vergessen.

Mein Fazit:
Eine zeitlose Berührung.

4 von 5 Sternen.