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Paolo Cognetti

Sofia trägt immer Schwarz

Roman

Der neue Bestseller des internationalen Erfolgsautors von »Acht Berge«

Sofia Muratore wäre so gern glücklich und trägt doch immer Schwarz. Sie hat zwei ungleiche Augen und fühlt sich wie ein »Luftballon hinter Gittern«. Mit zehn Jahren rasiert sie sich aus Protest die Haare, mit sechzehn hat sie von allem genug. Sie erträgt die Krisen der Eltern nicht, will Schauspielerin werden, wird aber nur magersüchtig. Sie zieht von Mailand nach Rom und dann nach New York. Sie verliebt sich, taucht ein in das Leben anderer und verflüchtigt sich sofort wieder wie Gas. Überhaupt ist Sofia immer auf der Flucht, vor ihren Freunden, Liebhabern, den Eltern und sich selbst – in der Hoffnung, anderswo endlich zur Ruhe zu kommen.

»Sofia trägt immer Schwarz« ist ein eindringlich-empathischer Roman über die Rastlosigkeit der Zeit - wie in seinem Bestseller »Acht Berge« beweist Paolo Cognetti ein feines Gespür für die drängenden Fragen unseres Lebens.

Das Buch spielt in Mailand, Italien

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Leserstimmen

Sofia trägt immer schwarz von Paolo Cognetti

Von: Ursula Schwalb Datum: 15. November 2018

"Sofia trägt immer schwarz" - ein Roman, der mich sowohl vom Titel als auch vom Cover total angesprochen hat. Die Protagonistin Sofia wächst in den 80er Jahren in Italien auf. Mit 10 Jahren rasiert sie sich aus Protest gegen die Erstkommunion die Haare, als Jugendliche versucht sie, sich umzubringen, scheitert und wird magersüchtig. Später zieht sie nach Rom in eine Frauen-WG und dann nach New York, um Schauspielerin zu werden. Stets versucht sie nur eins, nämlich einfach nur glücklich sein - doch sie kommt dabei nicht zur Ruhe und scheint ständig auf der Flucht zu sein - nicht nur vor ihren Eltern, Liebhabern und Freunden, sondern auch vor sich selbst.
Klingt nach einer interessanten Protagonistin? Ist es auch! Ich habe mich vom ersten Moment an in Sofia verliebt, in ihre rebellische Art, in ihre Schlagfertigkeit, in ihren Mut, in ihre schillernde Persönlichkeit.
Stilistisch und sprachlich führt uns der Autor durch verschiedene Zeitebenen und Perspektiven. Das fand ich zunächst sehr interessant, hat für mich aber mit jeder Seite den Reiz verloren, wo plötzlich nicht mehr sofort klar war, wessen Perspektive es gerade ist und in welchem Zeitraum es spielt. Außerdem - was war mit Sofia? Warum kam sie plötzlich nur noch so selten vor? Der Autor führt uns über Umwege immer wieder zu Sofia zurück, doch das Konzept konnte mich am Ende nicht überzeugen. Viel zu viele Dinge gingen zu sehr ins Detail und zu viele Perspektiven wurden geöffnet, die dann zu viele Nebenhandlungen hatten. Das mag gut funktionieren, aber bei so einer außergewöhnlichen Protagonistin hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus mehr auf ihr liegt. Ein "eindringlich-empathischer Roman über die Ratlosigkeit unserer Zeit, die Sehnsucht nach Freiheit und Glück"? (Quelle: Klappentext) Ja, auf jeden Fall! Doch da hätte noch mehr Sofia sein müssen, mehr aus ihrer Perspektive, weniger aus den Perspektiven von allem drum herum.
Leseempfehlung? Auf jeden Fall. Weil sich die Lektüre wegen Sofia lohnt. Und wer weiß, vielleicht empfindet ihr meine Kritik ja auch ganz anders und werdet vollständig überzeugt.

Eine faszinierende Frauenfigur als Projektionsfläche

Von: artWORDising Diana Wieser Datum: 14. November 2018

Als Sofia während ihres Selbstmordversuchs auf die Wirkung der Tabletten wartet, kommt ihr der Gedanke, dass sie zur Schauspielerei berufen sei. „Das wäre eine wunderbare Möglichkeit gewesen, sich selbst zu entkommen.“ Sofia überlebt, zieht weiter an neue Orte, zu neuen Menschen, Beziehungen, Jobs – stets auf der Flucht vor sich selbst. Station macht sie in Mailand, Rom, New York. Letztendlich wird Sofia zum Sinnbild einer ganzen Generation von Ruhelosen, überwältigt von der Komplexität des Daseins.
Weil sie keine Lust auf ihre Erstkommunion hat, rasiert sich Sofia die Haare ab. Als Kind spielt sie lieber mit Jungs, verliert sich in Piratengeschichten. Sie lehnt Essen ab, ebenso wie die Notwendigkeit, sich festzulegen. Sofia lässt sich vom Leben treiben. Als Punk, Schauspielerin, Geliebte. Vor der Kamera glänzt Sofia mit Präsenz, kaum ist diese abgeschaltet, verschwindet sie nahezu unsichtbar. Sofia liebt die Farbe Schwarz, weigert sich aber in Filmen zu sterben. Begründung: Als Lebender könne man nicht wissen, wie es ist zu sterben, und wer es wisse, sei bereits tot.

Dabei will Sofia Muratore vor allem eins: nicht so werden wie ihre Eltern. Aufgewachsen in einem Mailänder Vorort, lauern hinter der Idylle wahre Abgründe. Ihr Vater ist ein Workaholic, ihre Mutter ist manisch-depressiv und kommt oft den ganzen Tag nicht aus dem Bett. Beide verharren in ihrem Unglück. Sofia wählt eine andere Strategie: Wenn etwas nicht gut läuft, bricht sie einfach alle Brücken hinter sich ab und zieht weiter.

Der Roman begleitet Sofia von ihrer Geburt bis zu ihrem 28. Lebensjahr. Autor Paolo Cognetti wechselt in jedem Kapitel die Perspektive auf seine Protagonistin. Es sind Menschen, die Sofia begegnen und sie aus ihren Augen beschreiben. Mal ist es die Insassin einer Jugendpsychiatrie, mal die politisch radikalisierte Tante, mal der Mitbewohner eines Regisseurs, mit dem Sofia eine Affäre eingeht. Auch die Hintergrundgeschichten ihrer Eltern werden beleuchtet. Nach und nach fügen sich die Puzzleteilchen von Sofias Chronologie zusammen. Dennoch bleibt Sofia ein Mysterium, da wir keine direkte Charakterisierung enthalten, sondern sie durch die jeweiligen Filter ihrer Mitmenschen sehen. Stattdessen erfahren wir, welche Spuren sie in deren Leben hinterlassen hat. So inspiriert sie zum Beispiel einen Mitbewohner zu einem lange geplanten, aber nie angegangenen Roman.

Der italienische Autor hat ein feines Gespür für Szenen. Gleichzeitig entführt er uns auf eine Zeitreise zwischen Punk, Gewerkschaftsstreiks, Emanzipations- und Jugendbewegungen.
Fazit: Die Literatur bedarf mehr starker Frauenfiguren wie Sofia, die anziehen und abstoßen, die faszinieren und zur Reflexion anregen. Schwarz ist nicht umsonst die Abwesenheit von Farbe, da Schwarz keine Lichtwellen reflektiert. So dient Sofia unbewusst als Projektionsfläche, als schwarze Leinwand. Oder wie auf Seite 214 beschrieben wird „… ein Mittelsmann… einer von denen, die einem Türen öffnen und wieder verschwinden.“ Sofia ist eine fluide, kaum greifbare „Mittelsfrau“, die selbst im Spekulativen bleibt, aber lange im Leben ihrer Mitmenschen – und Leser – nachhallt.

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Achtziger im schwarz.

Von: Booklove15_11 Datum: 27. Oktober 2018

Sofia, Tochter von einer depressiven Mutter und einem Workaholic Vater. Mit zehn rasiert sie sich aus Protest die haare ab, mit sechzehn versucht sie sich umzubringen. Die Krisen der Eltern zerfressen sie. Sie versucht mit Rausch von allen Problemen entfliehen, wird aber nur magersüchtig. Mit sechzehn zieht sie von zuhause aus und mit Hilfe von ihre Tante zieht sie aus Mailand nach Rom, in eine Frauen-WG um zu studieren. Und dann nach New York, wo sie Schauspielerin werden will. Sie taucht ein in das leben anderer, ohne hallo zusagen und verflüchtigt sich ohne auf wiedersehen. Einer junge Frau, die rastlos Glück und Freiheit sucht.

Leider war das Roman überhaupt nicht meins. Ich hatte ganz was anderes erwartet als das ganze Raucherei. Der Autor hat viele schwierige Themen ausgesucht aber meine Meinung nach nicht in den Handlug richtig umgesetzt. Der Erzählstil ist gewöhnungsbedürftig und ich hatte Probleme in die Geschichte reinzukommen. Ich wurde weder mit Sofia oder all den anderen nicht warm. Es erzählt viel zu sprunghaft und von allen anderen Charakteren. Ich wollte mehr von Sofias Gefühlen erfahren, was leider nicht der Fall war. Ich finde das Cover und der Titel täuscht, hier geht es nicht nur um Sofia sondern um die ganze Familie und freunde von Sofia. Im großen und ganzen es ist eine kurzweilige Geschichte. Man kann das lesen, ein muss ist aber nicht.

Rebellisch und rastlos

Von: YukBook Datum: 24. Oktober 2018

Ich war sehr gespannt darauf, Sofia kennenzulernen, die immer schwarz trägt. Gemeint ist die Protagonistin dieses Romans, die in Mailand aufwächst, nach Rom zieht, um Schauspielerin zu werden und schließlich in Brooklyn landet. Hinzu kommt, dass mich der Roman „Acht Berge“ so begeistert und meine Erwartungen an den italienischen Autor entsprechend hochgeschraubt hatte. Nun habe ich das Buch ausgelesen und weiß nicht so recht, was ich von den Erzählungen halten soll.

Der Anfang las sich sehr vielversprechend. Mir gefiel, wie Sofia ihre Erinnerungen an die Kindheit in Mailand und in der Neubausiedlung Lagobello beschrieb. Schöne Erlebnisse wie wilde, fantasievolle Piratenspiele mit Freunden zählten ebenso dazu wie leidvolle Phasen, bedingt durch den ständigen Ehestreit der Eltern, den Depressionen der Mutter und Verlustängste. Doch dann verliert sich zunehmend der rote Faden – nicht nur durch die vielen Zeitsprünge, sondern auch inhaltlich.

Der Autor beleuchtet beispielsweise die Ehe der Eltern, die Arbeitsbedingungen des Vaters bei Fiat oder das Verhältnis zu Sofias Tante, die sich politisch engagiert. Ich hatte gehofft, dass durch die fast eigenständigen Erzählungen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven Sofias Persönlichkeit allmählich Gestalt annimmt, doch sie spielt meist nur am Rande eine Rolle. So blieben für mich viele interessante Charaktere wie die fürsorgliche Caterina in ihrer WG in Rom oder die Geliebte ihres Vaters nur an der Oberfläche, und auch zu der Hauptfigur konnte ich bis zum Schluss keinen richtigen Zugang finden.

Interessant fand ich dagegen, wie Paolo Cognetti durch seinen ungewöhnlichen Erzählstil Schlaglichter auf die italienische Gesellschaft der 80er Jahre und die typischen Konflikte in einer bürgerlichen Familie wirft. Auch sprachlich versteht er sein Handwerk und schafft es, mit scharfer Präzision die Dinge auf den Punkt zu bringen.

Leider nichts für mich

Von: Zeilentänzer Datum: 20. Oktober 2018

Ich hatte mich sehr über das Buch gefreut und es ganz gespannt begonnen zu lesen. Leider wurde ich arg enttäuscht. Das Cover ist wunderschön, fühlt sich gut an und die Verabredung des gesamten Buches ist toll. Aber inhaltlich konnte mich die Geschichte überhaupt nicht erreichen, sodass ich das Buch nach der Hälfte abbrechen musste.

Mir war nie klar, wohin der Autor will und was es mit Sofia und den Geheimnissen um sie herum auf sich hat. Die Charaktere sind für mich nicht identifizierbar und werden nur undeutlich gezeichnet. Die Thematik der Erzählung wurde mir nie ganz deutlich, was so schade ist, denn nach „Acht Berge“ hatte ich viel Hoffnung in das neue Buch des Autoren gesetzt.

Die Idee ist sicherlich eine gute, die Umsetzung aber mangelhaft. Es ist nur eine ganz persönliche Meinung, mir hat das Buch einfach gar nicht gefallen, weil ich weder durchblickte noch die Figuren mochte.

Wer ist Sofia?

Von: buecherweltentdecker Datum: 19. Oktober 2018

„Man konnte innehalten, eines betrachten und alle anderen ignorieren. Oder aber man verteilte sie auf dem Boden und dachte sich selbst eine Handlung aus, denn es gab keine Handlung, sondern nur Schönheit und Zufall.“

Dieses Zitat auf Seite 227 in diesem Buch fasst eigentlich ziemlich gut zusammen, wie die Geschichte aufgebaut ist und was einen erwartet: Nämlich keine richtige Handlung, aber doch eine aussagekräftige Message. Das Buch besteht aus einzelnen Kapiteln, die aus Sicht eines Freundes, Familienmitgliedes oder auch nur eines Bekannten von Sofia geschrieben sind. So bleibt die eigentliche Protagonistin immer auf Distanz. Wir erfahren in diesem Buch also nicht, wer Sofia wirklich ist. Was sind ihre Gedanken und Absichten? Das bleibt alles Interpretationssache.

Man könnte meinen, dass man sich ein genaues Bild von einer Person schaffen kann, wenn man die vielen Erzählungen von den einzelnen Personen in Erfahrung bringt. Doch dem ist nicht so. Sofia hat zu jedem selbstverständlich eine andere Beziehung, demnach sind ihre Gedanken, Absichten und Gefühle niemals wirklich nachvollziehbar.

Da man es normalerweise anders von Büchern gewohnt ist, kann ich mir vorstellen, dass es sich für viele sehr anstrengend gestaltet. Man hat halt keine „handfeste“ Protagonistin. Auch für mich war es stellenweise ein wenig mühsam, dass ich zu Beginn auch noch nicht erahnen konnte, worauf der Autor hinaus möchte. Im Nachhinein betrachtet finde ich aber den Grundgedanken von Paolo sehr schön umgesetzt, sodass ich es nicht bereut habe ein weiteres Werk von ihm gelesen zu haben.

Mosaikteilchen

Von: Frau Lehmann Datum: 18. Oktober 2018

Paolo Cognettis Roman "Acht Berge" über eine Männerfreundschaft war im letzten Jahr gefühlt eines der meisterwähnten Bücher in den digitalen Medien. Nun bringt der Penguin Verlag seinen 2012 erschienenen, laut Klappentext "vielfach ausgezeichneten", Debütroman heraus, erstmals auf Deutsch. Warum erst jetzt, fragt man sich, wenn der Roman doch schon vor sechs Jahren eine so gute Aufnahme erfahren hat?
Meine Antwort darauf ist leider die Vermutung, dass man ihn damals, als der Bestsellerautor Cognetti noch der Erstlingsautor Cognetti war, übersehen haben muss oder ihn , oh Frevel, vielleicht gar nicht so spannend fand.
So ging es nämlich mir mit diesem Roman, der sich gar nicht wie einer anfühlt, eher wie eine Kurzgeschichtensammlung, die um das Thema "Sofia Muratore" kreiselt. Selbige ist erst ein junges Mädchen, später eine junge Frau aus schwierigen Verhältnissen. Unglückliche Mutter, fremdgehender Vater, im Teenageralter versucht Sofia einen Selbstmord, wird nach dessen Mißlingen dann aber lieber Schauspielerin. Verschiedene Stimmen bekommen je ein Kapitel Zeit, eine Façette aus Sofias Leben und Umfeld zu erzählen, dabei springt der Text munter in der Zeit. Jedes Mal ist eine Neuorientierung auf seiten des Lesers erforderlich, näher kommt man Sofias Wesen dabei aber keinen Zentimeter. Die junge Frau bleibt, nein, nicht geheimnisvoll, sondern blass, und irgendwo in ihren Dreißigern bricht der Roman dann auch ab. Alternde Frauen sind scheinbar weniger interessant als junge magersüchtige vagabundierende Schönheiten. Vielleicht wollte Cognetti auch nicht schreiben über Altersarmut und Magengeschwüre, Falten und Gesichtsverlust.
Nun ist es nicht so, dass dieser Roman nicht lesenswert wäre, Bestsellerautoren kommen ja im Allgemeinen nicht talentlos daher und schon dieses Debüt zeigt, dass Cognetti mit Worten wunderschöne Bilder erschaffen kann. Und auch, wenn Sofia selbst blass bleibt, treten andere Gestalten in den Vordergrund: ihr Vater oder ihre Tante Marta zum Beispiel. Das schönste Kapitel ist für mich das, welches eine Kinderfreundschaft mit dem Sohn eines Arbeitskollegen von Sofias Vater zum Thema hat. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass der Autor sich in "Männerwelten" wohler fühlt. Sei es nun der Junge, dessen Mutter im Sterben liegt oder Sofias Vater, dessen Fremdgehen mehr Verständnis erfährt als die Probleme der eher als nervig beschriebenen lebensunfähigen Mutter. Und Tante Marta, die Terroristin und Alleinlebende wäre auch als Onkel Eduardo durchgegangen.
Der Hauptgrund aber, weshalb ich mit diesem Roman so gar nicht warm geworden bin, ist ein Gefühl der Beliebigkeit, das sich recht schnell beim Lesen einstellte. Große Worte, schöne Formulierungen, feinsinnige Bilder, unausgesprochene Gefühle, Lug und Trug, Drama, Tragödie, alles vorhanden; kein Zweifel, das hier soll Kunst sein, soll besonders sein, und die dazugehörigen alten Fabrikhallen und der kunstbesessene ältere Liebhaber sind auch an Bord. Kein Klischee, das nicht Aufnahme gefunden hätte in diesem Strom ausgewogener Formulierungen. Nur echtes Gefühl, das habe ich persönlich vergebens gesucht.

In Episoden erzählte, tiefgründige Einblicke in ein Leben

Von: Buchstabenträumerin Datum: 16. Oktober 2018

„Die Frau mit den zwei Gesichtern“, erwidert Marta. „Siehst du das? Nicht nur das Auge, sondern auch die Braue, der Mundwinkel und diese kleine Narbe an der Wange – dein Gesicht ist total asymmetrisch.“
„Und so soll ich sein? Asymmetrisch?“. (Seite 138)

Es gibt ein abstraktes Kunstwerk, an das ich beim Lesen von „Sofia trägt immer Schwarz“ von Paolo Cognetti denken musste. Metallsplitter hängen wie in der Bewegung erstarrt in der Luft, in ihrer Mitte ein leerer Raum. Anfangs meinte ich, das Metall sei das zu beurteilende Kunstwerk, doch letztendlich war der Raum die Essenz von allem. Der Raum ist es, worauf es ankommt, die Metallsplitter erfüllen nur den Zweck, diesen Raum sichtbar zu machen. Ganz ähnlich erging es mir mit Sofia. Sie ist kaum greifbar, sie ist wandelbar und flüchtig. Nirgends wird sie sesshaft, ihre Gedanken und Gefühle behält sie unter Verschluss. Stattdessen sind es die Menschen, denen sie im Verlauf der Geschichte begegnet, die durch ihre gemeinsamen Erlebnisse eine Art „Sofia-Raum“ entstehen lassen und auf diese Weise den Kern von Sofias Wesen erfassen.

Du schleppst deine beiden Identitäten mit dir herum wie streitsüchtige Schwestern: Eine zerrt an dir und will weiterkommen, während die andere die Absätze in den Boden rammt. (Seite 139)

Da wären ihre Eltern, ihre depressive Mutter, der schwerkranke Vater, die patente Tante sowie diverse Bekanntschaften und Liebhaber. Alle erzählen in kurzen Episoden von ihrer Begegnung mit Sofia. Sie zeichnen ein Bild von diesem Mädchen, später von Sofia als erwachsene Frau, offenbaren Charakterzüge und Eigenheiten, die sie so speziell machen. Das ist auch das Besondere an diesem Buch: Niemals ist es Sofia selbst, die von sich aus der Ich-Perspektive erzählt. So bleibt sie bis zu einem gewissen Grat stets rätselhaft und undurchdringlich.

Paolo Cognetti gibt die Aufgabe, Sofia und ihre Lebensgeschichte zu verstehen, an den Leser ab. Soll er sich einen Reim auf seine Protagonistin machen, scheint er sich zu denken. Inwiefern hat ihre Kindheit mit der depressiven Mutter Sofia geprägt? Oder der häufig abwesende Vater? Was treibt sie an? Was erhofft sie sich vom Leben? In gewisser Weise ist „Sofia trägt immer Schwarz“ ein weißes Blatt. Denn letztendlich sind die bruchstückhaften Episoden nur kurze Zeitfenster in Sofias Leben. Was geschah in der Zwischenzeit? In diese Lücken setzt jeder Leser seine eigene Interpretation. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich darauf einlassen kann und möchte. Für alle, die konkrete Antworten suchen, ist dieser Roman nicht der richtige. Für alle, die ihre Gedanken treiben lassen möchten, hingegen umso mehr.

Vor der Kamera verwandelte sich Sofia wieder in die Kellnerin am Fluss: Sie bewegte sich in ihrer Rolle, als wäre der Film das Leben und alles andere reine Imitation. (Seite 211)

Fazit

„Sofia trägt immer Schwarz“ von Paolo Cognetti schenkt dem Leser viel Freiraum zur Interpretation. In einzelnen Episoden schildern unterschiedliche Charaktere ihre Begegnung mit Sofia, einer Protagonistin, die es nicht einfach hat im Leben und die es sich nicht einfach macht. Sie fordert andere heraus und ist stets auf der Suche. Nach was? Das lässt sich nur erahnen und womöglich findet jeder Leser seine eigene, ganz persönliche Antwort auf diese Frage. Kein einfacher Roman, aber einer, der sich zu lesen lohnt.

Eine zeitlose Berührung

Von: VB00KS Datum: 12. Oktober 2018

Meine Zusammenfassung:
Sofia ist acht Jahre alt, als ihr Vater eines Tages mit dem Neunjährigen Oscar, dem Sohn eines Freundes, dessen Frau im Sterben liegt, nach Hause kommt und die Familie ihn für einige Zeit aufnimmt. Es dauert nicht lange, bis sich die beiden Kinder anfreunden und Oscar ein vollwertiges Familienmitglied wird.

Während Oscar Sofia lehrt, eine Piratin zu werden und sie gemeinsam mit den anderen Kindern gegen verfeindete Piraten kämpfen, bringt Sofia ihm bei, wie man betet. Sie zeigt ihm, dass Gebete dabei helfen können, Wünsche zu erfüllen und sei es der Wunsch, dass Oscars Mutter länger lebt. Doch beide Kinder müssen feststellen, dass kein Gebet der Welt dagegen hilft, gegen einen Tumor anzukommen.

Doch Sofia wird älter, und mit einem leichten Hang zur Dramatik, auch impulsiver. Ein eher dezenter Versuch sich selbst umzubringen, bringt ihr nicht nur Aufmerksamkeit sondern auch einen Aufenthalt in einer Klinik. In dieser Zeit entwickelt sie ein gutes Verhältnis zu ihrer Tante Marta, mit der sie zuvor eher wenig zutun hatte. Marta sorgt sogar für ihre Entlassung und nimmt sie bei sich zu Hause auf.

In der Zeit nach ihrem Klinikaufenthalt kommt Sofia viel rum und begegnet den unterschiedlichsten Menschen und berührt diese alle auf ihre Art und hinterlässt ihre Spuren. Sie wird Schauspielerin und wohnt gemeinsam mit zwei weiteren angehenden Schauspielerinnen in einer Frauen WG. Doch das Leben meint es nicht immer gut mit ihr, genauso wenig, wie mit den Menschen die ihr mal nahe standen …

Meine Meinung:
Sofia trägt immer Schwarz ist in meinen Augen eine ganz andere Art Roman. Ich hatte meine Startschwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Und auch zwischendurch war es immer mal wieder schwierig für mich, den Anschluss nicht zu verlieren. Doch irgendwann, als ich dann endlich im gleichen Takt wie die Geschichte war, hat es mich völlig eingebunden und mitgenommen.

Ich habe die Protagonistin aus vielen unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt. Vielerlei Blickwinkel haben mir die einzelnen Puzzleteile einer Person zu einem Gesamtbild zusammengefügt und mir einen Charakter gezeigt, den ich zunächst als unsympathisch empfand. Doch zum Schluss hat auch mein Blickwinkel sich gedreht und Sofia wurde in meinen Augen zu einer Frau, die durch ihre Vergangenheit zu schnell erwachsen wurde, aber das Beste daraus gemacht hat. Sie hat die Welt mit anderen Augen gesehen, nicht hauptsächlich weil viele ihr die Welt erklären wollten sondern eher, weil ihr eigener Blickwinkel ein anderer war.

Dies ist kein Buch, welches mich unterhält oder mich zum lachen und zum weinen bringt, sondern eine Geschichte, die mich berührt hat. Sofia hat mich berührt. Und um zu verstehen, welche Art der Berührung hier stattgefunden hat, muss man dieses Buch selbst gelesen haben. Diese 236 Seiten kosten keine Zeit, sie lassen die Zeit vergessen.

Mein Fazit:
Eine zeitlose Berührung.

4 von 5 Sternen.