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Gabriel Tallent

Mein Ein und Alles

Roman

»Ein Buch, das man mit angehaltenem Atem verschlingt.« Washington Post

Dieser Roman über ein junges Mädchen hat Amerikas Leserschaft überwältigt und gespalten. Denn Turtle Alveston, so verletzlich wie stark, ist eine der unvergesslichsten Heldinnen der zeitgenössischen Literatur. Sie wächst weltabgeschieden in den nordkalifornischen Wäldern auf, wo sie jede Pflanze und jede Kreatur kennt. Auf tagelangen Streifzügen in der Natur sucht sie Zuflucht vor der besitzergreifenden Liebe ihres charismatischen und schwer gestörten Vaters. Erst als sie ihren Mitschüler Jacob näher kennenlernt und wahre Freundschaft erfährt, beginnt die Befreiung aus seinen Klauen. Gabriel Tallents Debut ist von eindringlicher Wucht und zugleich Zartheit, eine neue Stimme, die niemanden kalt lässt. »Als Leser schlägt einem das Herz bis zum Hals und man hofft nichts inständiger, als dass Turtle durchkommen möge. Intensiv und lebendig.« Marie Claire

Das Buch spielt in Mendocino, Vereinigte Staaten von Amerika

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Leserstimmen

Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt

Von: Luilines Blog Datum: 10. Dezember 2018

Der Klappentext und die vielen begeisterten Stimmen haben mich sehr neugierig auf das Buch gemacht und ich war mir sicher, dass mir das Buch ebenfalls gefallen wird. Ich kann vorweg sagen, dass ich nicht zu denen gehöre, die das Buch in den Himmel loben.

Der Schreibstil ist recht anspruchsvoll und das Buch lässt sich dadurch nicht so flüssig lesen. Darüber kann ich aber noch hinwegsehen. Die Dialoge der Charaktere haben mir aber überhaupt nicht gefallen und es wurden zu viele Schimpfwörter verwendet. Die derbe Sprache an sich hat mich nicht gestört, da sie zu den Charakteren gehört, aber die Schimpfwörter haben irgendwann Überhand genommen.
Die Hauptfigur Turtle war mir nicht sympathisch und ich konnte keine Bindung zu ihr aufbauen. Viele ihrer Entscheidungen konnte ich nicht nachvollziehen. Dies liegt wahrscheinlich an der distanzierten Erzählperspektive der ditten Person. Erst zum Ende der Geschichte konnte sie mich ein wenig mehr überzeugen.

Leider gibt es viele belanglose Szenen, die die Geschichte nicht voranbringen und ich habe mich gefragt, was der Autor damit sagen möchte. Generell ist die Geschichte sehr langsam erzählt. Es gibt viele Beschreibungen von Waffen und der Flora. Diese haben sich aber so oft wiederholt, dass sie für mich keinen Mehrwert für die Handlung dargestellt haben.

Die Darstellung von Turtles Vater ist dem Autor sehr gut gelungen. Andere Charaktere bleiben dagegen blass. Fast alle Charaktere haben sich absolut falsch verhalten, aber wenn es anders gewesen wäre, dann hätte das Buch auch ein schnelles Ende gefunden.

Der Schluss der Geschichte hat mir gefallen und ist meiner Meinung nach ein gelungenes Ende. Das kann den Rest der Geschichte aber nicht aufwerten.

Fazit:
Entweder man liebt diese Buch oder nicht. Es gibt nur sehr gegensätzliche Meinungen dazu. Generell finde ich es toll, dass sich ein Autor an so eine krasse Thematik herangetraut hat. Die Umsetzung hat mir aber leider nicht gefallen, auch wenn ich es mir so gewünscht habe.

Turtle und ihr Schutzschild

Von: Kristall86 Datum: 09. Dezember 2018

Julia Alveston, von allen nur „Turtle“ genannt (außer von ihrem Daddy der sie „liebevoll“ „Krümel“ nennt), 14 Jahre alt, lebt mir ihrem alleinerziehenden Vater Martin gänzlich abgeschieden in den Wäldern im Norden Kaliforniens. Turtle kennt die Wälder in ihrer Umgebung herum wie keine andere. Sie hat ihren eigenen Kompass in ihrer Seele und sie kennt hier nunmal jeden Grashalm und jeden Käfer ganz genau. Nur eines ist an Turtle anders - sie trägt immer eine Waffe bei sich. In der Schule fällt sie nur wegen ihrer schlechten Leistungen auf, sonst ist sie die Außenseiterin und schottet sich ab. Aber es gibt Menschen um sie herum die ahnen das etwas in ihrer Familie nicht stimmt. Turtles Leben verändert sich, als sie durch Zufall ihren Mitschüler Jacob näher kennen lernt. Eine wahre Freundschaft entsteht und sie merkt das sie sich aus den Klauen und Zwängen ihres Vaters befreien muss!

Gabriel Tallent hat mit „Mein Ein und Alles“ sein Debüt geschrieben. Seine Geschichte strotz und quillt förmlich über vor Erschrecken, Derbheit und Gewalt. Das was er hier geschrieben hat lässt einen als Leser oft den Atem anhalten, regt zum nachdenken an und wirkt mehr als berührend - aber komplett im negativen Sinne. Schuld an dem Ganzen ist nicht die Story selbst sondern sein Sprachstil. Schonungslos, vulgär, fluchend und abstoßend wählt er seine Wortwahl und bringt dadurch auch seine Protagonisten in ein sehr besonderes Licht. Natürlich ist das so von ihm gewollt aber es ist hier einfach zu viel von allem. Gepaart mit zu vielen botanischen Details, die bisher so extrem ausufernd, geschwollen und schwadronierend sind, vergeht einem als Leser oft die Lust an der Handlung. Auch das mag alles gewollt sein, hat mich aber durch dieses Buch wirklich gequält zurück gelassen. Mir wurde durch solche Parts gänzlich die Lust am weiter lesen genommen. Irgendwann habe ich nur noch quer gelesen. Am meisten gestört hat mich der ständigen Umgang mit Flüchen und das ständige Thema Waffen und die immer währende nervige Schreibweise „er sagt..., sie sagt...“. Dieses Buch lässt die USA in so einem schlechten, bösen und „Waffen-liebend“ Land erleuchten, das es nervt. Alles wirkt zu pauschalisierend, zu einfach, zu dumm. Und das ist die USA weiß Gott nicht. Auch wenn momentan politisch ein mehr als fragwürdiger und suspekter Wind durch das Land weht. Auch wenn die amerikanische Waffenloby ihr eigenes Süppchen kocht, aber das machen andere Länder auch.
Turtle wuchs mir als Leser nicht ans Herz, obwohl ich hier und da mit ihr Mitleid hatte. Ihr Vater nimmt das Wort „liebevoll“ leider zu genau und zeigt Turtle seine Liebe oft mit Begegnung im eigenen Bett die detailliert beschrieben werden. Sie ist sein Ein und Alles. Zwanghaft, Krankhaft... . Und sie wehrt sich nicht dagegen. Sie meint, sie braucht Härte im Leben. Auch wenn ihr eigener Vater ihr (körperlich und seelisch) weh tut. Das finde ich sehr verrückt! Und solche Situationen konnte ich nicht nachvollziehen. Sie haben mich abgestoßen. Ihre Auffassung ihrer Umgebung (abgesehen von der Natur) war mir einfach zu negativ und zu kühl.
Die Auswahl des Namen „Turtle“ passt wiederum extrem gut zu ihr. Sie hat ihren ganz eigenen und persönlichen Panzer um sich herum wie eben eine Schildkröte - ihre Waffen, ihr Schutzschild. Sie sind ihre Abwehr und auch das macht die Erziehung von „Daddy“ Martin deutlich. Ohne Waffen geht nichts. Und auch das sie ihren Vater liebevoll „Daddy“ nennt ist ein gewisser Schutz. Ein negativer Schutz. Erst Jacob macht sie auf alles aufmerksam und durchbricht ihren Panzer. Er „knackt“ sie in ihrer harten Schale.
Gabriel Tallent soll in den USA die Leserschaft „überwältigt“ und „gespalten“ haben. Kann ich gut verstehen. Wer liest schon gern über sich selbst das er seine Waffen mehr liebt als die eigene Familie bzw. werden hier viele mit der armen Turtle, aus Verständnis, mitgelitten haben - das arme Mädchen, denn hinter vorgehaltener Hand wird es solche Geschichten in der Realität mehr als genug geben. Aber, und das ist ein wichtiger Punkt, Turtle wird immer wieder Hilfe angeboten und sie lehnt sie, bis zu einem gewissen Punkt, immer wieder ab... bis Jacob kommt, der Retter in der Not. Warum also für ihre Situation Verständnis haben? Was will uns der Autor damit sagen? Tallent hat ein gewisses Talent zum schreiben, keine Frage. Aber umgehauen hat es mich nicht. Es war absolut nicht mein Buch, obwohl die Leseprobe mich total überzeugt hat und ich mich sehr auf dieses Buch gefreut habe. Aber es war leider eine ganz herbe Enttäuschung. Dieses Buch passt zur aktuellen politischen Lage der USA perfekt - keine Frage. Aber wenn man immer nur negatives über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hört, verliert man irgendwann das Interesse und ändert vielleicht die Sichtweise. Irgendwann ist man müde bezüglich solcher Storys... Schade, aber hierfür gibt es keine Leseempfehlung von mir.

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Starkes, verstörendes Debut

Von: Friedrichs Biggi Datum: 05. Dezember 2018

Die vierzehnjährige Turtle lebt mit ihrem Vater in einem völlig heruntergekommenen Haus in den Wäldern von Nordkalifornien auf. Ihr Großvater lebt in der Nähe in einem alten Wohnwagen mit seiner Hündin. Turtle besucht mehr oder minder erfolgreich die Schule. Sie ist eine Außenseiterin, wird aber von ihren Mitschülern in Ruhe gelassen. Ihre Lehrerin versucht Turtle zu helfen, doch diese Hilfe will das junge Mädchen nicht.

Turtle kann mit vielen Schusswaffen umgehen und ist von ihrem Vater auf das Überleben in der Natur vorbereitet worden. Der Vater ist schwer gestört und sehr grausam zu seiner Tochter. Warum, kann man nur erahnen, das wird in der Geschichte nicht näher beleuchtet. Er betrachtet seine Tochter als seinen Besitz und macht das auch sehr deutlich.

Als Julia, so heißt Turtle, einen Jungen kennen lernt und sich verliebt, ahnt man schon, dass das schwere Folgen für beide haben wird.

Sofort ist man mitten in der Geschichte. Gabriel Tallent beschreibt die Natur rund um Mendocino bild- und wortgewaltig, teilweise fast poetisch. Die Dialoge zwischen Turtle und ihrem Vater sind hingegen sehr derb, teilweise ordinär und brutal. Dieser Missbrauch, der da abläuft ist sehr verstörend.

Turtle ist eine starke Protagonistin, die ihren Vater schützt, egal was er ihr antut. Sie versucht zu überleben und man zittert und hofft, dass es ihr gelingen wird. Manchmal ist es fast nicht auszuhalten, was das Mädchen alles ertragen muss.

Dieser Roman ist ein starkes Debut, der von Gegensätzen lebt, den Leser mitleiden lässt und berührt.

Diesen knallharten Pageturner kann ich euch nur empfehlen.

Darling, oh Darling

Von: Exlibris JMalula Datum: 03. Dezember 2018

„My absolute darling“ - so der Originaltitel von „Mein Ein und Alles“ – ist die 14-jährige Turtle für ihren Vater Martin, mit dem sie in der toxischen Abgeschiedenheit eines heruntergekommenen Hauses in den nordkalifornischen Wäldern lebt. Bis auf den Großvater ist Turtle isoliert von jeglichem menschlichen, über die Oberflächlichkeit des Alltags hinausgehenden, Kontakt. Was die Beziehung Martins zu seiner Tochter betrifft, ist das „absolute“ des Titel wörtlich zu nehmen ist - „Woran es Dir auch fehlte, was auch immer ich dir nicht geben konnte, du wurdest immer geliebt, innig und bedingungslos.“ Es ist jedoch eine krankhaft obsessive, besitzerergreifende, missbrauchende Liebe. Ein Liebe die physisch und psychisch zerstört.

Gabriel Tallent schockiert (und vergrault einige) seine(r) LeserInnen schon auf den ersten Seiten seines Debütromans mit einer sehr expliziten Beschreibung eines sexuellen Missbrauchs – er folgt damit wohl dem literarischen Trend der „Tabulosigkeit“, der sich schon in Romanen wie „Und es schmilzt“ und „Ein wenig Leben“ zeigt. Die Grenzen zwischen für die Story nötiger Konfrontation mit dem Grauen und die Verkaufszahlen ankurbelnden, überflüssigen Voyeurismus sind sicher fließend und werden von jedem Leser anders empfunden. Schwerer auszuhalten für mich waren jedoch die intensiven inneren Monologe der Protagonistin Turtle (von ihrem Vater bezeichnender Weise „Krümmel“ genannt), die zeigen wie „brainwashed“ Turtle durch den jahrelangen manipulativen Missbrauch durch ihren Vater ist. Leider jedoch teilweise auf eine für mich zu platte und plakativen Weise, wenn in den Gedankenmonologen 1:1 dessen degradierenden „Vergewaltigungsjargon“ aufgegriffen wird. Auch stilistisch nervt es irgendwann, wenn sich zwischen jedem Halbsatz der Einschub „denkt sie“ wiederholt.

Für mich war „Mein Ein und Alles“ eine kurzweilige Lektüre mit ziemlicher Sogwirkung. Literarisch wechselhaft, jedoch durchaus mit Passagen, die das große erzählerische Potential Gabriel Tallents erahnen lassen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was von ihm noch kommt.

Kampf & Widerstand

Von: G.Siema Datum: 02. Dezember 2018

„Mein Ein und Alles“von Gabriel Tallent, Penguin Verlag, 1. Auflage, 2018
Die Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel „My Absolute Darling“

Dies könnte eine ganz normale Familie sein. Da ist ein Daddy (Martin), der in einem Haus in den Wäldern Kaliforniens, seine vierzehnjährige Tochter (Julia) alleine großziehen muss, weil Julias Mutter durch einen Unfall ums Leben gekommen ist. Böse Zungen behaupten auch, sie hätte „es“ nicht mehr ausgehalten. Der einzige Nachbar ist Grandpa, der mit seinem alten Hund in einem Wohnwagen im verwilderten Obstgarten haust. Verwildert ist nicht nur der Garten. Der raue Martin, der Großvater, das Haus, beinahe alles, womit es Julia, in ihrem Leben zu tun hat, ist rau und wild.
Wobei sie mit der echten Wildnis kein Problem hat. Sie ist eine Überlebenskünstlerin, sie liebt die Natur, ihre Waffen, die Schule weniger.
Julia hat viele Namen. Ihr Daddy nennt sie Krümel, ihr Grandpa nennt sie Liebchen, sie selbst zieht es vor, Turtle genannt zu werden. In ganz besonderen Momenten nennt sie ihr Daddy „mein Ein und Alles“, und er meint es wortwörtlich. Wenn Martin seine Tochter sein „Ein und Alles“ nennt, will er damit sagen, dass er ohne sie nicht leben kann, dass er sie nicht loslassen kann oder will und dass sie ihm ganz allein gehört. Diesen Besitzanspruch verteidigt er mit Perversion, Gewalt, Aggression und Missbrauch.
Es gibt Menschen in Turtles Umfeld, die den Wahnsinn und die Gewalttätigkeit des Vaters erkennen, erahnen, doch Turtle lässt sich nicht helfen, so scheint es. Einige Menschen unternehmen hilflose Versuche, der Großvater überlebt so einen Versuch nicht. Julia muss immer gut überlegen, was sie sagt, wie weit sie gehen kann. Sie bereut öfter, zu viel gesagt zu haben, daher rührt auch ihre besonnene Art, die man auch als wortkarg bezeichnen könnte.
Mit jedem Kapitel wird es gefährlicher, für Turtle. Sie ist das Opfer ihres Daddys, sie will aber unabhängig sein, dennoch ist sie abhängig von seiner Liebe, auch von seiner körperlichen Nähe.
Je mehr das Mädchen um ihre Unabhängigkeit kämpft, desto mehr muss sie bei ihrem Daddy leiden. Schließlich bringt Martin das Fass zum Überlaufen, als er sich ein neues Opfer nach Hause holt. Turtle kämpft nun, aber im wahrsten Sinne des Wortes, mit ihren Waffen gegen ihren Vater.
Gabriel Tallent hat acht Jahre an seinem Roman gearbeitet. Er betont in einem Interview, dass er über ein Mädchen schreibe, das für seine Seele kämpfe.
Wer etwas über Waffen, die Natur in Kalifornien lernen möchte, muss nur Gabriel Tallents detaillierten Beschreibungen nachgehen.
Ich finde viele Gründe, weshalb ich dieses Buch als gut bezeichnen kann. Sehr viele Geschichten, die derzeit veröffentlicht werden, basieren auf dem Gedankengut von „Gutmenschen“. Und diese Geschichten werden gerne gelesen. Für mich sind diese Texte realitätsfern. Tallents Roman ist nicht fern der Realität, denn Grausames passiert ständig, überall, kaum jemand bleibt davon verschont, jeder muss das in sein Leben integrieren ohne verrückt zu werden. Die Frage ist, ob man davonläuft oder sich stellt. Die Beschreibung des „Normalen“ erscheint so machen grausam. Gabriel Tallent ist Amerikaner, darum kann er auch so unverhohlen über den Umgang mit Waffen schreiben. Eine Waffe, eine Sache an sich kann niemals schlecht oder gefährlich sein. Es kommt immer darauf an, wie wir damit umgehen. Mit einem Hammer sind schon viele Köpfe eingeschlagen worden. Mit einem Hammer wurden schon viele Häuser gebaut.
Ein Roman, das den Horizont in vielerlei Hinsicht erweitern kann!

Außergewöhnlich, schonungslos, hart

Von: KittysKiste Datum: 28. November 2018

Die 14-jährige Turtle lebt mit ihrem alleinerziehenden Vater Martin abgeschieden in den Wäldern Nordkaliforniens. Dort kennt sie sich aus, streift durch die Natur, ernährt sich von dem, was sie findet, immer mit ihrer Waffe am Körper. In der Schule hingegen ist sie eine Außenseiterin und schottet sich ab. Nur ihre Lehrerin ahnt, dass irgendetwas in Turtles Familie nicht stimmt. Als dann auch noch der etwas ältere Jacob in Turtles Leben auftaucht, wird selbst ihr klar, dass ihr Leben nicht so ist, wie es sein sollte.

Ich danke ganz herzlich dem Penguin Verlag, dass er mir dieses außergewöhnliche Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat. Ich kann gar nicht so richtig ausdrücken, wie mich die Geschichte von Turtle berührt und mitgenommen hat.

Allerdings muss ich sagen, dass ich mich an den Schreibstil erst einmal gewöhnen musste, da er mal ganz einfach, dann aber wieder sehr niveauvoll ist. Außerdem fehlen manchmal Anführungszeichen, was mich teilweise schon etwas verwirrt hat. Als ich dann aber einmal in der Geschichte drin war, bin ich, soweit ich Zeit zum Lesen fand, förmlich durch die Seiten geflogen.

Die Geschichte in diesem Buch dagegen ist einfach nur außergewöhnlich. Gleich am Anfang sei gesagt, dass sie definitiv nichts für Leute mit schwachen Nerven ist, denn es gibt viel Gewalt, Missbrauch und sogar Inzucht. Dies alles wird so nüchtern aus Turtles Perspektive erzählt, dass man förmlich spürt, wie sehr sie dem allem gegenüber abgestumpft ist. Definitiv ist diese Art aufzuwachsen, wie sie es tut, nicht normal. Schon allein, dass Waffen in ihrem Leben eine große Rolle spielen, sie aber dafür so gut wie keinen Kontakt zu anderen Kindern hat, ist sehr auffällig. Auch ihre Art zu Denken ist absolut gewöhnungsbedürftig, aber auch nachvollziehbar, denn sie hat wirklich kein einfaches Leben, mit ihrem Vater, der sie fest in seinen Klauen hält und ihr so einiges antut, was ich hier nicht weiter ausführen möchte. So hat mich die Geschichte, obwohl sie an manchen Stellen etwas kürzer hätte sein können, sehr gepackt. Manchmal fiel es mir aber auch sehr schwer, überhaupt weiter zu lesen, weil diese ganze Gewalt selbst beim Lesen kaum auszuhalten war.

Die einzelnen Charaktere fand ich recht gut geschrieben. Eigentlich gibt es auch gar nicht so viele wichtige Personen in Turtles Leben. Natürlich ist da dieses Mädchen, welches unter ihrem besitzergreifenden und gewalttätigen Vater leidet und lernen muss, sich aus seinem eisernen Griff zu befreien. Dabei ist sie so in ihrer eigenen Gedankenwelt gefangen und trotz ihrer offenbaren Schönheit immer im Widerstreit mit sich selbst. Dennoch ist sie eine kleine Heldin, die tatsächlich hart im Nehmen ist und sich mit ihrer Situation so gut wie nur irgendwie möglich arrangiert. Schon das verleiht der ganzen Geschichte eine kaum auszuhaltende Tragik. Was Martin angeht, so muss ich sagen, dass ich ihn, bei allem, was er seiner Tochter antut, nicht so richtig hassen konnte. Man merkt von Anfang an, dass er tatsächlich krank ist und selbst auch Hilfe bräuchte. Dennoch habe ich ihn und das, was er tut, von ganzem Herzen verabscheut und es tat mir immer wieder im Herzen weh, wie sehr Turtle leiden muss. Dazu kommen noch Turtles Großvater, der zwar merkt, dass etwas nicht stimmt, aber selbst dem Alkohol verfallen ist, Anna, Turtles Lehrerin, die so gern helfen würde, aber keine Beweise hat und Jacob, der es irgendwie schafft, dass Turtle selbst auch begreift, dass das, was ihr Vater mit ihr anstellt, nicht normal ist.

Ich muss auf jeden Fall sagen, dass dieses Buch mich total gefordert hat und obwohl es nicht die volle Punktzahl von mir bekommt, ist es doch eines, welches mir noch lange im Kopf bleiben wird. Jedenfalls ist es absolut lesenswert, wenn man sich auf harte Geschichten mit viel Leid einlassen kann.

Ein unglaublich überwältigendes Debüt

Von: Buchmagie Datum: 25. November 2018

Turtle lebt seit dem Tod ihrer Mutter alleine mit ihrem Vater Martin in den einsamen Wäldern Nordkaliforniens in einem Haus, das definitiv seine besten Jahre hinter sich hat. Einzig Turtles Großvater lebt in der Nähe von Vater und Tochter.
Martin ist ein durchaus intelligenter aber fanatischer Waffennarr, der der festen Überzeugung ist, dass die von Menschen bevölkerte Erde in sehr naher Zukunft ihrem Ende entgegen steuert. Dementsprechend ist Martins Beziehung zu seiner Tochter von Gewalt, Missbrauch und psychischer Unterdrückung geprägt. Schon in jungen Jahren lernt Turtle von ihrem Vater den Umgang mit allen möglichen Waffentypen. Was sie nicht von ihm lernt, ist der Umgang mit ihren Mitmenschen, denen Turtle konsequent aus dem Weg und somit die Zahl ihrer sozialen Interaktionen gegen null geht.
Doch alles ändert sich an dem Tag, als Turtle Jacob über den Weg läuft. Jacob, der ihr zeigt, dass das Leben einen größeren Raum besitzt, als die Wäldern, in denen Turtle aufgewachsen ist, ihr heruntergekommenes Zuhause und ihren Vater. Doch Martin wird nicht zulassen, dass Turtle diesen Weg geht, denn sie ist sein Ein und Alles...

Von der ersten Seite an hat mich Gabriel Tallents Debütroman "Mein Ein und Alles" überwältigt. Obwohl Turtles Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wird, baut der Leser mit einer fast schon beängstigenden Geschwindigkeit eine intensive Beziehung zu der Figur auf. Eine Verbindung, die so tief greift, dass es gerade am Anfang der Geschichte schwer fällt die Seiten zu lesen und alles anzunehmen, was die Zeilen hergeben. Die Intensität ist einfach zu hoch. Fast schon körperlich spürt man Turtles inneren Zwiespalt, der sich zwischen einem radikalen Ausbruch aus ihrem Leben und der krankhaften und fast schon fanatischen Hassliebe zu ihrem Vater bewegt. Obwohl ihre Gefühle nie wirklich beschrieben werden, fühlt man als Leser doch so viel und so intensiv zwischen den Zeilen, dass es schon fast Angst macht.
Und während man im ersten Drittel des Romans versucht an Turtles Seite zu sein, egal wie schwer es fällt und man einfach nicht so viele Seiten am Stück lesen kann, kommt irgendwann ein Punkt in der Geschichte, an dem es kein Zurück mehr gibt. Es geschieht etwas Eigenartiges. Ein unglaublicher Sog entsteht, der den Leser plötzlich an das Buch fesselt. Und während man vorher noch schwer weiterlesen konnte und sich fast zwingen musste, ist es nun unmöglich die Geschichte beiseite zu legen, ohne zu wissen, wie sie enden wird.
Und Turtle, eigentlich fehlen einem fast die Worte angesichts einer so besonderen und starken Protagonistin. Turtle forder die Leserinnen und Leser dieses Buches immer wieder heraus sie nicht zu mögen. Manchmal scheint es fast, als würde sie sie anschreien, was ihnen denn einfallen würde ihre Geschichte zu lesen, doch wir Leser lassen uns davon schwer beeindrucken. Einfach, weil es uns sehr schwer fällt, Turtle nicht zu mögen, ihr nicht anzumerken, dass sie gerade in dem sozialen Umfeld, das nicht ihren Vater mit einschließt, eine Rolle speilt, die sie jahrelang antrainiert bekommen hat und die sie aber genauso verzweifelt wieder loswerden möchte. Und nicht nur einmal möchte man Turtle in den Arm nehmen, um ihr zu zeigen, dass jemand da ist, der sich wirklich um sie sorgt, auch wenn sie es wahrscheinlich nicht zulassen würde.
Gabriel Tallent hat mit "Mein Ein und Alles" etwas Mutiges gewagt. Er erzählt eine Geschichte, in der fast alle Formen der Gewalt eine zentrale Rolle spielen und die manchmal und wahrscheinlich gerade deswegen schwer zu ertragen ist. Gleichzeitig klagt Tallent die fanatische Waffenvernarrtheit der amerikanischen Bevölkerung an und macht deutlich, dass sie unter dem fadenscheinigen Deckmantel des "Schutz suchen", mit dem das Waffengesetz in den USA am meisten rechtfertigt wird, mehr als einmal diejenigen vergessen, die wirklich Schutz benötigen. Das Ende des Romans greift dieses Motiv dann noch einmal auf und lässt es in einer fast schon absurden, aber wohl absichtlich herbeigeführten Doppelmoral aufleuchten.
"Mein Ein und Alles" ist somit ein rundum gelungenes Kunststück der Gegenwartsliteratur geworden. Eine Geschichte, die einiges abverlangt aber genauso viel wieder zurückgibt.

Vater & Tochter zwischen Liebe und Hass

Von: __bibliophilie__ Datum: 20. November 2018

Zu diesem Buch fehlen mir echt die Worte. Ich war geschockt wie ein Vater so sein Kind großziehen kann. Nicht nur was die verwahrloste Wohn-und Lebenssituationen betrifft, auch die physischen und psychischen Handlungen zwischen Vater und Tochter überschreiten wirklich alle Grenzen....
Mal mehr als liebevoll und dann so abscheulich gewalttätig, nicht mal vor dem Tod des eigenen Kindes zurückschreckend.
Krank einfach nur krank.
Dieses Buch hat mich wirklich überwältigt. Kopfschüttelnd und die Luft anhaltend bin ich durch die Seiten geflogen.
Ich bin von diesem Buch sehr zwiegespalten. Ich fand es so abartig zu lesen und hätte am liebsten die Augen vor der Thematik verschlossen. Aber andererseits passiert so etwas leider wirklich. Das ist mir beim lesen schmerzlich bewusst geworden �� Und wahrscheinlich gibt es solche Beziehungen leider viel zu oft. Es tut einem im Herzen weh diesen unendlichen Kampf zwischen Vater & Tochter, zwischen Liebe und Hass zu lesen.
An sich wurde die Thematik schonungslos ehrlich rübergebracht aber dennoch gab es für mich viele Kritikpunkte.
Zum einem sind es die langweiligen und in die Länge gezogenen Erzählung. Streifzüge durch die Natur mit einer sehr detailreichen und ausufernden Naturbeschreibung. Mehrere Seiten werden nur damit gefüllt, ohne das die Handlung voranschreitet ��
An machen Stellen wäre ein Biologiestudium hilfreich gewesen ����
Ebenso uninteressant war der ständige Gebrauch von Waffen und die Erklärungen wie eine Waffe zu Laden, zu Reinigen und zu Gebrauchen ist. Den Schreibstil empfand ich als schwierig und verwirrend. Auch die Dialoge zwischen Turtle und ihrem Vater, oder die, die in ihrem Kopf stattfinden, enthalten zu viele Flüche und Beschimpfungen. Es hätte auch mit 1x Fluchen im Dialog gut sein können, aber nein, mehrmals fallen die selben Flüche und Beschimpfungen hintereinander, sodass man die einheitliche Handlung des Dialogs gar nicht mehr nachvollziehen kann.
Ebenso die selbst durchgeführten „OP‘s“, die mehr als detailreich beschrieben wurden sind nichts für schwache Nerven ��
Von den teilweise brutalen Sexszenen zwischen Vater und Tochter mal ganz zu schweigen. Da schnürte es mir beim lesen die Kehle zu.....Diese kamen zwar nicht oft vor oder wurden wenn dann nur abstrakt beschrieben. Aber dennoch war es anwidernd zu lesen.
Man fühlt sich als Leser ebenso hilflos wie Turtle. Nur mit dem Unterschied, dass ich das Mädchen nicht ansatzweise verstehen und nachvollziehen kann.
Turtle hat dank ihres Vaters leider ein total falsches Weltbild. Auch was ihre Vater-Tochter-Beziehung betrifft. Sie gibt sich die Schuld an den Missbräuchen.
Leider blieb mir ihr Handeln und Denken bis zu dem Wendepunkt total fremd.
Das Ende war so spannend und befreiend das ich am liebsten laut gejubelt hätte.
Ich hätte mit diesem Ende nicht gerechnet, ich habe innerlich darauf gehofft das es so ausgeht, aber ich dachte Turtle knickt doch wieder ein wie die ganzen Jahre zuvor.
Ich vergebe ⭐️⭐️⭐️⭐️/⭐️

Schonungsloser Roman über Inzest, Gewalt und falsch verstandene Liebe.

Von: Buchfundbüro Datum: 19. November 2018

In seinem bildgewaltigen Debüt beleuchtet Gabriel Tallent detailliert die Abgründe einer toxischen Vater-Tochter-Beziehung. Vor dem Panorama der nordkalifornischen Gebirgslandschaft erzählt er verstörend schonungslos von Inzest, Gewalt und falsch verstandener Liebe.

Ein heruntergekommenes Haus in den Bergen Nordkaliforniens. Die Wände sind von Einschusslöchern übersät, in der Küche nagen Ratten am schmutzigen Geschirr. Dies ist das Zuhause der vierzehnjährigen Julia Alveston, genannt Turtle, die hier mit ihrem Vater Martin lebt. Das gemeinsame Zusammenleben gestaltet sich – dies wird schon auf den ersten Romanseiten deutlich – dabei alles andere als idyllisch: geprägt wird es nicht nur durch äußere Verwahrlosung, sondern vor allem auch durch physische und psychische Gewalt. Waffen bilden so einen ebenso festen Bestandteil im Alltag der jungen Protagonistin, wie verschiedene Formen grausamer (Selbst-)Erniedrigung. Während der sadistische Vater seine Tochter tagsüber zu dubiosen Schießübungen und Abhärtungstechniken anhält, holt er sie nachts regelmäßig in sein Zimmer, um sich an ihr zu vergehen.

Dass Turtle, die nie etwas anderes kennengelernt hat, ihren brutalen aber charismatischen Vater dennoch keineswegs hasst, sondern im Gegenteil geradezu verehrt, zählt zu den bedrückendsten Aspekten des Romans. So hält Turtle die körperlichen Übergriffe und den Kontrollwahn des besitzergreifenden Martin nicht nur tatsächlich für einen Ausdruck echter Liebe, sondern übernimmt auch dessen frauenverachtende Weltsicht. „Luder“ oder „ungebildete kleine Ritze“ sind dabei nur einige der wenig schmeichelhaften Bezeichnungen, von denen Turtles Selbstbild bestimmt wird.

Ein Entkommen aus diesem abgeriegeltem Mikrokosmos aus Gewalt und Missbrauch scheint dabei kaum möglich. Fast völlig isoliert von der Außenwelt aufgewachsen, ist Turtle dem unheilvollen Einfluss ihres Vaters hilflos ausgeliefert. Jegliche Annäherungsversuche und Hilfsangebote von außen werden von ihr vehement abgeblockt, weder Lehrer noch Mitschüler lässt sie näher an sich herankommen.

Das ändert sich erst, als Turtle den gleichaltrigen Jacob kennenlernt. Aufgeschlossen, freundlich und gebildet scheint Jacob – behütet aufgewachsen in einer wohlhabenden Familie – das genaue Gegenteil von Turtle zu sein. Trotzdem – oder gerade deswegen – fühlen sich die beiden zueinander hingezogen. Aus einer ungewöhnlichen Freundschaft entwickelt sich so bald eine zaghafte Liebesbeziehung, die jedoch immer wieder auf die Probe gestellt wird. Denn je näher die beiden sich kommen, desto offensichtlicher wird die soziale Kluft, die sie trennt. Das wird vor allem für Turtle zur Herausforderung, die bei ihren Besuchen in Jacobs Elternhaus – in dem man sich lieber mit Literatur und gutem Wein statt mit Waffen beschäftigt – erstmals eine Ahnung davon erhält, wie sehr sich ihr bisheriges Leben von dem anderer Teenager tatsächlich unterscheidet. Dabei erinnert Tallents Protagonistin in dieser Geschichte einer komplizierten Liebe zwar zuweilen durchaus an eine moderne Aschenputtelfigur – doch wirklich märchenhaft ist hier am Ende natürlich nichts.

Denn zuhause wartet schließlich immer noch der übermächtige Vater – und der ist nicht bereit, seine Tochter, sein „Ein und Alles“, ohne Weiteres ziehen zu lassen. Als Turtle jedoch die eigenen Lebensumstände immer stärker zu hinterfragen und sich schrittweise aus der inzestuösen Beziehung zu befreien beginnt, eskaliert die Situation. Als ebenso rasanten wie brutalen Showdown – spätestens jetzt ahnt man, dass eine Verfilmung des Romans nicht lange auf sich warten lassen wird – inszeniert Tallent dabei den Entschluss des jungen Mädchens, sich den Weg in die eigene Freiheit mit allen Mitteln zu erkämpfen.

Auch wenn Gewalt und häuslicher Terror die Leitmotive des Erzählten bilden: Zu den Besonderheiten von Tallents Debüt zählt es, dass der Autor nicht nur auf Elemente des Psychothrillers zurückgreift, sondern immer wieder auch Ausflüge in scheinbar eher harmlosere Genres unternimmt. So präsentiert sich „Mein Ein und Alles“ mit seinen detaillierten Landschaftsbeschreibungen mal als ein opulentes Stück nature writing, mal als klassische Coming-of-Age-Geschichte und im nächsten Moment als Abenteuerroman à la Huckleberry Finn. Das ist viel für einen einzigen Roman und nicht immer geht dieses Arrangement problemlos auf. Ebenso wie die zahlreichen Passagen, die sich mit dem Gebrauch diverser (Schuss-)Waffen beschäftigen, geraten die ausufernden Beschreibungen der von Turtle beherrschten Survival-Techniken – vom Fährtenlesen bis zum Feuermachen – dabei schon einmal etwas langatmig.

Regelrecht verstörend wirkt Tallents Detailfreude hingegen überall dort, wo es zu Angriffen auf die körperliche Unversehrtheit seiner Protagonisten kommt. Ob es sich dabei um die Amputation eines Fingers oder eine Vergewaltigung handelt: Tallent schont seine Leser nicht. So entwirft er Nahaufnahmen von brutalen Szenerien, deren Zeuge man lieber nicht geworden wäre. Auf dieser unmittelbaren Konfrontation mit dem Grauen, dem latenten Unbehagen angesichts der Zurschaustellung dessen, was sich sonst stets im Verborgenen abspielt, begründet sich dabei auch die ebenso paradoxe wie nachhaltige Wirkung des Romans: Denn während man beim Lesen einerseits selbst instinktiv den Drang verspürt sich abzuwenden, leidet man zugleich mit einer Protagonistin, deren Qualen nicht zuletzt deshalb überhaupt erst möglich werden, weil niemand in ihrem Umfeld bereit ist, richtig hinzusehen.

Das lässt dich nicht mehr los

Von: Susi Datum: 19. November 2018

Dieser Roman über ein junges Mädchen hat Amerikas Leserschaft überwältigt und gespalten. Denn Turtle Alveston, so verletzlich wie stark, ist eine der unvergesslichsten Heldinnen der zeitgenössischen Literatur. Sie wächst weltabgeschieden in den nordkalifornischen Wäldern auf, wo sie jede Pflanze und jede Kreatur kennt. Auf tagelangen Streifzügen in der Natur sucht sie Zuflucht vor der besitzergreifenden Liebe ihres charismatischen und schwer gestörten Vaters. Erst als sie ihren Mitschüler Jacob näher kennenlernt und wahre Freundschaft erfährt, beginnt die Befreiung aus seinen Klauen. Gabriel Tallents Debut ist von eindringlicher Wucht und zugleich Zartheit, eine neue Stimme, die niemanden kalt lässt. »Als Leser schlägt einem das Herz bis zum Hals und man hofft nichts inständiger, als dass Turtle durchkommen möge. Intensiv und lebendig.« Marie Claire

Der Autor:
Gabriel Tallent, geboren 1987 in New Mexico, wuchs in der Nähe von Mendocino mit zwei Müttern in einem sehr liberalen Umfeld auf. Nach seinem Universitätsabschluss 2010 führte er zwei Sommer lang Gruppen mit Jugendlichen durch die Wildnis der Nordpazifischen Küste. Gabriel Tallent lebt heute in Salt Lake City.

Meine Meinung:
Mit enormer Vorfreude habe ich auf dieses Buch gewartet. Die Story hörte sich einfach so gut an und auch das Cover finde ich sehr ansprechend. Ich habe allerdings schnell bemerkt, das der Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig ist. Ich hatte am Anfang wirklich große Probleme in die Geschichte zu kommen und war kurz davor das Buch zu Seite zu legen. Da es aber so viele positive Stimmen gibt habe ich weitergelesen und nach den anfänglichen Schwierigkeiten kann ich sagen es hat sich gelohnt.

Die Geschichte ist sehr eindringlich. Sie lässt einen als Leser nicht los, egal was ihr gerade macht. Der Gedanke ist immer beim Buch. Der Autor schafft es eine bedrückende Stimmung zu erzeugen. Man leidet mit, man hat Angst um die Protagonistin. Der Vater war für mich eine grausame Person. Ich habe in diesem Buch so viele Momente gehabt, wo ich es am liebsten an die Wand werfen wollte, weil mich die Handlungen des Vaters so fertig gemacht haben.

Das Buch ist bedrückend und absolut nichts für zarte Leser. Auch wenn das Cover so schön aussieht ist die Geschichte es in keinster weise. Man sollte sich wirklich überlegen ob man das lesen möchte. Mich hat das Buch auch nachhaltig beeindruckt. Und man darf am Anfang nicht aufgeben. Irgendwann saugt es jeden Leser ein.

Eine starke Heldin

Von: Barbara62 Datum: 16. November 2018

Nein, dies ist wahrlich kein „schönes“ Buch. Es hat mich verstört, schockiert und angesichts des teilweise abstoßenden Vokabulars an die Grenzen dessen geführt, was ich noch lesen möchte und kann. Trotzdem hätte ich zu keiner Zeit abbrechen können, zu groß war der Sog, zu raffiniert der Spannungsbogen, der sehr lange viele Varianten für den Schluss zuließ. Gabriel Tallent leuchtet die psychologischen Hintergründe einer pathologischen Vater-Tochter-Beziehung so gekonnt aus, dass etwas gänzlich Unbegreifliches allmählich verständlich wird.

Die 14-jährige Julia, genannt Turtle, wächst abgeschieden in den Wäldern Nordkaliforniens unweit von Mendocino in einer atemberaubenden, wilden Natur auf. An ihre Mutter, die bei einem Unfall oder durch Selbstmord ums Leben kam, hat sie kaum Erinnerung, einzige Bezugsperson ist – neben dem Großvater, den sie nur selten sieht – ihr Vater. Der ist traumatisiert durch eine lieblose Kindheit und den Tod seiner Frau. Er lässt sein Haus verwahrlosen, lebt als Einsiedler von Gelegenheitsjobs, hegt sein Waffenarsenal und bildet Turtle von Kind an zur Meisterschützin aus, liest Bücher wie Humes „Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral“, glaubt an den bevorstehenden Weltuntergang und ist „vom Gesellschaftsvertrag zurückgetreten“. Seine Tochter ist sein „Ein und Alles“, vollständig sein Besitz. Mit einer perfiden Mischung aus Liebe und Drohung setzt er sie unter Druck, demütigt sie durch körperliche Gewalt, unvorstellbaren Sadismus und fortgesetzte sexuelle Übergriffe und zerstört, was ihr wertvoll ist. Obwohl Turtle viele Zeichen dieser Misshandlung zeigt und besonders ihre Lehrerin die drei starken Warnsignale Frauenfeindlichkeit, Abschottung und übertriebene Vorsicht erkennt, greift doch niemand ein. Turtle selbst wiegelt ab und weist alle gut gemeinten Hilfsangebote zurück. Als sie jedoch mit Jacob und Brett erstmals Freunde findet und ein weiteres, jüngeres Mädchen ins Haus kommt, setzt ein Wandel ein, denn nun spürt sie Verantwortung für andere. Ihrem krankhaft besitzergreifenden, brutalen Vater bleibt das nicht verborgen und es kommt zur finalen Konfrontation.

Der außergewöhnliche Ton, in dem der 1987 geborene US-Amerikaner Gabriel Tallent diesen Debütroman verfasst hat, und die starke Heldin Turtle machen dieses Buch zu etwas Besonderem. Als hätte sie den Panzer einer Schildkröte übersteht Turtle die unvorstellbaren Torturen, wächst zu einem toughen jungen Mädchen heran und findet instinktiv ihren Weg. Immer wieder flieht sie vor ihrem Zuhause in die Natur, in den Wald und ins Wasser, wo sie sich lebendig fühlt. Widerstreitende Gefühle von Liebe, Hass und Selbsthass zerreißen sie beinahe, zwanghaft reinigt sie immerzu ihre Waffen, aber ihre ungeheure Kraft und ihr Überlebenswille treiben sie voran.

Ähnlich wie Jeanette Walls „Schloss aus Glas“ oder Hanya Yanagiharas „Ein wenig Leben“ lässt mich dieser schmerzhaft zu lesende Roman über eine Kindheit jenseits des Vorstellbaren sprachlos zurück. Die Frage, inwieweit man selbst Zeichen erkennen und eingreifen würde, hat mich während der Lektüre und danach stark beschäftigt. Zurecht stand das Buch 2017 trotz kontroverser Diskussionen monatelang auf US-amerikanischen Bestsellerlisten.

Verstörend und berührend!

Von: Booklove15_11 Datum: 13. November 2018

Atemraubende Story über Liebe und Hass: Die 14 jährige Julia „genannt Turtle“ ist das Ein und Alles ihres Vaters, doch seine Liebe ist brutal, zerstörerisch, und Krank. Turtle wächst bei ihrem psychisch gestörten Vater auf. Sie wohnt in einem herunterkommenden Haus in den tiefen Wäldern von Nordkalifornien. Statt mit Puppen zuspielen, lernt sie in Kleinkinderalter schießen. Zum Frühstück gibt es Rohe Eier und Abends wo gleichaltrige Mädels Stunden lang über Nagellack plaudern, reinigt Turtle ihre Waffen. Nachts wenn ihr Vater sie aus ihrem Nachtlager hochhebt, zu seinem Bett trägt, missbraucht, schlägt und hinterher „Du gehörst mir“ schreit, währt sie sich nicht. Doch Turtle ist nicht nur Äußerlich stark, sondern erkennt auch sie muss von ihrem Vater fernbleiben. Als sie eines Tages Jakob kennenlernt und das Leben von anderen Seite beobacht, gibt es kein zurück mehr für sie. Sie muss sehr schnell handeln um zu überleben...

Gänsehaut Pur! Eine Vater-Tochter- Beziehung geprägt mit unglaublichen Gefühlen, die nicht fürs schwache Herzen ist. Turtels Kampf gegen psychische und physische Gewalt, wie der sexuelle Missbrauch, geht tief unter die haut und lässt die Leser sehr berührt zurück. Der Schreibstil ist schlicht und Eiskalt, so erzählt der Autor Turtels schockierendes Schicksal schonungslos und lässt die Leser fassungslos geschehen folgen. Sehr schwierige Thematik, die ich Haar raufend und erschaudern aber mit Begeisterung gelesen habe. Mich selbst hat das Buch verstört und gleichzeitig tief in den Herzen berührt. Der Klappentext gibt nicht viel her und das schlichte Cover täuscht! Inhaltlich bietet das Buch viel mehr! Eine ungewöhnliche Geschichte, die sich zugetragen haben soll! Klare Lese-Empfehlung von mir.

Erschütternd und sehr bewegend!

Von: ricysreadingcorner Datum: 07. November 2018

Angetan vom schönen Cover und einem Klappentext, der so etwas ganz anderes verspricht, als der Titel zunächst vermuten lässt, entschied ich mich, mich an dieses Romandebüt heranzuwagen, das bereits erschienenen Buchbesprechungen nach, die Leserschaft zu spalten scheint.
Auch ich musste schnell erkennen, dass dieses Buch wohl niemanden unberührt lässt: entweder man ist vom Thema so schockiert und abgestoßen, dass man es nicht ertragen kann das Buch weiterzulesen oder einfach nur mitgerissen und zutiefst vom Stil und vor allem der Protagonistin beeindruckt…oder auch beides zugleich. Das Einzige was von diesem Buch wohl nicht behauptet werden kann, ist, dass es einen kaltlässt.

And dieser Stelle möchte ich dem Penguin Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars danken!
Worum geht’s?

Die 14-jährige Julia Alveston, genannt “Turtle”, wächst sehr abgeschieden in den nordkalifornischen Wäldern bei ihrem Vater auf. Außer ihm und ihrem Großvater hat sie kaum soziale Kontakte, obwohl sie – hauptsächlich jedoch, um das Jugendamt nicht auf sie aufmerksam zu machen – zur Schule geht. Ihr Vater Martin erzieht sie mit einer unglaublichen Härte was er damit begründet, sie auf die schonungslose Welt und vor allem das seiner Meinung nach drohende Weltende vorbereiten zu müssen. Wenn Turtle sich mit etwas richtig gut auskennt, dann sind es Waffen. Täglich wird sie von ihrem Vater zu Schießübungen aufgefordert und legt besonderen Wert auf die sorgsame Reinigung ihrer Waffen. Trotz Martins endloser Liebe zu seiner Tochter, die er zumindest immer wieder beteuert, sind emotionale, seelische und physische Misshandlungen an der Tagesordnung.
Nur bei ihren langen Streifzügen durch die Wälder, in denen sie sich bestens auskennt, kann Turtle hin und wieder Abstand zu ihrem besitzergreifenden Vater gewinnen. Bei einem dieser Spaziergänge lernt sie Jacob kennen, einen Jungen, der ihr zeigt, dass menschliches Miteinander auch anders funktionieren kann, dass Freundschaft und Liebe nicht mit Gewalt verbunden sein müssen. Langsam beginnt Turtle, ihre Beziehung zu ihrem Vater in Frage zu stellen und sich abzuwenden. Doch Martin will sie nicht loslassen.
Meine Meinung

Turtle Alveston ist eine Protagonistin, die den Leser einfach mitreißt auf ihrer grausamen und schockierenden, aber auch hoffnungsvollen Reise: Sie ist mutig, stark, auf eine unkonventionelle Art klug, aber auch sehr zerbrochen und verstört.
Sie kennt nichts anderes als die zerstörerische und besitzergreifende Liebe ihres Vaters, die stets mit Gewalt und sexuellenÜbergriffen verbunden ist. Trotz seiner oft kalten Brutalität liebt sie ihren Vater und verzehrt sich geradezu nach seiner Liebe. Sie denkt, das sei normal und gut so. Sie sind für den jeweils anderen das Einzige, was zählt, eben ihr Ein und Alles. Liebe und Hass liegen in dieser Beziehung untrennbar nah zusammen und werden dem Leser schonungslos durch schockierende Szenen und Turtles innere Zerrissenheit deutlich gemacht.

Der Schreibstil unterstreicht dieses fast unerträgliche Thema mit seiner eindrücklichen Klarheit. Dieser Stil, der bei der Landschaft zu detailreichen Beschreibungen der Vegetation und der nordkalifornischen Steilküsten führt, ist bei der Beschreibung der Vater-Tochter-Beziehung kaum zu ertragen.
Man leidet mit Turtle mit, erkennt ihre Zerrissenheit, man fühlt sich in diese so heruntergekommene Hütte, die sie ihr Zuhause nennt, versetzt, man folgt Turtle durch die endlosen Wälder, auf Spaziergängen, die einen als Leser zeitgleich mit der Protagonistin endlich einmal durchatmen lassen. Knallharte Dialoge, und Turtles Gedanken, in denen kein Blatt vor den Mund genommen wird, machen einem dann wiederum den Schrecken deutlich, in dem dieses Mädchen aufwächst.

Martin, groß, breitschultrig und wortgewandt, wechselt von einem Moment auf den anderen vom fast fürsorglichen Vater zum misogynen, gewalttätigen Peiniger, sodass man schon nach kurzer Zeit Turtles Misstrauen und ständige Vorsicht in sich aufgenommen hat. Er will wie er sagt, dass Turtle ein besseres Leben hat, zeitgleich lässt er sie nicht für sich entscheiden, wie dieses Leben auszusehen hat, er sagt ihr, dass sie alles erreichen kann und zeitgleich ist nie etwas, das sie tut, gut genug. Er sagt ihr, wie wunderschön sie ist und misshandelt sie im nächsten Moment. Er beschränkt ihr Wesen auf ihre Weiblichkeit, die er verachtet und vergewaltigt sie, weil er ihr nicht widerstehen kann. Das Ganze resultiert in Turtles ausuferndem Selbsthass. Sie nimmt ihn in Schutz und gibt sich selbst die Schuld an seinen Gewalteskapaden. Ein psychologisches Phänomen.

Erst als sie Jacob trifft, der sie für ihre Wildheit und ihre Andersartigkeit bewundert und ihre abwehrende Haltung hinnimmt ohne sie zu bedrängen, merkt Turtle, dass ihr Leben nicht so sein muss. Die Angst vor ihrem Vater sowie die Ungewissheit, wie ein Leben außerhalb seiner Mauern aussieht, lassen sie jedoch immer wieder einknicken. Dennoch merkt der Leser, dass es Hoffnung für dieses wundersame Mädchen gibt und spätestens ab dem Punkt konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Sowohl der Schreibstil als auch vor allem das Thema dieses Romans sind nichts für schwache Nerven, sodass ich verstehen kann, dass einige dieses Buch nicht mochten.
Doch alleine wegen dieser einzigarten Protagonistin lohnt es sich meiner Meinung nach, das Buch zu lesen. Es ist schonungslos, aber ähnliche Lebensumstände sind für viele Kinder Realität und ich finde, dass an Turtles Gefühlen und ihren Problemen sehr gut deutlich wird, was das mit ihnen macht und dass es für eben sie nicht so einfach ist, sich gegen ihre Eltern zu stellen. Auf psychologischer Ebene ist das Buch somit sehr spannend.

Wer bereit ist, sich diesem durchaus ungemütlichen Thema zu stellen, dem gebe ich eine klare Leseempfehlung. Es ist ein Buch über Extreme, über gegensätzliche Gefühle, die für die Protagonistin auf so grausame und schockierende Weise miteinander verbunden sind, dass sie auch den Leser emotional zu zerreißen drohen. Ein aufwühlendes Leseerlebnis!

Verstörend, aber so unglaublich gut!

Von: librovore Datum: 01. November 2018

Dieses Buch ist unglaublich - gut, verstörend, krass, brutal, schön. Und überall dazwischen ist ganz viel Hoffnung.

Turtle ist gerade mal 14 Jahre alt und doch muss sie sich in ihrem ohnehin sehr ungewöhnlichen Alltag mit Dingen befassen, die ihr Vater Martin ihr aufdrängt.
Sie ist vernarrt in Waffen, hat ihre eigenen Schusswaffen und pflegt sie, wann und wo sie nur kann. Und Turtle liebt auch die Natur, in der sie sich wie sonst keiner auskennt. Die Beziehung zu ihrem Vater ist hochgradig gestört. Turtle liebt ihn abgöttisch und gleichzeitig hasst sie ihn abgrundtief.
Sie wird von ihrem Vater psychisch und physisch missbraucht. Das ist mehr als erschreckend, als Leser kann man nur stumm da sitzen, kann nichts ausrichten, obwohl sich alles gegen die Situation und die Widerwärtigkeit sträubt. Ich wollte Turtle aus dem Roman ziehen, damit sie den Klauen ihres Vaters entkommen kann…

Turtle ist mit Abstand eine der großartigsten Protagonistinnen, die ich bislang begleiten durfte. Ich fühlte mit ihr, habe mich in guten Zeiten für sie gefreut, mit ihr geweint. Ich habe für sie geweint in Situationen, in denen sie dazu unfähig war. Ich habe Turtle’s Entwicklung mit so viel Interesse verfolgt, dass ich meine eigene Umwelt während der Lektüre vergessen habe.
Turtle ist ein mutiges, starkes Mädchen. Sie kommt einem so unglaublich zart vor und auf der anderen Seite ist sie eine der stärksten jungen Frauen, die ich begleiten durfte. Turtle’s Entwicklung ist einfach großartig!

Gabriel Tallent hat einen ausgezeichneten Schreibstil. Er erzählt die Geschichte von Turtle und Martin so eindringlich, so überzeugend, dass ich überall Gänsehaut bekommen habe.
Der Autor beschreibt die Tochter-Vater-Beziehung so voller Brutalität, wie sie wirklich sein kann. Ich musste den Roman oft aus der Hand legen… Dennoch konnte ich den Roman aufgrund der wunderschönen, leichten Sprache zu Ende lesen.
Dass sich Gegensätze anziehen beweist Gabriel Tallent mit seinem Debütroman sehr gut! Auf der einen Seite ist die kranke Beziehung zwischen Tochter und Vater, auf der anderen Seite ist die poetische Sprache.

„Mein Ein und Alles“ verlangt sehr viel vom Leser - vor allem Durchhaltevermögen. Es ist keine leichte Kost, die man mal eben so schnell weg liest.

Fazit
Ein außergewöhnlicher Debütroman, der viel vom Leser verlangt. Es ist erschreckend und großartig zusammen, mit einer poetischen Sprache. „Mein Ein und Alles“ von Gabriel Tallent wird mir noch lange im Kopf bleiben. Der Roman verdient volle fünf Sterne!
Absolute Leseempfehlung!

So aufgewühlt hat mich schon lange kein Buch mehr.

Von: VB00KS Datum: 31. Oktober 2018

Meine Zusammenfassung:
Turtle ist vierzehn Jahre alt und ein wirklich außergewöhnliches junges Mädchen. Mit dem Lernstoff in der Schule hängt sie dauerhaft hinterher, nicht nur, weil sie ihre Lehrerin Anna nicht mag, sonder weil sie nicht glaubt, dass sie in der Lage dazu ist, die Aufgaben zu lösen.

Ganz anders verhält es sich mit ihrer Beziehung zu Waffen. Sie nimmt sie auseinander, säubert sie, steckt sie wieder zusammen und das Wichtigste, sie ist eine grandiose Schützin. Turtle trifft immer ihr Ziel. Diese seltsame Vorliebe eines Kindes kommt nicht von ungefähr, sondern von ihrem Vater Martin, mit sie alleine lebt.

Turtle liebt Martin über alles und auch für Martin ist seine Tochter sein Ein und Alles. Er liebt sie so sehr, dass seine Liebe Grenzen überschreitet. Einsamkeit ist nicht leicht zu ertragen und gewisse Bedürfnisse müssen befriedigt werden. Turtle lässt diese Prozedur seit Jahren Nacht für Nacht über sich ergehen, sie freut sich sogar darauf, weiß aber auch, dass es eigentlich falsch ist. Auch die anderen körperlichen Misshandlungen gehören dazu. Sie sollen sie für den Ernstfall vorbereiten, denn die Welt ist böse und nähert sich dem Ende.

Eines nachts entscheidet sich Turtle abzuhauen, sie weiß selber nicht, woher diese Entscheidung kommt, aber sie fühlt sich gut an. Dennoch bleibt die Angst, dass Martin ihr folgt. Doch sie hat Glück, er findet sie nicht. Dafür stößt sie auf zwei Jungs, die sich wohl verlaufen haben, Jacob und Brett. Die beiden halten sie für eine Heldin, da sie ihnen das Leben gerettet hat.

Zum ersten Mal in ihrem Leben erfährt sie, was Freundschaft ist. Doch da ist immer noch Martin und in seiner Welt soll es nur sie beide geben. Ein weiterer Ausbruch ist undenkbar, sie ist eine Gefangene in ihrem eigenen Leben, ständig im Zwiespalt. Als dann auch noch ihre Großvater stirbt, bricht nicht nur für Turtle eine Welt zusammen, sondern auch für Martin. Während dieser jedoch verschwindet, sucht sie halt bei Jacob. Sollte Martin jedoch zurückkommen, wird Jacob in Gefahr sein, denn er duldet keine Jungs in ihrem Leben. Er soll der Einzige sein. Was soll Turtle nun tun?

Meine Meinung:
Unfassbar. Nach dieser Geschichte weiß ich gar nicht mehr, wohin mit meinen vielen Emotionen. Wow. Das Leben von Turtle und ihre Geschichte haben mich einfach so mitgerissen und lassen mich im Moment noch nicht los. In meiner Zusammenfassung deute ich das meiste nur an, die Intensität die eigentlich dahinter steckt, kann ich gar nicht richtig wiedergeben. Möchte ich auch gar nicht, denn dafür müsst ihr schon selber das Buch lesen, um nachempfinden zu können, was das Buch mit mir gemacht hat.

Ich bin innerhalb kürzester Zeit ein großer Fan dieses Buches geworden und das obwohl ich anfangs dachte, ich komme nicht in die Geschichte rein. Doch das hat sich sehr schnell mit den ersten Kapitel geändert. Die Sympathie, die ich für die kleine Turtle gewonnen habe, hat sich bis zuletzt durchgezogen. Jedoch gab es immer wieder Momente, in denen ich sie einfach durchschütteln wollte und ihr sagen wollte ‚Denk doch endlich mal nach, so kann es nicht weitergehen und das weißt du!‘. Und ja, sie wusste es ja auch, die ganze Zeit.

Aber das, was der jahrelange Missbrauch durch ihren Vater Martin mit ihr gemacht hat, hat aus ihr natürlich einen Menschen gemacht, der für uns nicht „normal“ sein kann. Das die beiden seit Jahren alleine zusammenlebten und die enge Bindung haben dies natürlich gefördert. Es ist ja auch nichts unbekanntes, dass Opfer etwas besonderes für den Täter, auch wenn es der Vater ist, dann noch einmal ganz speziell, empfinden. Nur so kann ein Mensch mit dem gewaltigen Ballast fertig werden.

Trotz dieser Misshandlungen und den ständigen körperlichen Belastungen denen sie durch Martin ausgesetzt war, oder vielleicht auch gerade deswegen, ist aus Turtle eine wundervolle, starke junge Frau geworden, die auf ihre eigene Art mit Problemen fertig wird und sie immer wieder anpackt. Trotz der Stimme im Hinterkopf, die behauptet, dass sie es nicht schaffen wird, beweist sie sich das Gegenteil. Und das hat mich zutiefst beeindruckt.

Die Geschichte hat über jede Seite hinweg kaum an Spannung verloren. Wenn ich an den Punkt kam, an dem es sich ein wenig zog und ich nur schleppend vorwärts kam, hat es nicht lange gedauert bis mich der Verlauf wieder komplett gefangen hatte und total überraschte. Besonders das Ende hat mich nochmal völlig wachgerüttelt und aufgewühlt, soviel sei verraten. Insgesamt betrachtet, hat mich das Buch wirklich aufgemischt und es erschreckt mich, dass es bei dieser Geschichte nicht um Fiktion geht. Sondern im wahren Leben tagtäglich da draußen in aller Welt stattfindet.

Mein Fazit:
Großes Kino. So aufgewühlt hat mich schon lange kein Buch mehr.

5 von 5 Sternen.

Leider nicht mein Buch

Von: Literaturliebe Datum: 29. Oktober 2018

Julia „Turtle“ Alvestons Kindheit ist geprägt von emotionaler, seelischer und körperlicher Gewalt und Missbrauch. Ihr Vater Martin ist ein – für mich – Geistesgestörter, der Turtle einerseits kleinhält und ihr immer wieder einredet, dass sie zu nichts zu gebrauchen sei und andererseits immer wieder beteuert, dass sie sein Ein und Alles ist. Die körperliche Nähe, die Martin Tag für Tag bei ihr sucht, geht viel zu weit über das Normalmaß einer Vater-Tochter-Beziehung hinaus. Man fühlt sich beim Lesen genauso hilflos wie Turtle. Kann nur ebenso machtlos zusehen, wie sich der Vater immer wieder an der Tochter vergreift, wie herabwürdigend und menschenverachtend er sie behandelt.

„Mein Ein und Alles“ ist keine leichte Lektüre. Es ist ein Buch, dass zu Diskussionen anregen und vermutlich polarisieren wird. Ich habe dieses Buch fassungslos und mit einem Kopfschütteln gelesen. Die seelische Abhängigkeit und der Missbrauch in so vielen verschiedenen Ebenen ist erschreckend. Es war schlichtweg verstörend. Trotzdem habe ich mich sehr schwer getan mit diesem Roman. Und das so ziemlich von Anfang an.

Zum einen fand ich es sehr schwierig mich in Turtle hineinzuversetzen. Emotionen kamen bei mir kaum an, falls Turtle überhaupt mal welche zeigt. Vielleicht war es die gewählte Sicht der dritten Person, in der Gabriel Tallent schreibt, die alles so kühl und distanziert wirken ließ und die bewirkte, dass ich mich Turtle und ihrem Charakter einfach nicht nah genug fühlte. Vielleicht ist es aber auch einfach so, wenn man jahrelang unter einem tyrannischen Vater wie Martin lebt. Was es auch ist, die emotionale und vor allem psychologische Tiefe und Sensibilität, um das alles wirklich verstehen und nachvollziehen zu können, fehlten mir. Nichts, was ich bei diesem Thema hätte fühlen sollen, kam zu mir durch.

Zum anderen war es der Erzählstil und der Verlauf der Handlung. Oft verläuft sich die Handlung in Banalitäten, ist geprägt von endlosen Beschreibungen und Szenen in der Natur. Diese Beschreibungen nahmen der Geschichte das Tempo. Zudem wirkte das eigentliche Thema, nämlich die Gewalt und der Missbrauch durch Martin, dadurch oft nebensächlich und rückte viel zu sehr in den Hintergrund. Oft empfand ich es einfach als langatmig und zäh. Als würde die Handlung und Turtles Entwicklung einem Stillstand gleichen. Außerdem wirkte alles sprunghaft. Gabriel Tallent springt von einer Naturszene zu einer Erinnerung von Turtle, in der sie der Gewalt ihres Vaters ausgesetzt ist, wieder zurück zur Natur und dann plötzlich ganz woanders hin. So schnell, wie einige Szene auftreten, so schnell sind sie auch teilweise wieder verschwunden. Manchmal kam ich einfach nicht hinterher. Letztendlich gab es auch einfach zu viele Handlungsfäden, die angefangen und nie fortgeführt wurden. Zu viele Fragen blieben offen. Was ist beispielsweise mit Turtles Mutter passiert? Das ist eine von vielen Fragen, die nie geklärt wird.

Auch die Sprache ist nicht für jedermann etwas und oft auch nichts für Zartbesaitete. Sie ist derb, teils brutal, schonungs- und rücksichtslos. Gewalt und Kraftausdrücke sind an der Tagesordnung. Selbst in der wörtlichen Rede. Der Schreibstil sprach mit einfach nicht an und war so sehr gespickt mit F- und anderen Wörtern, dass es ab einem gewissen Punkt nur noch unerträglich war. Auch über den angesprochenen Umgang und die Besessenheit von und mit Waffen kann man streiten. Wobei das noch am wenigsten problematisch für mich war, denn das halte ich in amerikanischen Familien leider für sehr realistisch.

Am Ende wartet der Autor mit einem spannenden, fast schon thrillerartigen Finale auf. Das lies mich tatsächlich den Atem anhalten und an dieser Stelle konnte ich das erste Mal für Turtle hoffen, dass sie es schafft, von ihrem Vater loszukommen. Aber 50 Seiten reißen das Ruder nicht mehr wirklich rum.


ZUSAMMENFASSEND
„Mein Ein und Alles“ ist polarisierend, wird zu vielen Diskussionen führen und ganz sicher auch die Leser in Deutschland spalten. Ich glaube, bei diesem Buch wird es kein „dazwischen“ geben – entweder man mag es oder eben nicht. Ich gehöre leider zur zweiten Kategorie. Zu verstörend war die ganze Geschichte, zu sehr rückte der Missbrauch von Turtle immer wieder in den Hintergrund. Zu viele Banalitäten, die die Geschichte in die Länge zogen. Und schließlich die fehlende psychologische und emotionale Tiefe. Für mich persönlich ist der Hype um Tallents Debüt nicht gerechtfertigt. Vielleicht war ich aber auch einfach nicht die richtige Leserin.

Zwischen abgrundtiefen Hass und bedingungsloser Liebe

Von: booksnotdead_13 Datum: 27. Oktober 2018

Wow, das war wirklich ein ganz besonderes Leseerlebnis. „Mein Ein und Alles“ ist der Debütroman von dem 28-jährigen Gabriel Tallent und ist im Penguin Verlag erschienen. Der wunderschöne Titel und der Klappentext haben mich sofort angesprochen, deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass ich vom Penguin Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe. Vielen Dank dafür noch einmal an dieser Stelle.

Kommen wir zur Geschichte. Die kleine Turtle wächst in den nordkalifornischen Wäldern bei ihrem Vater Martin auf. Sie leben in einer kleinen Hütte, haben wenig Kontakt zur Außenwelt, Großvater Daniel lebt einige Meter entfernt in einem Wohnwagen. Turtle wird von klein auf mit allen möglichen Waffen konfrontiert, ihr großes Hobby ist es, diese täglich mehrmals zu reinigen. Ihre Mutter ist gestorben, man erfährt nicht viel von der Frau. Martin ist ein aggressiver Charakter, sein Erscheinungsbild muss unheimlich beeindruckend sein – groß, breitschultrig, muskulös und mit einer sehr autoritären Ausstrahlung. Laut eigenen Aussagen, liebt Martin seine Tochter über alles, aber der Leser merkt schnell, dass das keine normale Vater-Tochter-Liebe ist. Er misshandelt sie körperlich und emotional in einem so hohen Maße, dass es kaum auszuhalten ist. Ich musste mehrmals stark schlucken und mich fragen, will ich sowas überhaupt lesen. Das kranke an der Geschichte ist, dass Turtle teilweise die Misshandlung genießt, sie verzehrt sich förmlich nach ihrem Vater. Sie sind sich eben gegenseitig ihr „Ein und Alles“.

„Oh Gott“, sagte er. „Krümel, ich verzehre mich nach dir. Nach der unerreichbaren Wahrheit in dir. Direkt unter der Oberfläche. Und wenn ich dich anschaue, dann gibt es Momente … in denen ich beinahe, beinahe – Gott. Gott.“

Turtle ist ein sehr kluges Kind, sie ist vielleicht nicht sehr belesen, aber sie hat diese Art von Lebens-Weisheit, die nicht viele besitzen. In der Schule hat sie Probleme, sie mag keine anderen Menschen, vor allem keine Mädchen. Eine Lehrerin, Anna, merkt, dass Turtle Schwierigkeiten zu Hause hat, und wirft ab dem Zeitpunkt ein Auge auf sie.

Die Geschichte wird dann erst richtig spannend, als Turtle eines Tages von zu Hause in den Wald abhaut. Sie kennt die Wälder in ihrer Umgebung wie ihre eigene Westentasche und findet sich blind zurecht. Während sie sich problemlos orientieren kann, trifft sie auf zwei Jungs – Jacob und Brett. Ein verrücktes Freundespaar, ihre Dialoge besitzen eine ganze besondere Dynamik und es macht Spaß diese zu lesen. Turtle hilft den beiden Jungs aus einer prekären Lage, und ab dem Zeitpunkt entwickelt Turtle endlich Gefühle für jemand anderes als ihren Vater, sie verliebt sich in Jacob. Und noch etwas anderes passiert nach dieser Zusammenkunft – Turtle merkt langsam, was für ein Mensch, was für ein Arschloch, ihr Vater Martin ist.

Wie schon erwähnt, ist für mich die Geschichte erst ab diesem Zeitpunkt so richtig ins Laufen gekommen. Ich konnte das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Die Entwicklung von Turtle, und den einzelnen Beziehungen ist einfach so spannend. Das Ende des Romans ist heftig, aber befriedigend.

Vom Schreibstil war ich anfangs etwas genervt, Tallent schreibt übertrieben poetisch und beschreibt äußerst detailliert die Umgebungen. Aber um so spannender der Plot wurde, desto mehr konnte ich die Sprache akzeptieren und ignorieren. Ich bin nicht so ein großer Fan, von Poesie, der eine oder andere findet eventuell gerade das gut an diesem Roman, für mich muss es nicht so blumig und ausgeschmückt geschrieben sein.

Dann sieht sie eine Spinne. Sie hat die silbrige Farbe sonnengebleichten Treibholzes. Sie hockt düster am Eingang ihres Lochs, die Augen hinter einem Gewirr aus haarigen Beinen verborgen. Die Beine breiten sich aus, und strecken sich vorsichtig aus der Höhle wie grausige, krauchende Finger […].

Die Maus kauert wenige Meter entfernt, über eine andere Samenschote gebeugt, ihr Hängebauch wölbt sich zwischen den Beinen. Als sie mit den Samen fertig ist, schaut sie nach unten, inspiziert die kurzen Haare auf ihrem rosigen Bauch, durchkämmt sie dann in einer jähen, dringlichen kleinen Suchbewegung mit den Fingern und taucht die schnauze in ihren Bauch, um einen Augenblick lang konzentriert zu nagen.

Turtle ist so ein abgefahrener Charakter, den ich relativ schnell ins Herz schloss. Natürlich hatte ich meine Probleme, manche Dinge und Gedankengänge nachzuvollziehen, die Art wie sie ihren Vater verehrt, ist beängstigend. Und doch, fängt man schnell an, sie zu bewundern. Wie sie wie Mogli durch die Wälder rennt und sich problemlos zurecht findet, ist toll. Ihr Überlebenswille und ihre Klugheit haben mich mehrmals bewundernd zurückgelassen. Sie ist innerlich so zerrissen und kämpft immer wieder gegen eigene Dämonen, wie Selbsthass, Selbstzweifel und Schuldgefühle. Es schmerzt manchmal, das zu lesen, da die kleine Turtle so absolut fragwürdig erzogen wurde, dass es völlig klar ist, solche Selbstzweifel zu haben.

Dieser Roman wird mich bestimmt noch einige Zeit beschäftigen. Ich kann ihn nur empfehlen, allerdings sollte man sich vorher bewusst sein, dass man von Vergewaltigungen und von körperlich schweren Misshandlungen liest.

Ein Buch, was man ab und an mal weg legen muss

Von: SaMo Datum: 26. Oktober 2018

Wie kann ich über dieses Buch schreiben ohne zu viel zu verraten? Am liebsten würde ich jedem von diesem Buch erzählen, es empfehlen und gleichzeitig abraten. Es ist eine Geschichte, die mich sehr beschäftigt hat. Viele Kapitel haben mich stark mitgenommen. Denn die Erzählweise des Autors ist hart und klar, sodass die Geschichte noch mehr Gänsehaut verursacht. Glücklicherweise haben die Naturbeschreibungen während der Ausflüge in den Wald meine Seele immer mal wieder zur Ruhe kommen lassen.

Kurz zur Story:
Turtle, alias Julia Alveston, lebt mit ihrem Vater Martin abgelegen und vereinsamt in den amerikanischen Wälder. Der Vater hat eine "besondere" Beziehung zu seiner Tochter und lehrt seine Tochter "besondere" Vorsichtig gegenüber der Welt. Turtle ist versiert im Umgang mit Waffen aller Art, kennt alle Pflanzen ihrer Umgebung und sieht rohe Eier als ein gutes Frühstück an. Leider ist Turtle durch die Erziehung ihres Vaters ein Außenseiter und auch nicht besonders gut in der Schule. Ihr Großvater ist die einzige weitere Bezugsperson. Eines Tages trifft sie bei einem Streifzug durch die Wälder auf Jacob. Diese Begegnung bewirkt eine Veränderung in Turtle, die dadurch anfängt zu "wachsen"...

Ich will nicht weiter über die Story schreiben, da es viel zu entdecken gibt. Jedem der dieses Buch lesen möchte, muss klar sein, dass das Thema dieses Buches heftig und auch die Sprache, die verwendet wird, kein Blatt vor den Mund nimmt. Arsch, Schlampe und ähnliche Ausdrücke sind häufig zu finden.
Das Buch hat dennoch auch nette Seite. Ich finde zum Beispiel die Idee des Waschbären-Geschirrspülers sehr witzig und auch Jacobs Freund hat bei mir für einige Lacher gesorgt!

Ich möchte mich ganz klar für das Buch aussprechen! Es war sehr aufwühlend und spannend. Mir hat es sehr gut gefallen!

Unerträgliche Elternliebe

Von: Ella Datum: 26. Oktober 2018

Tja. Was soll ich zu dieser Geschichte sagen? Für Liebhaber von Gewaltdarstellungen sicherlich genau richtig. Für Fans von liebevollen Familienromanen weniger.
Natürlich fühlt man als Leser mit dem Mädchen Turtle (doofer Spitzname, aber passend). Natürlich verabscheut man den kranken Psychopathen Martin, der niemals Vater hätte werden dürfen. Aber muss das alles sein? Muss der Autor den Leser mit Turtle durch die Hölle schicken? Muss dieses Mädchen diesen sadistischen Mann lieben? Ja, weil er ihr Vater ist. Eine Antwort so simpel wie entsetzlich. Ja, weil Familienstrukturen leider genau so funktionieren. Der Autor weiß das und spielt die Abhängigkeitskarte gnadenlos aus. Das macht traurig und wütend.
Seine größte Wucht entfaltet der Roman allerdings, wenn man die Geschichte auf das reduziert, was sie eigentlich erzählt: Eltern haben alle Macht über ihre Kinder, aus nur einem Grund: Weil Kinder ihre Eltern lieben. Selbst die größten Schweine.

Ein Buch voller Gegensätze - eine klare Leseempfehlung!

Von: Nadine Datum: 25. Oktober 2018

Mein Ein und Alles ist ein Buch voller Gegensätze : Voller Liebe & Hass, voller wirklich toller (und ausführlicher) Naturbeschreibungen, aber auch voller Obszönitäten. Es ist teilweise so geschrieben, dass man meint, es plätschert so vor sich hin, aber in Wirklichkeit sind die Ereignisse dramatisch. Man wird immer wieder überrascht...stellenweise fand ich das Buch etwas seltsam, aber spannend zu lesen und fesselnd...andersartig und besonders! Ich kann es empfehlen, wenn man erstmal richtig dabei ist, zieht der Autor einen total in seinen Bann!

Spannend - aber thematisch schwere Kost...

Von: LisaLu Datum: 25. Oktober 2018

Turtle lebt zusammen mit ihrem Vater in einer abgeschiedenen Gegend in einer wäldlichen Region, in der Schule ist sie eher eine Außenseiterin und Nichtskönnerin - dafür ist sie jedoch vor allem im Umgang mit Waffen geübt. Dabei erfährt der Leser schnell, dass Turtle in vollständiger Abhängigkeit und sexueller Erniedrigung zu ihrem Vater lebt, aber diesen auch über alles liebt.

Der Autor beschreibt das Geschehen sehr detailliert und in einer sprachlich so noch nicht gesehenen Art und Weise. dass man sofort in seinen Bann gezogen wird.

Als sie in der Schule einen Jungen näher kennenlernt, versucht sie sich der Gewalt und Erniedrigung zu entziehen...

Ein spannendes Buch, welches jedoch für Personen mit schwachen Gemütern eher keine Empfehlung ist!

Sehr lesenswert

Von: Leseratte Datum: 23. Oktober 2018

Bis ich es in den Händen hielt, hatte ich noch nie von dem Buch oder dem Autor gehört und bin nun sehr positiv überrascht. Es ist eine wirkliche spannende, fesselnde Geschichte, bei der man einfach mitfiebern muss und ich kann nur jedem ans Herz legen das Buch zu lesen.
Der Schreibstil kam mir anfangs etwas merkwürdig vor, aber er passt sehr gut zur Geschichte und man sollte sich darauf einlassen.
Das Buch ist allerdings nichts für schwache Nerven und eher schwerer zu verdauende Lektüre.

Spannend, Erschütternd, Bewegend

Von: StefSen Datum: 23. Oktober 2018

Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und musste immer weiter lesen, um zu erfahren wie es mit Turtle "Julia" weitergeht.
Es war ziemlich schwierig in das Buch rein zu kommen, da mir die Abkürzungen und Arten der Waffen Probleme bereitet haben. Weiterhin gibt es (besonders anfangs) einige Ungereimtheiten in der Übersetzung.
Der Roman ist dennoch sehr spannend und teilweise sehr erschreckend, wenn es um die Beziehung zwischen Turtle und ihrem Vater geht. Eine perfekte Mischung, teilweise zum schmunzeln und träumen, dann wieder zum sehr erschüternd und den Tränen nahe.
Der Autor hat die einzelnen Szenen sehr bildlich und tiefgründig beschrieben, so das ich immer ein genaues Bild vor Augen hatte.

Großartige schriftstellerische Leistung, brisantes, eindringliches Thema

Von: Buchstabenträumerin Datum: 22. Oktober 2018

Ich hasse diese Geschichte. Ich hasse es, dass der Waffenbesitz, der in den USA möglich ist, und die damit einhergehende Waffengewalt, eine so große Rolle in „Mein Ein und Alles“ spielen. Gleichzeitig aber liebe ich diese Geschichte, denn Gabriel Tallent hat mit Turtle und Martin Charaktere erschaffen, die ganz tief fühlen, die unglaublich falsch denken, die sich verlaufen haben, die orientierungslos und verzweifelt sind und die sich in kranker Liebe aneinender binden. Es tut weh, diesen Roman zu lesen, der mich abstieß und gleichzeitig anzog. „Mein Ein und Alles“ ist eine einzige faszinierende Herausforderung.

Wie also einen Roman rezensieren, dem ich so zwiegespalten gegenüberstehe? Der einerseits so abscheulich ist, andererseits so bittersüß und zart? Lasst mich ein wenig von Turtle und Martin erzählen, deren Beziehung das Zentrum der Handlung bildet. Vater und Tochter leben zusammen in einem heruntergekommenen Hof, abgelegen und isoliert. Einzig Turtles Großvater lebt noch in einem schäbigen Wohnwagen auf dem Grundstück. Waffen, Pistolen, Gewehre und Schrotflinten sind ständige Begleiter der kleinen Familie. Tägliche Schießübungen und das Reinigen der Waffen sind die Freizeitbeschäftigungen von Turtle. Selbst in der Schule, wo sie als Außenseiterin dem Unterrichtsstoff nur schwer folgen kann, trägt sie stets eine Waffe. Die Stimmung ist dadurch von Beginn an bereits angespannt, geladen, explosiv, und der Vater wird intuitiv zu einer bedrohlichen Figur.

Wie bedrohlich er wirklich ist, zeigt sich in kurzen Episoden und Erinnerungen, oft nur Andeutungen, die Turtle aber weitestgehend verdrängt, als Leser wird man ihrer kaum gewahr, vieles spielt sich im Kopf ab. Als sie jedoch durch Kontakte zu anderen diese andere, normale Welt kennenlernt, wird ihr immer mehr bewusst, wie falsch ihr Alltag mit dem Vater ist, wie falsch das ist, was er mit ihr macht. Dass die Liebe zwischen Vater und Tochter, wo wie sie sie erlebt, nicht richtig ist. Mit dieser Erkenntnis beginnen zwei Kämpfe – der Kampf, den Turtle in ihrem Inneren ausficht, und der Kampf zwischen ihr und ihrem Vater.

Turtle auf ihrem Weg zu begleiten, hat mich unendlich traurig gemacht. Sie ist ein starkes, liebenswertes Mädchen, dass sich nichts anderes wünscht, als ihren Vater glücklich zu machen und von ihm geliebt zu werden. Zu erkennen, dass beides nicht möglich ist und ihr Leben kaum mehr ist als eine verquere Illusion, erschüttert. Was bedeuten angesichts der Abgründe, die sich auftun, Loyalität, Liebe und Familie? Was ist wichtig, was ist schützenswert, was nicht? Was ist Turtle bereit, aufzugeben, um ein anderes Leben zu führen und noch viel wichtiger: schafft sie es?

Hier beginnt der Teil des Buches, bei dem mir des Öfteren flau wurde. Der zweite Kampf, der zwischen ihr und Martin, ist blutig und brutal. Er überschreitet Grenzen, die ich eigentlich lieber nicht überschritten hätte. Doch irgendwie ist auch dieser Kampf stimmig, denn die Beziehung von Martin und Turtle ist derart intensiv, ihr Schicksal ist so sehr ineinander verzahnt, dass eine andere Form der Auseinandersetzung kaum heftig und wirksam genug sein würde. Die einzig denkbare Form der Loslösung ist die Auslöschung.

Fazit

„Mein Ein und Alles“ von Gabriel Tallent ist eine Geschichte mit zwei Seiten. Sie ist extrem, krank und abartig, Turtle hingegen ist liebenswert, zerbrechlich und ihr Schicksal geht zu Herzen. Ich las das Buch und liebte und hasste es in gleichem Maße. Es wird das Bild einer Vater-Tochter-Beziehung gezeichnet, die so nicht existieren dürfte, sie ist in jeglicher Hinsicht falsch. Möchte ich so ein Thema empfehlen? Nein, nicht wirklich. Doch der Prozess des Erkennens seitens Turtle, ihre Entwicklung, ihr Kampf um Eigenständigkeit und Freiheit, diese Aspekte der Geschichte sind herzergreifend und hervorragend geschrieben. Sie schreien förmlich danach, gelesen zu werden. Daher kann ich nur jedem ans Herz legen, Turtle kennenzulernen.

Intensive Geschichte

Von: forti Datum: 22. Oktober 2018

Puh, weder das harmlose Cover noch der etwas explizitere Klappentext lassen vermuten, was für eine heftige Geschichte "Mein Ein und Alles" ist. Die intensive, kranke Beziehung zwischen Turtle und ihrem Vater wird zwar beschrieben ohne dass das ganze jemals an der Grenze zum voyeuristischen kratzt, wie es Thriller (das hier ist kein Thriller) manchmal tun, trotzdem geht die Geschichte wirklich unter die Haut – wohl auch weil dem Leser Turtle unweigerlich schnell ans Herz wächst und man ihr so sehr den Ausweg aus dieser Beziehung wünscht.

Turtle ist eine außergewöhnliche 14-jährige – in fast jeder Hinsicht: ein Überlebenswunder, abgebrüht (mit weichem Kern), eine harte Kritikerin ihrer selbst und – obwohl sie in der Schule eher schlecht ist – auf ihre Art ein kluger Kopf. Überhaupt benehmen sich die Kinder und Jugendlichen alle ungewöhnlich, meist ihrem Alter voraus.

Ungewöhnlich einen Roman für Erwachsene mit einer so jungen Hauptdarstellerin zu lesen, aber ich fand es sehr gelungen und eindringlich.

Für mich in den Top 3 der Neuerscheinungen 2018! Eine intensive, lohnenswerte Lektüre.


Achtung: Als Geschenk finde ich das Buch eher ungeeignet. Falls dieses Buch aber doch ein Geschenk sein soll, sollte man sich als Schenker 100% sicher sein, dass der Beschenkte eine solch intensive, teils bedrückende Geschichte wirklich lesen möchte.

Ein grandioses Debüt

Von: Rosabel Verde Datum: 22. Oktober 2018

Die Pressekritiken und Rezensionen zu diesem Roman sind nicht untertrieben. Selbst in der (übrigens hervorragenden) deutschen Übersetzung einfach grandios und zudem außergewöhnlich spannend. Der Debütroman Tallents steht auf einer Stufe mit den besten Werken eines Cormac McCarthy.

Schockierend, fesselnd und doch wunderbar

Von: Lisa Datum: 21. Oktober 2018

Dieser Roman ist definitiv nichts für zart besaitete. Es geht um die psychische, körperliche und sexuelle Gewalt eines allein erziehenden Vaters an seiner Tochter Turtle. Turtle wächst in einem verwahrlosten Haushalt auf und wird mit den extremen Ansichten des waffennarrigen Vaters, als Einsiedlerin aufgezogen. Turtles kurzweiligen Ausflüchte in kalifornische Natur werden mit einer solch Genauigkeit beschrieben, dass man selbst denk mit auf der Flucht zu sein. Alles was in diesem Buch geschieht und was Turtle erlebt, erlebt sie direkt vor den Augen des Lesers. Turtle muss in einem Loyalitätskonflikt aus innigster Liebe und grausamster Gewalt ihren eigenen Weg finden und nimmt uns als Leser direkt mit. Auch ihr, in direkter Nähe lebender Großvater, kann sie vor den ständigen Übergriffen des Vaters nicht schützen. Erst als Turtle einen Jungen Namens Jacob kennen lernt, lernt sie, was wahre Freundschaft bedeutet und das die Welt soviel mehr ist. Doch erreichen die Gewalttaten des Vaters dann erst den Höhepunkt, da auch dieser merkt, dass Turtle ihm zu entfliehen droht. Es beginnt ein Kampf um Leben und Tod.


Die Erzählung fesselt einen von Beginn an und berührt einen auf schier unerträgliche Weise. Auch emotional kommt man als Leser durchaus an seine Grenzen.
Das dieser Roman ein Debüt ist, ist kaum zu glauben. Er ist mit solch einer Stärke, Emotionalität und Kraft geschrieben. So oft man das Buch auch zur Seite legen mag, um das Gelesene sacken zu lassen, so sehr stehen die wunderbaren Beschreibungen der Natur und die unglaubliche Stärke der Protagonistin dagegen. Gabriel Tallent beschreibt hier das dramatische Thema inner-familiärer Gewalt und greift gleichzeitig auch das politische Thema des Waffenlobbyismus auf.

Atemberaubend und bedrückend

Von: else Datum: 21. Oktober 2018

Der Roman "Mein Ein und Alles" von Gabriel Tallent ist eines der besten Bücher, das ich in den letzten Monaten gelesen habe.
Sehr eindrucksvoll und bedrückend wird die Geschichte des Mädchens Turtle erzählt, die allein mit ihrem besessenen Vater in den nordkalifornischen Wäldern lebt. Sehr eindringlich beschrieben, teilweise schön, aber auch sehr bedrückend.

Der Roman geht unter die Haut

Von: Taehti testet Datum: 14. Oktober 2018

Eine Tochter, die ihren Vater liebt. Ein Vater, der seine Tochter liebt. Eigentlich ganz normal. Denkste!
Turtle, die Protagonistin, leidet unter der schier endlose Obsession ihres Vaters ihr gegenüber. Hier wird „Elternliebe“ neu definiert. Nicht nur pure Kontrolle und der tägliche Umgang mit Waffen - auch Missbrauch findet statt. Bis Turtle jemand kennenlernt und ausbricht.

Packend und schockierend. Die sehr gute Beschreibung von Tallent lässt den Leser einen Film vor Augen haben.
Sehr gut geschrieben, in der Hoffnung, das sowas echt nur Fiktion ist!

Dieses Buch muss gelesen werden...

Von: Maria-Katharina Skircke Datum: 13. Oktober 2018

denn die Geschichte der kleinen Heldin Turtle Alveston geht an keinem Spurlos vorbei!

Sie wächst mit ihrem Vater Martin in den nordkalifornischen Wäldern auf und sucht in der Natur ihre Zuflucht,
denn hier geht es nicht um eine normale Vater - Tochter Beziehung.
Es handelt sich um eine besitzergreifende Liebe ihres charismatischenwie obsessiven Vater.
Doch was passiert, wenn man sich dem entzieht?
Eins ist klar: Martin kann und will seine Tochter nicht loslassen!

Dieser Roman ist ergreifend und spannend zugleich.
Selbst nach dem lesen wird er bei vielen im Gedächnis bleiben.

Fesselnd

Von: TheHoff Datum: 13. Oktober 2018

Der Anfang ist schwer zu lesen aber im späteren Verlauf fesselnd zu lesen... Ich konnte nicht aufhören zu lesen,ich kann es sehr empfehlen.

Fesselnd...

Von: Aryama Datum: 12. Oktober 2018

Die Geschichte der jungen Turtle zieht einen vollkommen in ihren Bann und lässt dich nicht mehr los. Man kann sich sofort in sie hinein versetzen, leidet mit ihr, hofft mit ihr.
Einmal angefangen, kann man das Buch nur schwer wieder aus der Hand legen. Einfach ein gelungenes Meisterwerk.
Auch das Hörbuch ist sehr empfehlenswert, wobei ich persönlich mich erstmal an die Stimme der Leserin und ihre Art und Weise des Lesens gewöhnen musste.
Dennoch eine klare Kaufempfehlung für beides!

Beeindruckend und fesselnd

Von: sophiepie Datum: 12. Oktober 2018

Das Buch hat mich sehr tief beeindruckt und ich konnte nach dem ich einmal angefangen hatte zu lesen , es kaum einmal zur Seite legen. Es hat mich gefesselt und in eine beeindruckende Natur und verstörende Familie entführt. Das Thema ist brisant und nicht so leicht zu verarbeiten. Der Inhalt wirkt bei mir noch lange nach .

Ein Roman für meine Jahresbestenliste

Von: Elke Heid-Paulus Datum: 12. Oktober 2018

Gabriel Tallent ist mit „Mein Ein und Alles“ ein Roman gelungen, der keinen Leser unberührt lassen wird, und ich kann mich der Meinung Stephen Kings anschließen, der dieses Debüt als ein Meisterwerk bezeichnet und es mit den großen Klassikern der amerikanischen Literatur vergleicht. Für mich ist es eine Mischung aus Thoreaus „Walden“ und Woodrells „Winter’s Knochen“. Thoreau wegen der ausufernd detaillierten Beschreibungen einer ungebändigten Natur, Woodrell wegen Turtle, dem Mädchen, das allerdings erst im Laufe der Handlung zu dieser Stärke gelangt, die Ree Dolly von Beginn eigen ist. Außerdem ist ein wichtiges Thema - und zutiefst amerikanisch - die Bedeutung der Waffen, deren Gebrauch und Pflege eine zentrale Rolle in diesem Roman einnimmt.

Tallent beschreibt eine Vater/Tochter-Story, die von Obsession, Dominanz und Missbrauch erzählt, aber gleichzeitig ist es auch die Geschichte der Befreiung aus einer zerstörenden Beziehung. Seit dem Tod der Mutter lebt Turtle mit ihrem Vater in den nordkalifornischen Wäldern. Es ist ein dreckiges, rohes Leben für das Mädchen, geprägt von physischen und psychischen Misshandlungen durch den obsessiven, in Waffen vernarrten Vater, der schöngeistmäßig einerseits die Werke der großen Philosophen liest, andererseits seine Tochter regelmäßig vergewaltigt. Die Gefühle des Mädchens sind widersprüchlich, sie hasst ihn und sie liebt ihn, ist er doch ihre einzige Bezugsperson. Aber dann lernt sie Jacob kennen, einen gleichaltrigen Jungen, der ihr zeigt, dass Beziehungen auch anders funktionieren können. Und das ist der Auftakt für Turtles schmerzhafte Befreiung von ihrem Vater.

Es ist ein eindringliches Leseerlebnis. Der Autor verlangt uns einiges ab. Manchmal muss man das Buch einfach zur Seite legen und das Gelesene sacken lassen, weil man die Brutalität in dieser Vater/Tochter-Beziehung kaum noch aushalten kann. Im Gegensatz dazu steht die Sprache, so poetisch und federleicht, die ein Gegengewicht schafft. Absolut beeindruckend, mit einer Protagonistin, die man so schnell nicht vergessen wird. Keine Frage, ein Roman für meine Jahresbestenliste!

Interessante USA Story über ein junges Mädchen

Von: Odenwaldwurm Datum: 10. Oktober 2018

Ich bin gut in die Story gekommen. Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen. Die Charaktere sind sehr gut dargestellt. Auch sonst wird die Geschichte sehr bildlich beschrieben. So dass man mein das es sehr real ist. Zwar kann ich mir die Story in Europa nicht vorstellen. Aber sie passt sehr gut in die USA. Da hier die Waffengesetzte ganz anders sind wie bei uns. Turtle wächst allein mit ihrem Vater, weltabgeschieden im kalifornischen Wald auf. In der Schule ist sie eine Außenseiterin und auch ihre schulischen Leistungen sind nicht berauschend. Stattdessen kennt sie sich mit Waffen aus, wie die ganze Familie die alle Waffennarren sind. Die Waffen werden auch eine wichtige Rolle in der Story spielen. Die Person Turtle berührt mich sehr und ich war so gespannt was sie noch alles erleben und ertragen muss. So dass ich das Buch nur kaum aus den Händen legen konnte. Das Ende war der Höhepunkt der Geschichte und hat war hoch dramatisch geschrieben und hat mich sehr überrascht und beeindruckt.
Das Buch hat mich beeindruckt und ich kann es nur sehr empfehlen. Auch wenn es hier eigentlich bzw. zum Glück nicht so passieren kann.

Emotionale Unterhaltung

Von: Snipapp Datum: 06. Oktober 2018

Obwohl die Protagonistin in gänzlich anderem Umfeld lebt; identifiziert man sich schnell mit ihr und erhofft eine positive Veränderung der Lebenssituation.

Zwischen Gut und Böse

Von: Liz Wieskerstrauch Datum: 06. August 2018

"Mein Ein und Alles" entwickelt einen unfassbar starken Sog. Kaum zu glauben, dass das ein Debütroman ist, so voller Kraft, voller Sprachkunst! Alles was geschieht, geschieht unmittelbar vor den Augen der Leser, so kommt es einem vor. Da ist niemand, der etwas behauptet oder von Außen betrachtet und erklärt. Der Leser oder die Leserin befindet sich direkt im Kopf der Heldin: ein Mädchen, das sich Turtle nennt, das in der Verstrickung von innigster Liebe und zugleich grausamster Gewalt durch den Vater seinen eigenen Weg findet, finden muss! Und ihn geht und dabei Freunde findet, grandios hellsichtige junge Freunde, die klug und verspielt zugleich Turtle beizustehen versuchen.
Dieses Buch ist ein gewaltiges, atemberaubendes Porträt einer jungen Frau, die ihre seelische Zersplitterung kraftvoll überwindet, um eigenständig, autonom zu werden, kein Opfer! Trotz immenser Tragik hinterlässt die Geschichte keinen Augenblick ohne Hoffnung, im Gegenteil, der Überlebenswille der Heldin ist so stark, und zwar trotz der inneren Zerrissenheit, die im Widerhall der väterlichen Stimme ständig hörbar ist, gerade weil sie vom Vater auch so viel Gutes mitbekommen hat, was angesichts der Gewalt desto perfidere Züge trägt. Gut und Böse sind nunmal häufig in ein und derselben Person vereint, und Liebe und zugleich quälender Hass die logische Antwort darauf - das ist die Botschaft, die dieser Roman trägt und von Szene zu Szene konsequent weitererzählt wird, was jede herkömmliche Sichtweise von Opfern und Tätern absurd erscheinen lässt.
Wer diesen Roman gelesen hat, wünscht auf der Stelle eine Fortsetzung der Geschichte. Und hoffen wir, dass Gabriel Tallent mit seinem unglaublichen Talent diese uns tatsächlich bieten wird.

Harter Tobak!

Von: Lukas Kubath Datum: 19. Juli 2018

Ein überzeugender Debütroman mit Wucht und Nachhall der lange nachwirkt und alles andere als Wohlfühl-Literatur ist. Unbedingt lesenswert für alle nicht zartbesaiteten Leser die etwas mit Yanagihara's "Ein wenig Leben" oder A.M. Holmes "Das Ende von Alice" anfangen können.

Kühn, erschütternd und gewaltig

Von: Markus Felsmann Datum: 03. Juni 2018

Ein großartiger Roman, der Leser von "Winters Knochen", "The Girls" und "Ein wenig Leben" begeistern wird. Man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Eine echte Entdeckung!