Blick ins Buch

Jetzt bestellen:

Buch
eBook
Hörbuch

€ 20,00 [DE] | CHF 28,90 [CH] | € 20,60 [A]

€ 15,99 [DE] | CHF 19,00 [CH]

€ 20,00 [DE] | CHF 28,90 [CH] | € 22,50 [A]

Alex Beer

Die rote Frau

Ein Fall für August Emmerich
Kriminalroman

»Alex Beer, der neue spannende Stern am österreichischen Krimi-Himmel.« Kronen Zeitung

Wien, 1920: Die Stadt von Kriminalinspektor August Emmerich ist ein Ort der Extreme, zwischen bitterer Not, politischen Unruhen und wildem Nachtleben. Während seine Kollegen den aufsehenerregenden Mordfall an dem beliebten Stadtrat Richard Fürst bearbeiten, müssen Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter Kindermädchen für eine berühmte Schauspielerin spielen, die um ihr Leben fürchtet. Dabei stoßen sie nicht nur auf eine ominöse Verbindung zu Fürst, sondern kommen einem perfiden Mordkomplott auf die Spur. Es beginnt ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit, der sie in die Abgründe der Stadt und deren Einwohner blicken lässt.

Das Buch spielt in Wien, Österreich

Regelmäßig neue Buchtipps bekommen!

Leserstimmen

Und die Harmonie stimmt!

Von: Birgit Pirker Datum: 06. August 2018

Nachdem Inspektor August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter den Fall um den zweiten Reiter im Wiener Untergrund aufklären konnten, wurden die Beiden in die Abteilung „Leib und Leben“ versetzt. Diese ist vergleichbar mit unserer heutigen Mordkommission und im Wien der 20er Jahre das absolute Non-plus-Ultra. Man könnte meinen, sie haben es endlich geschafft, aber weit gefehlt: Die Kollegen missachten die neuen Polizisten und verbannen sie verächtlich als „Krüppelbrigade“ an den Schreibtisch.
Die Geschichte beginnt 1920. Es herrschen Hunger und Not. Die Armut zermürbt die Wiener Bevölkerung und kaum eine Familie leidet nicht an den Folgen des Ersten Weltkrieges. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch, die reiche Oberschicht vergnügt sich in Tanzlokalen und die Filmindustrie hat ihren Höhepunkt erreicht.

Während sich die gesamte Abteilung um die Ermordung des allseits beliebte Stadtrats Richard Fürst kümmert, müssen sich Emmerich und Winter um die Belange einer bekannten Wiener Schauspielerin kümmern. Schon bald wird ein Tatverdächtiger im Mordfall Fürst verhaftet: Ein durchaus bekanntes Gesicht für Emmerich, weshalb dieser jedoch auch an dessen Unschuld glaubt …
Emmerich und Winter bekommen von ihrem Vorgesetzen, wenn auch nur widerwillig, 72 Stunden Zeit, um den wahren Täter zu überführen!

Auch in „Die rote Frau“ besticht die Autorin Alex Beer mit ihrem fließenden und einnehmenden Schreibstil. Der Handlungsverlauf ist spannend und abwechslungsreich, man fühlt sich sehr gut in die damalige Zeit hineinversetzt und man bekommt einen großrahmigen Einblick in die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse der damaligen Zeit.

Auch in „Die rote Frau“ kann ich den trockenen Humor und den bitterbösen Sarkasmus nur loben!

August Emmerich und Ferdinand Winter haben nach dem ersten Misstrauen endlich einen Schritt aufeinander zu getan und sich zu einem guten Team entwickelt. Emmerich ist grundsolide, hat aber keinerlei Skrupel sich unkonventionellen Ermittlungsmethoden zu bedienen. Er ist stur wie eine alte Bulldogge. Wohingegen Ferdinand Winter im Vergleich noch immer unerfahren wirkt, sich aber gerade im Laufe dieser Ermittlungen merkbar weiterentwickelt. Er ist wissbegierig, zuverlässig und macht mit seinem Charme oft die schroffe Art Emmerichs wieder wett. Ich finde die Beiden absolut authentisch und überzeugend!

Abteilung „Leib und Leben“

Von: Literaturwerkstatt-kreativ / Blog Datum: 31. Juli 2018

„Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“ rezensiert
„Die rote Frau“ von Alex Beer

Wien leidet immer noch unter den Folgen des verlorenen Ersten Weltkrieges. Politische Unruhen sind an der Tagesordnung. Die Stadt, ein Ort der Extreme; auf der einen Seite Reichtum und Dekadenz, auf der anderen Seite Hunger und Kälte.

Donnerstag, 18. März 1920 – Montag 29.März 1920

Rayonsinspektor August Emmerichs sehnlichster Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Er ist endlich zusammen mit seinem jungen Assistenten Ferdinand Winter in die Abteilung „Leib und Leben“ versetzt worden. Allerdings werden sie dort nicht mit Mordfällen beauftragt, sondern müssen im Büro Schreibarbeiten erledigen. Auch den spektakulären Mordfall an dem sehr beliebten Stadtrat Richard Fürst dürfen sie nicht aufklären, sondern werden wieder nur mit einem Bagatellfall abgespeist. Sie sollen Kindermädchen für die berühmte – um ihr Leben fürchtende – Schauspielerin Rita Haidrich spielen. Da reicht es Emmerich.

Als seine Kollegen dann auch noch ganz schnell den Mörder von Stadtrat Fürst präsentieren, wird Emmerich misstrauisch. Am gleichen Abend wird er in seinem Männerwohnheim darauf aufmerksam gemacht, dass der inhaftierte Peppi nicht der Mörder seien kann. Dieser hat nämlich vom Stadtrat Fürst sowohl Arbeit als auch seine beiden Prothesen erhalten, warum sollte er ihn also umbringen. Seinem Verstand und auch seinem Herzen folgend – und um seinen Kollegen zu beweisen wozu er fähig ist – beginnt er nun mit eigenen Ermittlungen. Unterstützt wird er natürlich dabei von seinem Assistenten Winter.


Fazit:

Alex Beer ist das Pseudonym der österreichischen Schriftstellerin Daniela Larcher. Sie hat eine neue Krimireihe um den Kriegsheimkehrer August Emmerich kreiert. 2017 erschien bereits der erste Band „Der zweite Reiter“, für den sie den österreichischen Leo-Perutz-Preis für Wiener Kriminalliteratur erhalten hat. Schon mit dem ersten Band hat Alex Beer mich in ihren Bann gezogen und die Sogwirkung beschleunigt sich noch mit diesem neuen Buch.

Die beiden Protagonisten wurden im ersten Band eingeführt und hatten da bereits mein Herz erobert. Und auch jetzt waren sie mir wieder ganz Nahe. Besonders Emmerich liegt mir persönlich wahrlich am Herzen. Ein Mann mit Ecken und Kanten, vor allem aber mit Rückgrat und dem Herz am rechten Fleck. Kein buckeln bei Vorgesetzten und Amtsträgern, immer gerade heraus.

„Die rote Frau „ ist zwar ein Kriminalroman, trotzdem bedient die Autorin auch den Lokalkolorit Wiens der damaligen Zeit. Und hier erfährt man dann auch einiges vom alten Wien und seinen dort lebenden Menschen. Die Autorin hat auch hier wieder allerfeinste Recherchearbeit geleistet. Dabei hat der Wiener Dialekt – auch Wiener Schmäh – den sie an manchen Stellen gekonnt eingeflochten hat, das Ganze noch authentischer werden lassen. Schön auch die Idee, an einigen Stellen des Buches Segmente aus Liedern der damaligen Zeit mit einzustreuen.

„Weiter unten sang die Bettlerin unermüdlich.“

…„Im Prater blühn wieder die Bäume, es leuchtet ihr duftendes Grün. Drum küss, nur küss, nicht säume, denn Frühling ist wieder in Wien.“

Der Schreibstil von Alex Beer ist flüssig und lebendig. Ihre detaillierten Beschreibungen erzeugen wunderbare Bilder und eine Idee keimte in mir auf: August Emmerich gehört ins Kino. Vielleicht traut sich ja jemand. Es würde mich sehr freuen !

Die Seiten des Buches sind für mich auf jeden Fall nur so dahingeflogen und wegen mir hätte die Reise noch durchaus weiter gehen können. Wer den ersten Band nicht gelesen hat, kann durchaus auch mit dem zweiten Buch beginnen, allerdings ist der Erste auch wirklich sehr lesenswert, von daher vielleicht doch erst zum Ersten greifen.

Somit kann ich – wie schon beim ersten Band – wieder nur sagen : „Chapeau“.

Und worauf kann man sich nach diesem spannenden Krimi freuen ? Richtig, – auf den dritten Band !!!





Besten Dank an den Limes Verlag für das Rezensionsexemplar.


mehr Leserstimmen anzeigen

Alex Beer enttäuscht nicht

Von: Bine Datum: 31. Juli 2018

Erstmals, eine würdige Fortsetzung des ersten Bands.

Ich durfte im Zuge einer Führung durch Wien die tolle Autorin Alex Beer kennenlernen.

In dem zweiten Buch um den Kriminalbeamten August Emmerich nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1920, begeben wir uns wieder in die Unterwelt und in die Machenschaften um eine karitative Organisation. Gerade diese Beschützer der Armen und Schwachen geraten in das Netz eines Mörders.

Als erstes wird ein Politiker ermordet, welcher sich auch für die Armen engagiert hat. Schnell ist ein Sündenbock gefunden. Doch dieser bestreitet seinen Gönner ermordet zu haben, den er alles verdankt. Da auch viele Gefängnisinsassen von dem toten Politiker Hilfe gefunden haben, ist er im Gefängnis auch nicht sicher. Die Zeit läuft Emmerich davon, welcher von seiner Unschuld überzeugt ist.
August, selbst auf diese Hilfe im Männerwohnheim angewiesen, ist es natürlich wieder ein Anliegen den Mörder so schnell wie möglich zu fassen. Auch in der neuen Arbeitsstelle Leib und Leben sind er und Winter vor Anfeindungen nicht sicher.

Alex Beer beschreibt die Armut dazumals geradezu schmerzhaft greifbar. Die armen Ziegelfabriksarbeiter die mehr im Jenseits zu sein scheinen als im Diesseits... Dann wieder das ausschweifende Leben der Theatermenschen, die Geld für Essen rausschmeissen um den Überfluss zu fröhnen.

Alex Beer spannt in geübter Form die Fäden zwischen beiden Welten und zieht sie immer fester zueinander. Die der Armen die Hilfe benötigen und die der reichen Gönner, die gewillt sind etwas Geld zu sammeln um die Menschen am Leben zu erhalten.

Wer tötet diese Wohltäter und vor allem warum?

Ich bin eigentlich nicht so ein Freund von Kriegs- oder Nachkriegsgeschichten, da ich ziemlich nah am Wasser gebaut bin, ich mich gerne mitreißen lasse und auch sehr emotional auf alles wirke. Dennoch erfährt man eine besondere Wärme des Zusammenhalts der Menschen die gerade einen Krieg hinter sich gebracht haben. Das Überleben eines solchen Umstandes scheint die Menschen (arm wie reich) zusammenzuschweißen. So gesehen ein kleiner Lichtblick in der schwarz-weißen Monotonie dieser Zeit.

Ein neuer, spannender Fall für August Emmerich

Von: Literaturblogsaarland Datum: 24. Juli 2018

Wien, 1920: Die Stadt von Kriminalinspektor August Emmerich ist ein Ort der Extreme, zwischen bitterer Not, politischen Unruhen und wildem Nachtleben. Während seine Kollegen den aufsehenerregenden Mordfall an dem beliebten Stadtrat Richard Fürst bearbeiten, müssen Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter Kindermädchen für eine berühmte Schauspielerin spielen, die um ihr Leben fürchtet. Dabei stoßen sie nicht nur auf eine ominöse Verbindung zu Fürst, sondern kommen einem perfiden Mordkomplott auf die Spur. Es beginnt ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit, der sie in die Abgründe der Stadt und deren Einwohner blicken lässt.


Vita :

Alex Beer ist in Bregenz geboren , hat Archäologie studiert und lebt in Wien.


Die rote Frau ist der zweite Fall des kriegsversehrten Rayonsinspektors August Emmerich.

Im Wien des Nachkriegsjahrs 1920 wird Richard Fürst, ein bekannter Politiker und Wohltäter ermordet.

August Emmerich, der zusammen mit seinem jungen und naiven Assistenten Ferdinand Winter endlich zur Wiener Mordkommission versetzt wurde, ist aufgrund seiner Kriegsverletzung zu Schreibarbeiten und niederen Tätigkeiten "verdonnert" worden. Man nennt die beiden auch die "Krüppelbrigade".

Erst nach einer kleinen Gefälligkeit für seinen Vorgesetzten Gonska in der Abteilung " Leib und Leben" bekommt er 72 Stunden Zeit, eigene Ermittlungen im Mordfall Fürst anzustellen.

Alex Beer nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise ins Wien der Nachkriegszeit. Die politische Situation ist instabil, der Alltag ist geprägt von Hunger und Armut. Selbst August Emmerich kann sich keine Wohnung leisten, er logiert im Männerwohnheim im 20.Wiener Gemeindebezirk in einer drei Quadratmeter kleinen Einzelkabine.

Als Leser wird uns die Kluft zwischen reich und arm deutlich vor Augen geführt. Es gibt entweder unermessliche Dekadenz oder bitterste Armut.

Für mich war dieses Buch eine Milieustudie par excellence.

August Emmerich war mir als Ermittler sehr sympathisch, auch seine Sorge um seine ehemalige Lebensgefährtin Luise und deren Kinder hat mich tief berührt. Ferdinand Winter, der aus besserem Hause stammt, war mir aufgrund seiner zeitweilig doch sehr hervortretenden Naivität zwar ebenfalls sehr angenehm, ob er sich jedoch in dieser harten und gefährlichen Zeit behaupten kann, bleibt abzuwarten.

Die Ermittlungen von Emmerich und Winter hautnah mitzuverfolgen war sehr spannend und auch der Schluß war schlüssig und nachvollziehbar.

Ich bin schon gespannt, wie es mit August Emmerich und Ferdinand Winter weitergeht. Der nächste Band wird auf jeden Fall sehnsüchtig erwartet.

Für dieses tolle Buch mit jeder Menge Lokalkolorit vergebe ich die Höchstbewertung von 5 Sternen !!!


Einen ganz, ganz lieben Dank an das Bloggerportal und die Verlagsgruppe Random House für die kostenlose Zusendung dieses absolut tollen und gelungenen Buches.


Eine gelungene Fortsetzung

Von: Kaisu Datum: 21. Juli 2018

“Dichte Wolken zogen über den Himmel von Wien. Grau und schwer spiegelten sie die Stimmung in der Stadt wieder. Bald würde die Dämmerung einsetzen, was ihm sehr entgegenkam. manch Dinge ließen sich in der tröstlichen Umarmung der Dunkelheit einfacher erledigen als in der kalten Realität des Tages.” (Buchbeginn)

August Emmerich wurde abgesägt. Also nicht wortwörtlich, aber sinngemäß. Zusammen mit seinem Kollegen Ferdinand Winter wurde er an den Schreibtisch verbannt. Statt Verbrecher zu jagen und das Straßenpflaster unter den Füßen zu spüren, hören Schreibmaschinen klappern und atmen schweren Aktengeruch ein. Das wurmt Emmerich extrem und so kommt es ihm ganz gelegen, dass er einen Fall zugewiesen bekommt. Der landet natürlich nicht ohne Hintergedanken bei ihm.

Kichernd überreicht ihm sein Chef die nötigen Informationen und lässt ihn damit stehen. Um was für einen Auftrag es sich handelt? Eine Schauspielerin vermutet einen Fluch, der auf ihrem neuen Stück liegt. Schwere Unfälle passieren und keiner kann sich deren Ursache erklären. Emmerich, der Hexenbeschwörer? Das lässt er natürlich nicht auf sich sitzen und verlangt eine Gegenleistung. Sollte er denn Fall lösen, möchte er – zusammen mit Winter – in den brisanten Hauptermittlungsfall der Stadt einbezogen werden.

Emmerich nickte. “Wir haben eine Abmachung?”

Gonska schnaubte erneut. “Ja, und jetzt raus, bevor ich es mir anders überlege.” (S.32)

Man kann es sich schon denken und das ist auch kein großer Spoiler: Natürlich dürfen die beiden weg vom Schreibtisch und mit ermitteln. Leichter wird der Job dadurch aber nicht. Sie müssen sich nun doppelt und dreifach beweisen. Zudem lastet ein großer Druck auf den Beamten, da immer weiter gemordet wird. Wohlhabende Menschen, werden zum Opfer eines grausamen Killers. Kurze Zeit später wird der Täter gefasst. Freude Stimmung macht sich breit. Nur Emmerich bleibt skeptisch. Da ist was faul. Das spürt er. Und so sehen wir ihn – wieder einmal – heimlich hinter dem Rücken seines Vorgesetzten ermitteln.

August Emmerich, wie er leibt und lebt. Genauso, wie man ihn im Auftakt kennen gelernt hat, so präsentiert er sich erneut als kleiner Rebell, der stets gegen den Strom schwimmt. Manchmal muss man eben aus der Reihe tanzen, um zum Ergebnis zu kommen. Aber ob ihm das hier auch hilft? Nicht nur er, auch als Leser sieht man die Felle langsam wegschwimmen. Langweilig wird es daher an keiner Stelle. Jeder Stein wird umgedreht und gelegentlich befindet sich keine Niete darunter.

Ein Lächeln schlich sich auf Emmerichs Lippen. “Wenn dieser [Mister X] tatsächlich unser Mann ist…”

“…dann kriegt Brühl doppelt Ärger.” (S.254)

Der Leser bewegt sich durch das heruntergekommene Wien, schleicht durch dunkle, übel riechende Gassen und sieht das feuchte Blut sachte von dem noch warmen Opfern tropfen. Das Gefühl dabei ist perfekt. Hautnah dabei, das bekommt die Autorin wunderbar hin. Mir sind diesmal dabei leider die emotionalen Momente um Emmerich etwas zu kurz gekommen. Ich hatte in der Hinsicht nicht das gleiche Lesegefühl. Zwar taucht seine Frau wieder auf, aber nur recht kurz und auch in seinen Gedanken ist die familiäre Situation nicht so präsent, wie der Fall oder seine Lebensumstände, in Bezug auf seine Unterkunft.

Natürlich trübt dies nicht das Gesamtpaket. Ich habe mich wieder ausgezeichnet unterhalten gefühlt. Die Seiten flogen nur so dahin und man möchte jetzt eigentlich nur den nächsten Band in den Händen halten.
Lesetipp: Das zwiegespaltene Wien der 20er, gepaart mit einem Ermittler, der sich nicht untergraben lässt und seine Nase in jeden Getümmel steckt, um zu dem richtigen Ergebnis zu kommen. Perfekte Unterhaltung.

August Emmerich die 2.!

Von: Kerstin von KeJas-BlogBuch Datum: 20. Juli 2018

Wer den 1. Band um August Emmerich (Der zweite Reiter) noch nicht gelesen hat, es aber noch tun möchte, sollte auf diese Rezension verzichten – denn sie könnte spoilern.

Wir schreiben das Jahr 1920 und begeben uns nach Wien. Die Autorin Alex Beer zieht einen wieder hinein, in diese Stadt die geprägt ist von all dem Elend, das der 1. Weltkrieg hinterlassen hat.
Genau wie im ersten Band hatte mich auch hier wieder das Setting um diese Stadt und die dort lebenden Menschen in seinen Bann gezogen. Unverhohlen wird ausgesprochen was den Männern, Frauen und Kindern das Leben schwer macht. Armut durch Arbeitslosigkeit, dadurch Hunger und Krankheiten, was wiederum Schäden nicht nur am Leib sondern auch an der Seele anrichtet. Witwen, Waisen und Kriegsversehrte bebildern die Stadt. Kein schöner Anblick, noch weniger wie die elenden Quartiere in denen so mancher hausen muss. Daneben die feinen und reichen Herrschaften. Solche, die sich der Kunst des Schönen hingeben und dabei den Blick auf die Wirklichkeit übersehen. Ein Kontrast der größer nicht sein könnte.

"Eine Handvoll Leute besitzt fast alles, während der Rest hungert und friert."
(S. 167)

Einer, der selbst an einer Kriegsverletzung leidet, ist Rayonsinspektor August Emmerich. Nach Kriegsende hat er eisern darum gekämpft in die Abteilung „Leib & Leben“ versetzt zu werden. Es ist ihm gelungen und doch ist er alles andere als glücklich. Neben seinem jungen Kollegen Winter verbringt er die meiste Zeit damit leidlichen Schriftverkehr zu machen und bekommt nicht den Hauch einer Chance auf einen „richtigen“ Fall. Aber Emmerich macht es niemanden leicht, nicht mal sich selbst und so bekommt er doch die Möglichkeit an einer ganz großen Ermittlung teilzunehmen – auch wenn er es niemanden verraten darf.
Ein Mord in den feinsten Kreisen und das dort, ganz besonders dort, sehr viel Unrat aufwartet, überrascht niemanden mehr. Für Emmerich wird dies eine Ermittlung die nicht einfach nur Erfolg haben soll. Für ihn wird es eine fast schon persönliche Angelegenheit. Der arme Tropf, der des Mordes bezichtig in einer Zelle einsitzt, scheint unschuldig zu sein und es liegt einzig Emmerich am Herzen diesem zu helfen. Dafür braucht er den wahren Täter und vor allem die Hintergründe und ein Motiv. Nicht ganz einfach, denn auch in den eigenen Reihen gönnt ihm niemanden etwas. Vielleicht weil Emmerich nicht nur Polizist, sondern ganz viel Mensch ist.

"…bis er die Krüppelbrigade eingestellt hat."
(S. 18)

Emmerich und Winter sind auch in diesem Band wieder ein erstklassiges Team. Der alte Hase und der unerfahrene Jungspund ergänzen sich immer mehr. Ein Team, das sich auf einander verlassen kann und mir wieder sehr gut gefiel. Ihre Dialoge haben mich des Öfteren zum Grinsen gebracht und besonders Winter hat eine recht tollpatschige Art, ohne dabei übertrieben zu wirken. Er ist gereift im Laufe der Zeit und lernt schnell und gut, vor allem dass er Emmerich absolut vertrauen kann, auch wenn dessen Art zu ermitteln manchmal recht unkonventionell ist.

"Es ist an der Zeit, dass du endlich lernst, wie man ordentlich lügt…"
(S. 75)

Na na na, wer wird denn lügen?
Emmerich bestimmt nicht, dafür ist er zu ehrlich. Winter? Er verheimlicht allemal etwas vor bestimmten ungeliebten Vorgesetzten, aber nicht aus Boshaftigkeit, sondern um Emmerich zu schützen.
Die Haute­vo­lee kommt da schon eher in Betracht. Die feine Gesellschaft, die wie bereits erwähnt, dem Theater, der Musik und Kultur frönt, dabei verschwenderisch und übertrieben zu Tage geht, als gäbe es kein Morgen. Der Rest kann bleiben wo er ist und das an besten unsichtbar – obwohl, sie werden eh nicht gesehen.
Frauen, die sich als Prostituierte verdingen um ihre Kinder versorgen können. Bettler, die von der Hand in den Mund leben. Krüppel an Körper und Geist, die kaum mehr in der Lage sind ihr tägliches Brot zu verdienen. Daneben diejenigen, die dem Alkohol verfallen sind und nebst dem Weibe auch die Kinder und alles, was sich ihnen in den Weg stellt, verprügeln.

Eine Gesellschaft am Rande des Abgrundes. Und genau das hat mich wieder am meisten fasziniert. Das es neben dem Kriminalfall, auch gesellschaftskritische Darstellungen der Umstände gab. Schonungslos und offen, fast schon so nebenbei erfährt man immer mehr über diese Zeit. Historisch richtig großartig recherchiert und umgesetzt. Die ganzen sozialen und asozialen Missstände in dieser Zeit bildeten wohl einen mehr als ungesunden Nährboden. Was darauf wuchs ist uns bekannt.
Emmerich ist ein sehr ehrgeiziger Ermittler. Im Wiener Alltag unterwegs, folgt man ihn durch die Straßen und Gassen und fast kam es mir vor als würde ich diese Ausdünstungen des Bösen und des Übels riechen. Die sehr bildhaften Beschreibungen erzeugen ein Bild dieser Zeit und dieser Stadt und ganz besonders dieser Menschen.

"Die Geschichte war noch nicht zu Ende."
(S. 407)

Und egal wie es mit Emmerich und Winter weitergeht und wie lange ich warten muss – ich freue mich darauf!
Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★★

Fesselnder historisch-politischer Krimi

Von: Sigismund von Dobschütz/Buchbesprechung Datum: 14. Juli 2018

„Der Krieg mochte vorbei sei, doch das Toben hatte gerade erst begonnen." So endet der erste Band „Der zweite Reiter“ einer 2017 begonnenen Krimi-Reihe um Kriminalinspektor August Emmerich, verfasst von Alex Beer. Pseudonym der österreichischen Schriftstellerin Daniela Larcher (41). In dieser Situation der politischen und gesellschaftlichen Wirren im Wien des Jahres 1920, einer Stadt der Extreme zwischen bitterer Not, politischen Unruhen und wildem Nachtleben, beginnt denn auch Beers wieder empfehlenswerter, im Mai beim Limes-Verlag veröffentlichter zweiter Band „Die rote Frau“.
Kriminalinspektor August Emmerich ist endlich mit seinem jungen, noch lebensunerfahrenen Assistenten Ferdinand Winter in die Mordkommission versetzt worden, wird dort aber wegen seiner Kriegsverletzung in die Schreibstube versetzt. Erst nach schneller Lösung eines Gefälligkeitsauftrags setzt ihn sein Vorgesetzter Gonska als verdeckter Ermittler auf einen brisanten politischen Mordfall an. Emmerich hat nur vier Tage Zeit bis zur Rückkehr seines Chefs. Doch natürlich gelingt es dem gewieften Ermittler dank seines ungewöhnlichen und unerschrockenen Vorgehens, einem perfiden Mordkomplott auf die Spur zu kommen und den Fall zu lösen.
Wie im ersten Band gelingt es der Autorin auch diesmal, das Wien des Nachkriegsjahres 1920 wieder lebendig werden zu lassen. Man hört fast die alte Straßenbahn durch die teilweise heruntergekommenen Stadtviertel rumpeln, man riecht den Essensgeruch aus den Suppenküchen für Notleidende oder das Karbid der Abendbeleuchtung, man schmeckt den Staub und Unrat allerorts und sieht allgegenwärtige Armut, Hunger und Krankheiten, die nicht selten zum Tod führen. Auch die ungefestigte politische Situation nach dem verlorenen Krieg erlebt der Leser eindringlich, die Gefährdung der jungen Republik durch einen möglichen Putsch, der sowohl von links als auch von rechts möglich ist. Obwohl Monarchie und Adel seit Kriegsende abgeschafft sind, muss der im Waisenhaus aufgewachsene Emmerich bestürzt feststellen, dass sich kaum etwas an den sozialen Verhältnissen geändert hat: Jene, die vorher arm waren, sind es noch heute, wurden zudem im Krieg „verheizt“, und der alte Adel wurde durch Geldadel ersetzt. Das Elend auf den Straßen versucht die boomende Filmindustrie mit ihrer märchenhaften Scheinwelt vergessen zu machen.
Fesselnder als die Lösung der von Emmerich schnell in Zusammenhang gebrachten Mordfälle ist die aus unzähligen Puzzle-Steinen von der Autorin eindrucksvoll zusammengesetzte Situations- und Milieu-Schilderung. In der gelungenen Verbindung von Historie und Fiktion warnt Alex Beer erkennbar vor dem heute wieder wachsenden Rechtspopulismus. So lässt sich der letzte Satz dieses Bandes nicht nur als Hinweis auf eine willkommene Fortsetzung dieser Buchreihe deuten, sondern auch als politische Warnung: „Diese Geschichte war noch nicht zu Ende.“

August Emmerich ermittelt wieder

Von: Martinas Buchwelten Datum: 12. Juli 2018

Bewertung: 4 1/2 Sterne

Nachdem mich der erste Band rund um Rayonsinspektor August Emmerich sehr gut gefallen hat, war es selbstverständlich, dass ich auch den neuen Fall lesen werde. Und ich kann euch gleich zu Beginn verraten: Auch "Die rote Frau" ist wieder richtig gut!

August Emmerich und sein junger Assistent Ferdinand Winter haben es nach der erfolgreichen Auflösung des Kriminalfalles aus Band 1 tatsächlich geschafft und sind in die Abteilung "Leib und Leben" aufgestiegen. Allerdings gestaltet sich das Berufsleben am neuen Arbeitsplatz nicht so, wie es sich Emmerich vorgestellt hat. Anstatt endlich durch die Straßen von Wien auf Verbrecherjagd zu gehen, sitzen er und Winter gemeinsam neben Bürofräuleins und "dürfen" Protokolle tippen. Von den Kollegen werden sie als "Krüppelbrigade" beschimpft, nachdem Winter wegen eines Dienstunfalles noch seinen Arm in der Schlinge trägt und Emmerich wegen eines Granatsplitters im Bein hinkt. Vom Heroin, das ihm im ersten Teil Linderung verschaffte, ist er losgekommen, aber seine Wohnung bei Luise hat er trotzdem verloren als ihr Mann aus dem Krieg zurückkehrte. Nun lebt er in einem Männerwohnheim für Kriegsverletze. Als Stadtrat Richard Fürst, der sich für die Belange der sozial Schwachen einsetzt, ermordet wird, hofft Emmerich den Fall zu übernehmen, doch Polizeichef Gonka zieht ihn gar nicht erst in Betracht. Bald darauf geschieht ein weiterer Mord. Die Tote ist ebenfalls gut situiert und eine Wohltäterin, wie Stadtrat Fürst. Wer bringt schon Menschen um, die sich für Andere einsetzen? Welches Motiv hat der Täter?
Kollege Brühl fasst kurz darauf einen Verdächtigen: Es ist Peppi, der im selben Männerlogierheim, wie Emmerich wohnt. Dieser ist fassungslos und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Wege führen ihn und Winter wieder in den Wiener Untergrund: Illegale Wettlokale, Bordelle und Bäder, aber auch ein Sanatorien und die Welt des Theaters und des Films sind ihre Ziele. Doch Emmerich und Winter bleiben nur 72 Stunden, die Gonka der "Krüppelbrigade" gibt, um die Mordefälle zu lösen....

Noch immer ist das Leben der Menschen gekennzeichnet von bitterer Armut, Wohnungsnot, unzureichender medizinischer Versorgung, Hunger und hoher Arbeitslosigkeit. Die junge Republik ist instabil. Während Monarchisten die Rückkehr des Kaisers wünschen, bilden sich bereits neue politische braune Herde, die aus München nach Wien überschwappen. Zur selben Zeit befindet sich die Filmindustrie auf ihrem Höhenpunkt. Die Menschen flüchten in eine Scheinwelt.

Emmerich, der mittlerweile seine Meinung über seinen Assistenen Winter geändert hat, bleibt seiner unkonventionellen Arbeitsweise treu. Die Auslegung der Gesetze dreht und wendet er, wie er sie gerade braucht und Winter kommt durch Emmerichs Eskapaden nicht nur in eine brenzlige Situationen. Trotzdem unterscheidet er sehr wohl zwischen Gut und Böse und hat immer das Herz am rechten Fleck. Die Sorge um seine Geliebte Luise und die Kinder lassen ihn kaum schlafen, denn Luises Mann kehrt als anderer - als grausamer Mensch - aus dem Krieg zurück.
Während sich die Ermittlungen etwas im Kreis drehen, die Motive völlig unklar sind und Emmerich sich auch in eine Sackgasse manövriert, begleiten wir die beiden ungleichen Ermittler durch die Straßen Wiens. Manche Auflösungen erschienen mir dabei ein bisschen weit hergeholt, jedoch löst sich alles logisch auf, während sich das Ende diesmal zu einem richtigen Showdown entwickelt.

Alex Beer gelingt es wieder hervorragend das Lokalkolorit der Stadt Wien einzufangen. Der historische Krimi lebt neben den beiden eigenwilligen Ermittlern vorallem von der besonderen Atmosphäre, die die Nachwehen des Krieges brutal aufzeigen. Die atmosphärische Beschreibung der Nachkriegszeit habe ich noch bei keinem Autor/Autorin so perfekt umgesetzt gefunden, wie bei Alex Beer. Dazu gibt es, wie bereits im ersten Teil, interessante Details über bedeutende Bauwerke und Lokale, die heute noch existieren.

Schreibstil:
Wie schon im ersten Teil gelingt es der Autorin wieder fabelhaft, sich beim Lesen mitten im Wien der Zwanziger Jahre zu fühlen. Sie erzählt sehr intensiv und detailliert, aber genau in der richtigen Dosierung. Auch die Wiener Mundart darf nicht fehlen und bringt wieder das typische Lokalkolorit mit sich. Alex Beer alias Daniela Larcher hat hervorragend recherchiert und erzählt von einem Wien der gar nicht so goldenen Zwanziger Jahre.
Die Charaktere sind einzigartig und facettenreich. So wird das Wien der 1920iger Jahre wieder lebendig!

Fazit:
Auch der zweite Band rund um den charismatischen Inspektor August Emmerich und seinen Assistenten Winter ist wirklich gelungen. Der historische Krimi lebt vorallem wieder von der tollen Atmosphäre der Nachkriegszeit, dem typischen Wiener Flair und dem verzwickten Kriminalfall. Von mir gibt es eine Empfehlung für diese tolle Reihe!

„Die rote Frau“ von Alex Beer - ein starker 2. Teil

Von: Bücherserien.de Datum: 12. Juli 2018

August Emmerich hat es geschafft: Endlich wird er in die „Leib und Leben“ versetzt, wie die Mordkommission im Jahre 1920 in Wien genannt wird. Allerdings ist seine erste Aufgabe nicht sonderlich spektakulär. Emmerich und sein Assistent Winter sollen die Schauspielerin Rita Haidrich beschützen. Die Dame wähnt ihr Leben in Gefahr und glaubt an einen Fluch. Schon bald erkennen Emmerich und Winter jedoch eine seltsame Verbindung zum Mord an einem Stadtrat, mit dem sich die Kollegen gerade beschäftigen. Offenbar ist Emmerich einem Mordkomplott auf der Spur …

Schon im insgesamt noch etwas sperrigen ersten Band um den Wiener Kommissar Emmerich, Der zweite Reiter, konnte Alex Beer mit ihrem Protagonisten weitestgehend überzeugen. „Die rote Frau“ festigt das Bild und fügt neue Elemente hinzu. Emmerich ist endlich an seinem Wunsch-Arbeitsplatz angekommen. Doch Neulinge wie er und Winter, dürfen erst einmal Kaffee kochen, Protokolle abtippen und sich den Spott der Kollegen anhören. Weil beide unter gewissen Handicaps leiden, werden sie von den Kollegen als „Krüppel-Brigade“ bezeichnet. Man kann also nicht gerade behaupten, dass Emmerichs Leben nun wirklich so viel besser geworden ist. Aber er lässt sich nicht unterkriegen.

Emmerich wittert seine Chance, als die Schauspielerin Rita Haidrich die Polizei um Hilfe bittet. Eine Frau habe die Dreharbeiten verflucht, erzählt sie, und nun passieren Unglücke. Emmerichs neuer Abteilungsleiter ist mit einem Deal einverstanden: Können er und Winter diesen Fall lösen, dürfen sie mitarbeiten an der Mordaufklärung, die das Dezernat gerade beschäftigt. Leider hat der sehr von sich überzeugte Inspektor Brühl schnell einen Mörder im Falle des Stadtrates zur Hand. Doch Emmerich kennt den Mann. Er kann es nicht sein.

Die Nebenschauplätze in „Die rote Frau“ sind, wie schon im ersten Fall von August Emmerich, erneut faszinierend. Emmerich hat sich aus der Not heraus im Obdachlosenasyl einquartiert. Die dort herrschenden Zustände sind ein grausamer Kontrast zur schillernden Scheinwelt der Filmbranche. Dies und der Umgang mit Kriegsversehrten nach dem Ersten Weltkrieg, das Leben überhaupt in einer Stadt, die noch immer unter den Folgen des Krieges leidet, sind spannende Details, die Alex Beer sehr plastisch und überzeugend schildert.

Doch während in „Der zweite Reiter“ das Gewicht noch etwas zu stark auf diesen historischen Einzelheiten lag, schafft „Die rote Frau“ die Balance zwischen Kriminalroman und Geschichtsstunde. Gut ist auch, dass die Autorin kleine Rückblenden auf den ersten Band einfließen lässt. So kann man zur Not auch quer einsteigen und den Roman ohne Vorkenntnisse lesen. Und auch die Sprache hat sich gegenüber dem ersten Teil der Emmerich-Serie gebessert. Noch immer streut Alex Beer viel Wiener Dialekt ein, was auch gut funktioniert angesichts der Zeit und des Settings. Aber insgesamt ist der Roman leichter und wesentlich flüssiger lesbar – auch für jene, die sich mit dieser Art von Sprache für gewöhnlich eher schwer tun.

Mein Fazit:

„Die rote Frau“ ist ein sehr unterhaltsamer Krimi mit spannenden historischen Hintergründen und einem spröden, aber sympathischen Protagonisten. Viel-Leser dürfte das vorhersehbare Finale kaum überraschen, es erscheint auch etwas zu konstruiert, um vollends zu überzeugen. Insgesamt aber hat mir „Die rote Frau“ sehr gut gefallen und macht Lust auf weitere Bände mit Emmerich und Winter.

Die rote Frau...

Von: clary999 Datum: 08. Juli 2018

»Wien war eine Weltstadt – schon immer hatte es hier unzählige Delikte gegeben, doch seit dem Krieg war ihre Zahl sprunghaft gestiegen. Die Bevölkerung war verroht, Hunger und Not forderten ihren Tribut.«
Zitat aus dem Buch, Seite 139

Zum Inhalt: Wien, im März 1920. Rayonsinspektor August Emmerich und sein junger Assistent Ferdinand Winter sind jetzt in der Abteilung »Leib und Leben«. Ihre Freude darüber ist allerdings schnell gesunken. Die anderen Kollegen der Mordkommission missachten die beiden neuen Polizisten. Nennen sie verächtlich »Krüppelbrigade«. Der allseits beliebte Stadtrat Richard Fürst wurde ermordet. Emmerich und Winter werden von den Ermittlungen ausgeschlossen. Sie müssen sich mit der sonderbaren Anzeige einer berühmten Schauspielerin befassen. Schon bald wird ein Verdächtiger im Mordfall Fürst verhaftet, aber Emmerich glaubt nicht an seine Schuld und ermittelt mit Winter im Hintergrund. Von seinem Vorgesetzten bekommt er dafür, wenn auch widerwillig, 72 Stunden….

»Der Krieg hatte sich tief in das Stadtbild eingebrannt. Schrecklich zugerichtete Invaliden, Witwen in Trauerkleidung, rachitische und tuberkulöse Kinder. Stadtrat Fürst hatte stets versucht die Not dieser Menschen einfach und unbürokratisch zu lindern. Wer würde jemand wie ihn ermorden? Und vor allem: Aus welchen Grund? «
Zitat aus dem Buch, Seite 138

Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin Alex Beer ist fließend und mitziehend. Man fühlt sich in diese Zeit hineinversetzt. Es ist ein kalter März und überall herrschen Not, Hunger, Armut und Krankheiten. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch. Die reiche Oberschicht vergnügt sich in Tanzlokalen und Theater. Die Filmindustrie hat einen Höhepunkt in den Zwanzigern.

August Emmerich und Ferdinand Winter sind mir schon aus dem ersten Band vertraut und sympathisch. Emmerich ist ein Kriegsversehrter. Der Granatsplitter in seinem Bein bereitet ihm oft Schmerzen. Winter ist erst seit kurzem der Assistent von Emmerich. Nach anfänglichen Misstrauen und ihrem ersten gemeinsamen Kriminalfall haben sich die beiden mittlerweile zu einem guten Team entwickelt. Emmerich ist erfahren und stur. Seine Vergangenheit hat ihn geprägt. Er bedient sich hin und wieder unkonventionellen Methoden. Winter ist zwar noch unerfahren, aber wissbegierig und zuverlässig.

Bei der Suche nach dem Mörder des Politiker Fürst verfolgen Emmerich und Winter verschiedene Spuren, die mitunter im Sande verlaufen, aber die Erkenntnis daraus, sind manchmal dennoch hilfreich. Das Mordmotiv? Persönlich oder politisch? Ein weiterer Mord geschieht. Gibt es eine Verbindung? Was Emmerich und Winter herausfinden ist schockierend! …

Der Handlungsverlauf ist spannend und abwechslungsreich! Gleichzeitig bekommt man einen beeindruckenden Einblick in die Lebensumstände der armen und reichen Bevölkerung, sowie über politische, wirtschaftliche und kulturelle Verhältnisse. Die einzelnen Personen sind authentisch und überzeugend dargestellt. Waisenkinder, Zigeuner, Kriegsveteranen, Politiker, Polizisten, Kleinkriminelle u.v.m..

Der trockene Humor, Sarkasmus und einige Gespräche im Wiener Dialekt (auch für deutsche Leser verständlich ;)), die zwischendurch auftauchen, haben mich ebenfalls sehr gut unterhalten.

Faszinierend und wissenswert sind historische Fakten über die Nachkriegszeit in die Geschichte eingebunden! Manche Details waren mir noch nicht bekannt!

Ich bin schon gespannt auf den nächsten Band! Das Buch kann allerdings auch einzeln gelesen werden, weil der Kriminalfall in sich abgeschlossen ist.

Ein spannender historischer Krimi mit viel Interessantem aus den frühen Zwanzigern in Wien!

Sehr lesenswert!
5 Sterne

»Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen. - Platon«
Zitat aus dem Buch, Seite 5

(Empfehlenswert finde ich auch den ersten Band! »Der zweite Reiter« von Alex Beer)

Facettenreich und genial spannend!

Von: Anjas Buchstunden Datum: 02. Juli 2018

Auf dieses Buch habe ich mich riesig gefreut, denn ich habe auch das erste Buch mit großer Begeisterung gelesen. Auch diesmal wurde ich absolut nicht enttäuscht und bin sofort in der Story versunken.

Eindrucksvoll beschreibt die Autorin die Lage nach dem Krieg und es war mitunter so realistisch, das ich glaubte mittendrin zu sein. Man konnte die Armut und Probleme der Menschen quasi spüren, aber auch die Hoffnung und neuen Ideen waren allgegenwärtig.

Der Fall selbst war natürlich auch extrem spannend. Muss sich Emmerich erst "nur" um eine beliebte Schauspielerin und deren Angst vor einem Fluch kümmern, während die anderen Ermittler sich dem Mord an Stadtrat Fürst annehmen. An diesem Fall hätte Emmerich natürlich viel lieber von Anfang an mit ermittelt....also versucht es es auch eigene Faust. Viel mehr will ich jetzt dazu auch gar nicht schreiben, denn sonst würde ich zuviel verraten. Auf jeden Fall nimmt die Sache wieder einige unerwartete Wendungen und die Spannung bleibt durchgehend erhalten. Obwohl ich fand, dass es in dem Buch relativ viele Protagonisten gibt, so kommt man trotzdem nicht durcheinander und es ist auch keiner überflüssig, jeder trägt seinen Teil zu dieser gelungenen Geschichte bei. Ich selbst habe am liebsten über Emmerich und Winter gelesen, denn ich finde, die beiden sind das perfekte Team und ergänzen sich ganz toll.

Zum Ende hin steigert sich das Tempo noch einmal rasant und obwohl einige kleine Ansätze in eine Sackgasse geführt haben, fügen sich am Ende immer mehr Fäden zusammen und ich wurde so manches Mal noch total überrascht und bin mit einem für mich absolut fesselnden und überraschendem Ende begeistert worden. Der Epilog macht sofort Lust auf einen dritten Teil, hoffentlich müssen wir Leser darauf nicht zu lange warten.

Ein absolut spannendes und lesenswertes Buch, mit vielen historischen Fakten, welches die unterschiedlichen Facetten von Wien nach dem Krieg eindrucksvoll präsentiert

Tricky: Die rote Frau

Von: Erdhaftig schmökert Datum: 27. Juni 2018

Wiener Dialekt wurde, wie beim ersten Band, als Würze hinzugefügt. Das Wien der 1920-er Jahre verlottert, das gilt für Gebäude, verrohte Sitten und die Politik. So nehmen die beiden versehrten Ermittler wieder Spuren auf, folgen ihren Nasen anstatt auf ihren Chef zu hören, machen sich unbeliebt und schleichen sich weiter ins Leserherz ein. Denn so skurril sie beschrieben werden, so sehr ist ihre Handlungsweise nachzuvollziehen. Alex Beer beschreibt sowohl das Leben in jener Zeit als auch das Leben verschiedener Gesellschaftsschichten. Dieser Rahmen tut dem Krimi gut. Er hebt sich damit von anderen historischen Krimis angenehm ab, suchte sich eine Zeit aus, die selten derart beschrieben wurde: Durch einen Berufsstand, der es in Wien damals offenbar eher schwer hatte sich durchzusetzen. Die zwei Hauptfiguren wurden im ersten Band bereits hervorragend charakterisiert. Darauf baut Beer auf. Man erfährt mehr über Emmerich als über seinen Assistenten Winter, vor allem eher Dinge, die ihn privat beschäftigen. Der Fall selbst scheint zu Beginn eher unscheinbar, schnell gelöst, aber gewinnt später an Brisanz und Schärfe gewaltig hinzu. Das Ende ist hochspannend und ungeahnt.

Bin gespannt auf den dritten Band :-)

Am Ende will man aufstehen und applaudieren

Von: Krimisofa.com Datum: 25. Juni 2018

Alex Beer hat mit „Der zweite Reiter“ den Erfolg bekommen, den sie unter ihrem bürgerlichen Namen und einer zeitgenössischeren Serie vergeblich gesucht hat. Das Feuilleton hat das erste Buch um August Emmerich gefeiert, Beer hat einen der wichtigsten Literaturpreise Österreichs gewonnen und auch mich hat sie begeistert. Nicht nur, weil es in meiner Heimatstadt spielt, sondern auch zu einer absolut interessanten Zeit – einer völlig vernachlässigten Zeit, wie Beer dem Krimisofa in einem Interview verriet. Jetzt kam der Zweite Teil heraus, der mich allerdings nicht mehr so euphorisch zurückließ.

August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter haben es in die „Leib und Leben“-Abteilung geschafft – jene Abteilung, in die Emmerich schon vor seinem letzten Fall wollte. Winter ist noch von seinen schweren Verletzungen gezeichnet, die er im „zweiten Reiter“ erlitten hatte und kann nur einen Arm nutzen. Aber mehr als Protokolle abzutippen, haben die zwei, die vom Rest der Abteilung geschnitten und hinter ihren Rücken „Krüppelbrigade“ genannt werden, ohnehin nicht zu tun. Emmerich hingegen ist vom Heroin, das er im ersten Teil gegen seine Knieschmerzen genommen hat, losgekommen. Da er von seiner Luise ausziehen musste, weil ihr Mann es wider Erwarten aus der russischen Kriegsgefangenschaft heim geschafft hat, wohnt Emmerich jetzt in einem der neuen und von der Presse gefeierten Männerlogierhäusern. Anstatt einen Mordfall zu untersuchen, müssen die zwei sich den Fall der angeblich verfluchten Schauspielerin Rita Haidrich ansehen – eine weitere Schikane ihrer Vorgesetzten. Doch über diesen Fall stoßen die zwei auf den Fall des ermordeten Wiener Stadtrats Fürst, den die restliche Abteilung bearbeitet und die auch schnell einen Täter verhaftet. Aber Emmerich ist sicher, das es der falsche ist.

Manchmal frage ich mich, ob man ein Buch nicht so gut findet, weil man in der falschen Stimmung ist, einen harten Tag hatte und deshalb nicht richtig in die Geschichte reinkommt – genau so erging es mir bei „Die rote Frau“, das ich erst gegen Ende richtig gut fand. Auch fragte ich mich, was die Sache mit dem Fluch am Anfang sollte, die so gar nicht in die Geschichte passen will – am Ende war ich dann aber schlauer, denn beim hervorragenden und historisch interessanten Showdown löst sich alles auf. Die Charaktere von Emmerich und Winter haben sich weiterentwickelt und die zwei sind sich gegenseitig wesentlich loyaler als zu Beginn von „Der zweite Reiter“, obwohl „Die rote Frau“ nicht mal ein halbes Jahr danach spielt.

Obwohl es ein völlig anderes und wesentlich politischeres Buch ist als „Der zweite Reiter“, gibt es einige ähnliche Abläufe. Zum Beispiel hat Emmerich im ersten Teil der Serie sein lädiertes Knie verheimlicht – diesmal verheimlicht er, dass er in einem Männerlogierhaus in einer drei Quadratmeter Kabine haust. Oder dass die zwei Protagonisten über einen Fall zu einen Mordfall kommen – das gab es im ersten Teil schon. Dort war es der Schleichhändler, den sie dingfest machen solltest und über den sie dann zu einem Mordfall kamen. Aber das ist wohl der Preis, den man zahlt, wenn man eine Serie schreibt.

Teilweise macht Beer es sich beim Plot zu einfach: da findet Emmerich, der kein Latein kann, ein Heft, das in  reinstem Latein geschrieben ist – „Na kloa, do kenn i wen, der mir des übersetzt" (überspitzt zitiert). Oder Emmerich wird schwer verletzt, kann sich aber keine ärztlich Behandlung leisten – Winter schickt ihn zum Hausarzt seiner Oma, der macht's gratis. Und was mir leider sauer aufstößt, ist die Vermischung von Deutschem und Wiener Dialekt. Da findet ein regelrechtes Meet & Greet zwischen „die Faxen dicke“ und „Heast Oida“ statt und das geht leider auf Kosten der sonst so hohen und abermals herausragend recherchierten Authentizität. Denn ich glaube nicht, dass es in Wien 1920 gängig war, „die Faxen dicke" oder „klauen" zu sagen. Und falls doch – mea culpa.

Wien 1920

Von: Myriade Datum: 23. Juni 2018

Alex Beer

„Die rote Frau“

Limes: 2018

Das ist schon mein zweiter Wien 1920-Krimi von Alex Beer. Hier der erste. In beiden sind die harten Lebensbedingungen in Wien, kurz nach dem 1.Weltkrieg sehr eindringlich und wohl realistisch geschildert. Auch der Protagonist August Emmerich – „August“ weil er in diesem Monat gefunden und ins Waisenhaus gebracht wurde – hat eine Kriegsverletzung, einen Granatsplitter im Knie, der ihm starke Schmerzen und eine beträchtliche Gehbehinderung einbringt.

Auch dieser Roman hat eine gut konstruierte Handlung. Die Spannung wird durch ein paar unerwartete Wendungen aufrecht erhalten, die Charaktere sind gekonnt herausgearbeitet. Die Handlung führt durch verschiedene soziale Milieus, die ich sehr überzeugend geschildert finde: vom Rotlicht bis zum verarmten Adel. Auch das Lokalkolorit ist einwandfrei – man muss sich als Ortskundige nicht fragen, wie um alles in der Welt man von A nach B in 10 Minuten kommen soll, wenn doch da die ganze Stadt dazwischen liegt. Kein Wunder, die Autorin lebt – laut Klappentext – selbst in Wien.

Das einzige Problem, das ich mit diesem und auch dem anderen Text habe, ist stellenweise die Sprache. Es ist mir schon klar, dass es schwierig ist, in einem der zahllosen Dialekte des Deutschen zu schreiben und den Text trotzdem auch für Menschen, die diesen Dialekt nicht kennen lesbar zu machen. Die Lösung finde ich geschickt: diverse Einheimische sprechen Wiener Dialekt, der Ermittler spricht Hochdeutsch. Soweit so gut, aber an vielen Stellen werden Wörter verwendet, die es im Wien des Jahres 1920 garantiert gar nicht und auch im Wien des Jahres 2018 nicht wirklich gibt. Im österreichischen Deutsch wird nicht „gelaufen“ sondern gegangen; es erzeugt ein sehr seltsames Bild, wenn der gehbehinderte Ermittler durch die Gegend „läuft“, was für Wiener ein Synonym für „rennt“ ist. Es gibt keine „Jungs“ und es wird nicht „geklaut“. „Mit ´ner Puff´n bedroht“ als Mischung von zwei verschiedenen Umgangssprachen klingt ebenso seltsam wie „Da bin ich doch restlos überfordert mit“. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Es mag kleinlich klingen, aber mich hat jeder dieser sprachlichen Missgriffe aus dem Lesefluss herausgeschleudert.

Insgesamt ein guter Krimi. Mein Kritikpunkt ist ja auch für nicht österreichisch Sprechende völlig irrelevant.

Für die Bedürftigen

Von: wal.li Datum: 19. Juni 2018

Nein, so ist es kein schönes Leben. Rayonsinspektor August Emmerich lebt im Männerwohnheim, seine Kriegsverletzung schmerzt, oft nagt der Hunger und in der Dienststelle muss er Hilfsarbeiten leisten. Auch für die Bevölkerung Wiens bringt das Jahr 1920 nicht viel Gutes. Viele Menschen haben keine Arbeit, leiden Hunger, leben am Rande der Gesellschaft. Die Folgen des ersten Weltkrieges sind noch lange nicht überwunden. Als ein beliebter Politiker ermordet wird, möchte Emmerich an der Untersuchung beteiligt werden. Doch die Vorgesetzten lassen ihn und seinen Assistenten Winter außen vor. August Emmerich wäre aber nicht er selbst, wenn er sich davon entmutigen lassen würde.

Zwar hat es August Emmerich in seinem zweiten Fall zur Abteilung „Leib und Leben“ geschafft, seine Tätigkeit dort hätte er sich allerdings anders vorgestellt. Nicht viel mehr als Zuarbeiten darf er leisten. Dabei will er doch auf die Straße und ermitteln. In einer eher nebensächlichen Angelegenheit gelingt es ihm, ein schnelles Ergebnis abzuliefern. Und damit hat er seinem Chef das Versprechen abgerungen, in die Morduntersuchung einbezogen zu werden. Schnell allerdings ist ein Verdächtiger gefasst, einer der Ärmsten der Gesellschaft, und Emmerich hat nur wenig Zeit, dessen Unschuld zu beweisen.

Aufmüpfig, intelligent und pfiffig macht sich August Emmerich an die Arbeit. Wenn die Vorgesetzten nicht hinter ihm stehen, geht er eben auf eigene Faust los. Sein Kollege Winter ist dabei meist an seiner Seite und wirkt ausgleichend auf ihn ein. Der Mord an dem Politiker kommt wie ein simpler Fall daher, vielleicht ein mißglückter Raub. Doch bald schon ergeben sich Spuren, die auf eine wahrhaft menschenfeindliches Komplott hindeuten.

Sehr anschaulich schildert die Autorin das Dasein der einfachen Menschen im Wien des Jahres 1920. Ein hartes Leben, das viele Entbehrungen beinhaltet. Das kleine Glück scheint beinahe unerreichbar. Und die wenigen hilfreichen Menschen, die die Situation verbessern wollen, sehen sich ungeahnten Widerständen gegenüber. Über den Fall wird dazu noch eine geradezu perfide Menschensicht der damaligen Zeit, von der man nicht glauben sollte, dass sie völlig überwunden ist, dargestellt. Und ein zunächst unspektakulärer Fall bekommt eine große Tiefe. Man ist mitgerissen und entsetzt und hat doch immer in Gedanken, dass diese Vergangenheit nicht fern ist. Schön wäre es, wenn die Menschen menschlich blieben, Sicherheit gibt es leider nicht. Und die Wurzeln des Übels wurden vielleicht schon zu damaligen Zeiten gesät.

Ein herausragender historischer Kriminalroman, der seinem Vorgänger in Nichts nachsteht.

4,5 Sterne

Mörderjagd in einer Stadt der Extreme

Von: YukBook Datum: 16. Juni 2018

August Emmerich und Ferdinand Winter sind nicht zu beneiden. Den Kriminalbeamten der Abteilung ‚Leib und Leben‘ werden trotz der erfolgreichen Aufklärung ihres letzten Falls nur Schreibarbeiten zugeteilt. Dabei würden sie sich viel lieber in einem aktuellen Fall, bei dem der beliebte Stadtrat Richard Fürst ermordet wurde, nützlich machen. Unverhofft bekommen sie die Gelegenheit dazu – allerdings mit einem Haken: Sie müssen die Tat innerhalb von 72 Stunden aufklären.

Alex Beer baut gleich mehrere Spannungselemente ein: Zum einen müssen sich Emmerich und Winter ganz schön ins Zeug legen – schließlich steht ihre zukünftige Karriere auf dem Spiel. Für den allem Anschein nach unschuldig Inhaftierten hängt sogar sein Leben davon ab, ob der wahre Täter gefasst wird. Und es ist nicht einmal klar, ob ein politisches, wirtschaftliches oder persönliches Motiv hinter der Tat steckt.

Erneut skizziert Alex Beer das Nachkriegswien mit all seinen Gesichtern, diesmal noch vielschichtiger als im letzten Fall. Man hat das Gefühl, in jeden Winkel der Stadt einzutauchen, sei es die Straßen voller Hungerleidenden und Kriegsveteranen, das Nachtleben, die Unterwelt, die Palais der Reichen oder die illustre Filmindustrie. Die Autorin schildert die Lebensumstände und Atmosphäre so authentisch, als wäre ihr jedes Terrain vertraut. Nebenbei erläutert sie interessante Details über bedeutende Bauwerke und Lokale, die heute noch existieren.

So stelle ich mir meine ideale Lektüre vor: Ein raffinierter Plot eingebettet in ein facettenreiches historisches Setting und detailliert recherchiertes Zeitgeschehen. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall des gut eingespielten Ermittlerduos.

Damals war Wien ein Drecksloch

Von: Niamh O'Connor Datum: 09. Juni 2018

In der Buchhandlung Leo in Wien stellte Alex Beer ihren zweiten August-Emmerich-Krimi vor. „Ich kann die Leser auf eine Zeitreise mitnehmen“, sagte die Autorin und sprach über die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe ihrer Geschichten, die sie in der Österreichischen Nationalbibliothek anhand der dort archivierten Tageszeitungen recherchiert. Der Mord, der den Auftakt zu Die rote Frau bildet, wird am 18. März 1920 verübt. „Damals war Wien ein Drecksloch.“ Diese Aussage gefiel nicht allen im Publikum, auch wenn die Autorin zu bedenken gab, dass dies die Zeit vor den als Rotes Wien in die Geschichte eingegangenen Sozialreformen gewesen sei. Lebensmittel- und Energieknappheit, hohe Arbeitslosigkeit, miserabelste Wohnbedingungen, schlechte Gesundheitsversorgung. Genau aus diesen Gründen sei Wien damals aber eine Metropole der Filmindustrie gewesen, die in Die rote Frau ebenfalls eine Rolle spielt: Ein Heer von Arbeitslosen, das waren billige Statisten für die Monumentalfilme.

Auch dem Ermittlerduo Emmerich und Winter hat das Leben übel mitgespielt. August Emmerich ist in einem Waisenhaus aufgewachsen. Gerade einmal die Hälfte aller Kinder, die in einer solchen Einrichtung untergebracht waren, hätten ihre Volljährigkeit erlebt, erzählt Beer. Im Krieg war er durch einen Granatsplitter verwundet worden und leidet immer noch an den Folgen. Aufgrund von Umständen, die im ersten Teil der Serie nachzulesen sind, lebt Emmerich jetzt in einem Männerwohnheim in der Meldemannstraße im 20. Wiener Gemeindebezirk. Emmerichs Assistent Ferdinand Winter wohnt zwar wesentlich feudaler, aber ansonsten geht es dem verarmten Adeligen kaum besser als seinem Vorgesetzten.

Meine Meinung: Die sympatisch-selbstsichere Unverblümtheit, mit der Alex Beer vor Publikum spricht, findet im Roman ihr Gegenstück in einer stilsicheren Beschreibung des sozialen Umfelds einer Zeit, die, wie die Autorin meint, in der Literatur unterrepräsentiert ist. Genau deshalb hat sie sich auf diese Epoche konzentriert. Sie will Unbekanntes zeigen und sagt: „Ich probiere, meine Leser an Orte mitzunehmen, wo sie sonst nicht hinkommen.“ Als Beispiele nennt sie den Wienerberg, die Chatham Bar (heute das legendäre Café Hawelka) oder die mehrstöckigen Keller unter der Innenstadt. Dort spielt eine sehr unterhaltsame, wenn auch brutale Ringkampfszene, und das ist auch eine der Passagen, in denen Dialoge im Wiener Dialekt dem Roman zusätzlich Authentizität verleihen. An dieser Stelle hatte die Geschichte schon rasant Fahrt aufgenommen, und das mit einer Lockerheit, die im Kontrast zum düsteren Setting steht. Ein Roman, der ganz anders ist als alle anderen deutschsprachigen Krimis, die ich bisher gelesen habe.

So muss ein historischer Kriminalroman sein

Von: Elke Heid-Paulus Datum: 04. Juni 2018

Wien nach dem Ersten Weltkrieg, wir schreiben das Jahr 1920, zehn Tage im März. Der Mangel ist allgegenwärtig. Hunger und unzureichende medizinische Versorgung bestimmen den Alltag. Es gibt kaum Arbeit, und wer welche hat, ist auch bestrebt, diese zu behalten. Speziell die Kriegsheimkehrer, die buchstäblich vor dem Nichts stehen. Die Lebensumstände der Kriegsgewinnler und des einfachen Volkes könnten nicht unterschiedlicher sein. Die einen leben im Luxus und dinieren unter Kronleuchtern von bestem Porzellan, die anderen sind froh um einen Schlafplatz im Männerwohnheim und stehen in den Schlangen der Armenspeisung für einen Teller Wassersuppe an. Golden Twenties? In keinster Weise. Nein, für die meisten geht es ums nackte Überleben, Moral wird klein geschrieben, Raub, Mord und Totschlag gehören zum Alltag, das Verbrechen blüht.

Der kriegsversehrte Rayonsinspektor August Emmerich ist mit seinem Assistenten Ferdinand Winter, beide dem Leser bereits aus dem Vorgängerband „Der zweite Reiter“ bekannt, endlich in die Abteilung „Leib und Leben“ versetzt worden. Doch vom Lösen spektakulärer Mordfälle sind die beiden meilenweit entfernt. „Krüppelbrigade“ werden sie despektierlich genannt und in eine Abstellkammer verbannt, wo sie ihre Tage mit dem Abtippen von Berichten verbringen.

Emmerich ist ein äußerst sympathischer Protagonist, der zwar manchmal mit seinem Schicksal hadert, aber doch immer bemüht ist, aus seiner Situation das Beste zu machen. Er gibt nicht auf sondern beißt sich durch, ganz gleich wie viele Steine man ihm in den Weg legt. Und davon hat das Leben für ihn mit Sicherheit noch jede Menge in petto.

Nur seinem Insistieren ist es zu verdanken, dass man ihn und seinen Assistenten mit einem kleinen Fall betraut. Eine Schauspielerin fürchtet um ihr Leben, da am Set ihres Films immer wieder unerklärliche Dinge geschehen. Die Erklärung dafür ist schnell gefunden, aber dann wird ein Stadtrat ermordet aufgefunden, der sich, wie sie auch, in einer karitativen Organisation engagiert hat, die sich um Kriegsheimkehrer kümmert. Emmerichs Schnüfflerinstinkt erwacht und begibt er sich mit seinem Assistenten auf die Suche nach dem Mörder. Wer hätte ahnen können, dass sie dabei in ein Wespennest stechen und ihr eigenes Leben in Gefahr bringen würden…

Einmal mehr gelingt es der Autorin Alex Beer das Nachkriegswien mit all seinen Facetten anschaulich zum Leben zu erwecken. „Die rote Frau“ ist ein höchst spannender historischer Kriminalroman, gespickt mit einer Unmenge Details, nicht nur zum Alltagsleben sondern auch zur politischen Situation der damaligen Zeit, was von einer eingehenden Recherche zeugt. Der Kriminalfall an sich ist kompliziert, verästelt, entwickelt sich aber ohne Längen logisch und nachvollziehbar.

Wenn ich einen historischen Kriminalroman lese, möchte ich nicht nur spannend unterhalten werden, sondern auch verbürgte Informationen zu der Zeit und dem Umfeld erhalten, in dem sich die Handlung abspielt. Das ist Alex Beer mit ihrem neuen Fall für Emmerich und Winter gelungen. Von daher – volle Punktzahl!

Auch nach dem Krieg grassiert der Hass

Von: Denise Datum: 02. Juni 2018

Titel: Die rote Frau

Autor: Alex Beer

Reihe: August Emmerich

Band: 2

Verlag: Limes

Seiten: 416

ISBN: 978-3809026761















Wien, Frühling 1920: August Emmerich und sein Partner Ferdinand Winter haben es geschafft. Sie dürfen für die Abteilung "Leib und Leben" arbeiten. Jedoch werden die beiden eher für Sekretariatsaufgaben eingesetzt, während sich die Kollegen um den Mord an einem hohen Politiker kümmern. Emmerich und Winter hingegen sollen eine Schauspielerin mit Hang zum Aberglauben beschützen. Doch bald stellt sich heraus, dass hinter dem Politikermord mehr steckt...



"Die rote Frau" ist der zweite Fall für August Emmerich und konnte mich wieder komplett überzeugen. Alex Beer entführt ihre Leser in das Wien der Gegensätze und zeigt, dass der Tod auch vor der Dekadenz keinen Halt macht. Großartig!



Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man Emmerich und Winter, die zunächst in einem kleinen Büro bei Schreibarbeiten zu versauern scheinen. Durch den Spürsinn des im 1. Weltkrieg verletzten Polizisten ermitteln die beiden geheim und setzen damit mehr aufs Spiel als nur ihre Jobs.



Schon im ersten Teil hatte ich August Emmerich und seinen sehr jungen Assistenten ins Herz geschlossen. Im zweiten Teil hätte ich beide noch öfter umarmen können. Denn auch wenn die Zeiten nach Kriegsende rau und unmenschlich sind, agieren sie menschlich, mit Herz und, im Falle Emmerichs, unkonventionell. Zudem schafft es die Autorin, dass ich mit jeder Figur, egal ob sympathisch oder nicht, mitfühlen konnte. Das hat mir sehr gut gefallen.



Die Story selbst ist von Beginn an spannend und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe mit den beiden Ermittlern recherchiert, befragt und gezweifelt. Bis zum Schluss hatte ich wenig Ahnung, wer nun der Mörder ist. Das Tolle: Alex Beer setzt auf solide Ermittlungen ohne Zufall und großen Knalleffekt. Das fand ich klasse.



Das Ende ist rund, passt zum gesamten Krimi und birgt so manchen Moment zum Luft anhalten. Großartig!



Zwar kann man die Bücher unabhängig voneinander lesen, da die Fälle abgeschlossen sind. Aber mit dem Vorwissen aus Band 1 kann man die Entwicklungen zwischen Winter und Emmerich sowie die Umstände in Wien besser verfolgen.



Der Stil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Alex Beer erzählt detailgenau, lässt das Wien der Nachkriegszeit aufleben und zieht mit ihrer ruhigen Art ihre Leser in den Bann.



Fazit: Wien sehen und sterben. Ich kann das Buch sehr empfehlen.

Spannung pur im historischen Wien

Von: Josef Brodträger Datum: 31. Mai 2018

Wenn Du dieses Buch: Die ROTE FRAU von Alex Beer aufschlägst, so ist es, als ob Du eine Tür öffnest und hineingehst in das Wien kurz nach dem Ersten Weltkrieg,
also fast schon Hundert Jahre her. Nach den ersten Seiten bist Du von der Geschichte derart in den Bann gezogen, und der doch erhebliche Zeitunterschied wird Dir kaum mehr bewußt.
Mir war es sogar manchmal so, als würde ich neben dem Inspektor August Emmerich und seinem Kollegen Winter durch das Wien im März 1920 gehen.
Es ist ein trüber und kalter März in einer Stadt Wien, wo bitterste Armut und Nachkriegswirren alltäglich sind, wo selbst der Frühling keine Lust hatte sich zu zeigen.
Da wird ein bekannter Politiker ermordet. Eigentlich ein Fall für August Emmerich, jedoch ein Großteil seiner Kollegen in der Abteilung Leib und Leben
in der Wiener Roßauer Kaserne sind dem Kriegsversehrten Emmerich nicht wohl gesonnen.
So wird dieser "Krüpel" nicht an den Mordermittlungen beteiligt, sattdessen soll er sich mit seinem Assistenten Winter neben einfachen Schreibarbeiten um eine bekannte Schauspielerin kümmern,
die um ihr Leben fürchtet.
Ein Krminalroman erster Güte, indem viele Tatsachen aus dieser Zeit einfließen und die Autorin es einem sehr schwer macht, das Buch vor dem Ende aus der Hand zu legen.
Es ist schon der Zweite Fall von August Emmerich, der ersten Band : der ZWEITE REITER von Alex Beer wurde sogar mit dem Leo Perutz Preis für Kriminal Literatur ausgezeichnet.
Das Ende der ROTEN FRAU kündigt aber bereits eine Dritte Geschichte von August Emmerich der in Bregenz geborenen und in Wien lebenden Alex Beer an.
PRÄDIKAT: Besonders Lesenswert! Josef Brodträger

Einfach begeistert.

Von: Angela Bibiane Nussbaumer Datum: 27. Mai 2018

Im Rahmen meiner eigenen Familienforschung finde ich in Alex Beers Büchern die Welt und die Lebensumstände meiner damals dort lebenden Vorfahren so beschrieben, dass ich mir noch viel mehr vorstellen kann, wie es im Wien vor 100 Jahren zu leben war als von Armut und Krankheit betroffener Arbeiter und Kriegsveteran und seinen Angehörigen. Zu jenen Informationen, die ich zu meiner Familie bis anhin gefunden habe, kommen noch soviele Hinzu, die Alex Beer in Ihren Büchern quasi "für mich" schon recherchiert hat. Nur schon deshalb liebe ich ihre Arbeit und ihre Bücher.
...und weiter schreib' i nix mea, damit i nix verrat ;-).