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Tanja Raich

Jesolo

Roman

Kinder sind kein Thema für Andrea. Sie hat einen Job, der okay ist. Sie führt seit vielen Jahren eine Beziehung mit Georg, die okay ist. Jedes Jahr verbringen sie einen netten Urlaub in Jesolo. Was die Zukunft betrifft, will Andrea sich nicht festlegen, aber Georg will ein Fundament für ein gemeinsames Leben. Aus dem Dilemma scheint es keinen Ausweg zu geben.

Als sie aus dem gemeinsamen Urlaub zurückkommen, ändert sich alles – Andrea ist schwanger. Hin- und hergerissen entscheidet sie sich für das Kind – und geht damit einen Kompromiss nach dem anderen ein: Sie nimmt einen Kredit auf, obwohl sie nie einen Kredit aufnehmen wollte; sie zieht ins Haus ihrer Schwiegereltern, obwohl sie nie mit ihnen unter einem Dach leben wollte. Von allen Seiten prasseln Ratschläge auf Andrea nieder, und sie wird in eine Mutterrolle gedrängt, mit der sie sich nicht identifizieren kann.

Ein bewegender Roman über zehn Monate im Leben einer jungen Frau, der nicht nur Beziehung, Schwangerschaft und Familie in ihrer ganzen Ambivalenz zeigt, sondern auch, wie schwierig es ist, wie unmöglich fast, sich angesichts gesellschaftlicher Rollenzuschreibungen als Individuum zu behaupten.

Das Buch spielt in Jesolo, Italien

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Leserstimmen

Lesehighlight!

Von: Nicole Datum: 01. März 2019

Es ist gerade mal Anfang März und ich traue mich zu behaupten, dass ich ein oder vielleicht DAS Lesehighlight des Jahres für mich gefunden habe.
Vielleicht liegt es an meinem Alter (mit knapp 30 kommt man als Frau ja oft ins Grübeln), meiner Lebenssituation, meinen bisherigen Erfahrungen – vielleicht auch einfach all den Ängsten, die dieses Erwachsen werden und vor allem das Mutter werden (irgendwann mal oder vielleicht nie) mit sich bringt.
Tanja Raich schafft es mit ihrem Roman „Jesolo“ auf knapp 221 Seiten all meine Gedanken, Sorgen und Bedenken über Beziehungen, Liebe, Mutterschaft niederzuschreiben. Dabei ist sie ehrlich, direkt und klar. Kein Schnickschnack. Manchmal folgen einfach nur unzählige Aufzählungen. Manchmal versinkt man in Traumszenen. Meistens ist man bedrückt. Wenn ich eines verstanden habe, dann ist es die Protagonistin: „Ist das alles in meinem Leben?“ „Ist dies das Leben, das ich führen will?“ „Bin ich je bereit für ein Kind?“ „Will ich überhaupt eines?“ „Wo steht man als Frau nachdem man Mutter geworden ist?“ und vor allem: „Ist es okay, wenn ich mich in all diesem Mutter werden – Haus bauen – Bausparverträge – Jesolo Urlaube – Gedankenkonstrukt verloren fühle?“ Dies alles gemischt mit der Liebe oder auch nur Gewohnheit zu einem Menschen, er immer 3 Schritte voraus ist und das perfekte gemeinsame Leben schon geplant hat.
Die Autorin kreiert ein Leben, welches für viele die Erfüllung und bei mir nur Beklommenheit und einen Fluchtgedanken auslöst. So will ich das nicht. Ich will nicht jedes Jahr das gleiche Urlaubsziel, das gleiche Hotel, die gleichen Liegestühle. Ich will mich nicht den Erwartungen der Gesellschaft, des Umfeldes, der Freunde beugen. Und das Buch zeigt eines: Es ist okay, dass es nicht das ist, was ich will. Ich bin nicht die einzige, die sich so fühlt und ich darf und soll verdammt nochmal selbst entscheiden.