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Tanja Raich

Jesolo

Roman

Kinder sind kein Thema für Andrea. Sie hat einen Job, der okay ist. Sie führt seit vielen Jahren eine Beziehung mit Georg, die okay ist. Jedes Jahr verbringen sie einen netten Urlaub in Jesolo. Was die Zukunft betrifft, will Andrea sich nicht festlegen, aber Georg will ein Fundament für ein gemeinsames Leben. Aus dem Dilemma scheint es keinen Ausweg zu geben.

Als sie aus dem gemeinsamen Urlaub zurückkommen, ändert sich alles – Andrea ist schwanger. Hin- und hergerissen entscheidet sie sich für das Kind – und geht damit einen Kompromiss nach dem anderen ein: Sie nimmt einen Kredit auf, obwohl sie nie einen Kredit aufnehmen wollte; sie zieht ins Haus ihrer Schwiegereltern, obwohl sie nie mit ihnen unter einem Dach leben wollte. Von allen Seiten prasseln Ratschläge auf Andrea nieder, und sie wird in eine Mutterrolle gedrängt, mit der sie sich nicht identifizieren kann.

Ein bewegender Roman über zehn Monate im Leben einer jungen Frau, der nicht nur Beziehung, Schwangerschaft und Familie in ihrer ganzen Ambivalenz zeigt, sondern auch, wie schwierig es ist, wie unmöglich fast, sich angesichts gesellschaftlicher Rollenzuschreibungen als Individuum zu behaupten.

Das Buch spielt in Jesolo, Italien

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Leserstimmen

Tanja Raich | JESOLO

Von: Bookster HRO Datum: 16. Mai 2019

Jesolo, eine dieser Touristenhochburgen an der italienischen Adria, ist der Ausgangspunkt für Tanja Raichs gleichnamigen Debütroman. Andrea und Georg, beide Mitte Dreißig, sind schon seit ihrer Jugend ein Paar. Sie sind augenscheinlich glücklich miteinander, doch während sich für Andrea nichts an dieser Zweisamkeit ändern müsste, drückt Georg der Schuh. Er will heiraten, Kinder kriegen, ein Haus bauen, eben das, was man in diesem Alter klassischerweise so macht – ein Lebensentwurf, mit dem Andrea absolut nichts anfangen kann.

Die Beziehung scheint festgefahren und Streitereien stehen auf der Tagesordnung, daran kann selbst die romantische Altstadt Jesolos nichts mildern. Doch nach dem letzten Urlaub dort ist alles anders, denn Andrea ist ungewollt schwanger. Für sie beginnt ein Spießrutenlauf durch Arztpraxen, Vorbereitungskurse und uralte Rollenklischees. Von allen Seiten prasselt es auf sie nieder: Wie glücklich sie jetzt sein solle, was für ein Wunder die Schwangerschaft darstelle und was für grundlegende Veränderungen ihr jetzt bevorstünden. Doch während Gregor nur noch mit der Planung des zukünftigen Domizils beschäftigt ist und sich mit dem Status des werdenden Vaters rühmt, wächst in Andrea nicht nur das Kind, das sie nie wollte, sondern auch die Angst vor der Zukunft.

Tanja Raich (*1986), die sich in den letzten Jahren als Programmleiterin des Wiener Verlages Kremayr & Scheriau einen Namen machte, nimmt sich in JESOLO eines schwierigen Themas an: Moderne Frauen in veralteten Rollenbildern. Wenn man die Dreißig kinderlos überschritten hat, häufen sich die Fragen nach der Familienplanung. Bei Männern gilt es üblicherweise als nicht verwerflich, wenn sie noch nicht so weit sind. »Der Mann möchte sich eben noch austoben, er braucht seine Freiheit und hat später noch genug Zeit.« Frauen allerdings verstoßen gleich gegen mehrere alteingesessene Normen, wenn sie die Frage nach dem Kinderwunsch negativ beantworten – eine soziale Ungerechtigkeit, der Tanja Raich hier auf den Grund geht.

Dies macht sie mit kurzen, präzisen Sätzen, die den zynischen, aber hilflosen Charakter der Hauptfigur sehr gut widerspiegeln. Andrea – früh von der Mutter verlassen und mit einem schwierigen Verhältnis zum Vater – braucht das Modell Familie nicht, um ihr Leben zu bestreiten. Sicher: In den teils unverarbeiteten Erlebnissen ihrer Jugendjahre liegt ihr innerer Zynismus begründet, und mit einer harmonischeren Familie wäre sie diesbezüglich vielleicht etwas entspannter. Aber sie ist, wer sie ist, und wenn sie in die glücklichen Gesichter der Werbefamilien schaut, wo die Mütter lachend die dreckigen Hosen ihrer Lausebengel waschen, oder die hart arbeitenden Väter sich an die gemachten Abendbrotstische setzen – in genau solch einer Vorzeigefamilie ist Georg aufgewachsen –, kommt ihr die Galle hoch. Zu Recht! Allerdings weiß sich Andrea auch wenig zu helfen und geht während ihrer Schwangerschaft nach und nach immer mehr Kompromisse ein.

Raich führt uns in zehn Kapiteln – eins für Jesolo und eins für jeden Schwangerschaftsmonat – durch Andreas Kampf mit sich und ihrem Umfeld, benennt Ängste und Wünsche, beschreibt Gedanken und Träume und findet eindringliche Bilder, um zu zeigen, wie nah ihre Hauptfigur einer Ohnmacht ist, nur um den Rollenbildern gerecht zu werden. Ein intensiver und äußerst lesenswerter Roman.

Ein intensives Leseerlebnis, das lange nachhallt!

Von: Was Silke liest Datum: 09. Mai 2019

Andrea und Georg sind schon seit vielen Jahren ein Paar. Während Andrea noch keine Kinder will, ihr Leben genießen und auch mal um die Welt reisen möchte, bereitet Georg die Renovierung seiner Wohnung im Haus der Eltern vor, in die, wenn es nach ihm geht, auch bald Andrea mit einziehen soll. Im alljährlichen Urlaub in Jesolo wird Andrea bewusst, wie eintönig und kompliziert ihre Beziehung geworden ist, leben die beiden mittlerweile doch mehr neben- statt miteinander. Als Andrea dann ungewollt schwanger wird, beginnt für sie ein Leben, das sie so niemals führen wollte…

Eindrücklich schildert Tanja Raichs Debütroman „Jesolo“ 10 Monate im Leben einer Frau, die sich durch eine ungewollte Schwangerschaft immer abhängiger macht und der althergebrachten Frauenrolle nicht entfliehen kann. Ihr gelingt damit ein höchst interessanter und nachdenklich stimmender Roman über familiäre und partnerschaftliche Beziehungen, der einen kritischen Blick auf längst überholt geglaubte gesellschaftliche Erwartungen an Frauen wirft.

Der Roman ist aus der Sicht Andreas in Form eines inneren Monologs geschrieben und es schwingt stets eine leicht depressive und melancholische Stimmung mit. Als Leser taucht man tief in Andreas Gedankenwelt ein, kann ihre Zerrissenheit, Ängste und Zweifel spüren und nachvollziehen. Mit einem differenzierten Blick zeigt Tanja Raich, dass Andreas Zukunftswünsche und -vorstellungen nicht nur von denen ihres Partners abweichen, sondern auch einen gravierenden Gegensatz zu den gesellschaftlichen Erwartungen an eine Frau bilden. Ab einem gewissen Alter muss schließlich jede Frau an Heirat denken, Kinder bekommen und in ihrer Mutterrolle aufgehen.

Ich mochte Tanja Raichs klaren Schreibstil sehr. Mit ihren kurzen, aufs äußerste zugespitzten und mit der richtigen Portion an Sarkasmus und Humor versehen Sätzen trifft sie den Nagel auf den Kopf.

Ein anspruchsvolles, mutiges Buch mit durchaus feministischer Botschaft und ein sehr intensives Leseerlebnis, das lange nachhallt!

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Sehr gutes Buch

Von: Gizem Datum: 14. April 2019

Ich fange an mit dem Cover, es ist ein Gebundenes Buch aber trotzdem sehr handlich weil es sehr kompakt ist. Da das Buch nur 221 Seiten hat kahm man recht gut voran. Die Covergestaltung gefällt mir auch sehr gut, es zeigt Jesolo mit vielen bunten Sonnenschirmen.
Das erste was mir aufgefallen ist war der Schreib Stil. Tanja Raich hat ein sehr Poetisches und außergewöhnliches Schreib Stil. Das Buch ist in der zweiten form geschrieben also spricht die Protagonistin mich an, in dem fall bin ich ihr Partner. Es sind viele Absätze vorhanden genauso wie die vielen Aufzählungen. Die Autorin hat die wörtlichen reden und die Dialoge so geschrieben dass man erst garnicht weis wer grad spricht, oder wer gemeint ist.
Ich kann meine Gefühle zum Buch Gar nicht beschreiben, es war sehr ehrlich und realistisch, Ich bin noch 15 die Protagonistin ist 35 ich weis nicht wie es ist ganz viele Jahre in einer Beziehung zu sein in der man gar nicht Glücklich ist. Ich fands wirklich sehr Berührend es war nicht die Vergangenheit oder sowas was mich berührt hat sondern die Situation jetzt. Unsere Protagonistin wird vieles vorgeschrieben von der Gesellschaft z.B. es ist zeit Kinder zu bekommen, es ist zeit mit deinem freund zu heiraten und zusammen zu ziehen.
Es war ein sehr besonderes Buch, ich würde es jeder zeit nochmal lesen wollen nur um mir selbst klar zu machen, wenn ich mal traurig sein sollte, hey es ist nicht alles Perfekt im leben trotzdem sollte man an sich denken und das tun was man für richtig haltest.
Fazit:
Das Buch ist Realistisch und Wahr.
Ich bin der Meinung das man es lesen sollte. Ich hab eigentlich gar nicht viel von dem Buch erwartet aber es hat mich wirklich überzeugt. Falls ihr Lust auf eine Frauenroman habt mit viel Emotionen ist das Buch genau das richtige.

„Jesolo“ Tania Raich. Roman. Neuerscheinung Blessing Verlag.

Von: wortweg08 Datum: 11. April 2019

„Jesolo“ Tania Raich. Roman. Neuerscheinung Blessing Verlag.

Und jetzt der Sommerurlaub. Jesolo. Der Sandstrand, das Meer, das Hotel, die Liegestühle. Alles wie gehabt. Für Andrea und Georg. Ausspannen im Rundblick zum bunten Sommerleben. Dazwischen leichte Erinnerungen, gemeinsames Lachen, Schwimmen, Spaziergänge am Abend und das Essen im Sonnenuntergang…

Doch das gewohnte sommerliche Ankommen wirft nun bei Andrea Fragen nach der Zukunft auf. Nach dem Ankommen in der Partnerschaft nach der Rückkehr aus dem Sommer. Weitere Schritte mit Georg. Wie ist es jetzt? Wie wird, kann es sein? Am Meer, am See, im Haus, mit Kindern, mit neuen Aufgaben und Herausforderungen…

Dostojewski liegt bei Andrea am Tischchen am Strand. Ihr Blick geht jetzt tief in die Seele und fragt wie strebt nach Lebensstufen. Und auch ihre Welt dreht sich jetzt schneller vorwärts als sie zurückzukommen. Sie ist schwanger und jetzt wird das Leben zum geplanten, in dem sie ihre Rolle und ihr Selbstbewusstsein stets neu zu suchen und zu verteidigen hat…

Die Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Historikerin Tania Raich legt mit „Jesolo“ ein fulminantes Romandebüt vor. In direkter Sprachwucht reißt sie der modernen Seele ihre Fassaden und Facetten gesellschaftlicher Rollenerwartung vom Leib und greift nach dem Herz des Menschen im Fokus von Freiheit und Entscheidung. Raich knüpft an große literarische Traditionen an und lässt diese in selbstbewusster Form und Inhalt im 21.Jahrhundert ankommen. Tania Raich sitzt mit Beauvoir und Bachmann am Schreibtisch und macht sich fabelhaft dabei. Jedes Wort, jeder Gedanke trifft und wird zum Spiegel einer Gesellschaft in Nebel und Wahrheit.

Walter Pobaschnig, Wien 4_2019
https://literaturoutdoors.com

Die etwas andere Schwangerschaft

Von: Buecherseele79 Datum: 08. April 2019

Andrea und George sind seit der Schulzeit befreundet, ein Paar und mitterweile leben sie eher nebeneinander her als miteinander.
George möchte dass Andrea ihre Wohnung aufgibt um zu ihm, in das Haus mit seinen Eltern, zu ziehen.
Doch Andrea möchte kein Haus, keinen Kredit aufnehmen, keine Kinder und will ihr Leben selbstbestimmt genießen.
Dann wird Andrea jedoch ungewollt schwanger und ihr ganzes Leben erhält eine Wende....die sie so nicht vorgesehen hat.....

Dieses Buch ist absolut brilliant und ruft in so viele, verschiedene Gefühle in einem hervor.
Der Schreibstil ist so ganz anders, man muss genauer mitlesen, aber ich bin nie durcheinander gekommen oder konnte der Geschichte nicht mehr folgen.

Auch sehr interessant sind die Entwicklungen des Embryos zu einem Kind, die die Autorin in diesem Buch zusammenfasst und immer wieder einfügt.

Die Geschichte wird aus Sicht von Andrea erzählt, mit ihr konnte ich viel mitfühlen, ihre Gedanken und Ansichten haben auch mich zum nachdenken angeregt und oft hatte ich einfach nur Wut im Bauch, denn auch wenn die Autorin gewisse Dinge vielleicht zuspitzt, Humor zufügt, in einem hat sie nun mal Recht - das Bild der Frau in der Gesellschaft muss überholt werden, hier müssen neue
Ansätze her, die meisten Ansichten haben sich seit den frühen 50iger nicht geändert.

Darf eine Frau heute überhaupt sagen dass sie keine Kinder möchte, dass sie vielleicht dieses Kind nicht behalten will?
Was suggerieren uns Medien, Familie, Freunde, Verwandtschaft, Gesellschaft vor?
Ist eine Schwangerschaft nur Friede, Freude, Eierkuchen?
Ist Kinder bekommen und die Kinder dann großziehen so leicht und easy und welche Rolle spielen eigentlich die Väter?
Wie hoch sind die Chancen dass eine Frau, mit Kind/er, wieder einen Fuß in die Gesellschaft, in ihren Beruf fasst?

Sobald man schwanger ist hat man nicht nur körperlich mit sich zu kämpfen sondern erhält von jedem Menschen, ob man will oder nicht, Ratschläge, Hinweise, auf der einen Seite soll man sich schonen, auf der anderen Seite macht man nichts und ist faul, wieso wieder oder noch immer arbeiten, im Fall von Andrea wird ihr viel Zustimmungsrecht und ihre eigene Meinung genommen bzw. nicht mehr wahrgenommen und hier denke dass sich viele Frauen, in gewisser Weise, hier wiederfinden oder viele Aussagen, Ansichten, eigene Erfahrungen erkennen.

Ich bin selbst Mutter und kann vieles aus diesem Buch verstehen, nachvollziehen, aus eigener Erfahrung zustimmen.
Gleichzeitig denke ich dass dieses Buch nicht jedem gefallen wird, denn man muss hier schon einiges selbst reflektieren, sich auf dieses Buch auch einlassen können und natürlich gibt es Frauen die Kinder und Schwangerschaften als das höchste Gut ansehen.
Auch das Ende ist offen, es endet als die Geburt bei Andrea sich ankündigt und somit bleibt jedem Leser es selbst überlassen wie er denkt dass es mit Andrea und George weitergeht.

Es ist kein Buch gegen oder für eine Schwangerschaft, sondern dieses Buch zeigt auf was Frauen leisten, ob mit oder ohne Kind, was eine Schwangerschaft für sie bedeutet aber auch dass ein Umdenken in den Köpfen stattfinden muss.
Mich konnte dieses Buch absolut überzeugen und mitnehmen, ich empfehle es daher nicht nur Frauen sondern auch den Männern und spreche eine klare Leseempfehlung aus!

Ich bedanke mich beim Randomhouse Verlag, dem Bloggerportal und dem Blessingverlag für das Rezensionsexemplar.

In eine Rolle gedrängt

Von: leseratte1310 Datum: 26. März 2019

Andrea und Georg sind schon über zehn Jahre zusammen. Bezüglich ihrer Zukunft hat sich Andrea nicht allzu viele Gedanken gemacht, denn sie ist zufrieden, so wie es ist. Aber Georg fragt immer wieder, ob sie nicht zusammenziehen sollten.
Wie jedes Jahr machen sie Urlaub in Jesolo. Auch im Urlaub stellt Georg wieder seine Frage, doch Andrea weicht ihm aus. Sie will nicht mit ihm zusammen in das Haus seiner Eltern ziehen. Aber nach dem Urlaub ist sie schwanger.
Das Buch hat nur 224 Seiten, die mir einen recht düsteren Eindruck vermitteln. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Andrea.
Das Cover ist einfach genial; erst bei mehrfachem Hinschauen ist mir klar geworden, was dort gezeigt wird.
Andrea und Georg haben eine ziemlich eingefahrene Beziehung. Jedenfalls kommt es mir so vor, als ich die beiden in Jesolo erlebe. Irgendwie ist die Luft raus. Andrea empfindet alles als immer gleich. Wenn Georg Andrea wegen des Zusammenziehens fragt, weicht sie aus. Eigentlich müssten sie über ihre Vorstellungen vom Leben reden und herausfinden, ob ihre Vorstellungen zusammenpassen. Doch eine Entscheidung, wie es weitergehen soll, wird durch die Schwangerschaft verhindert. Andrea fühlt sich von dem, was dann geschieht, überrumpelt. Aber sie wehrt sich auch nicht. Auch gegen die Übergriffigkeit ihrer Schwiegereltern tut sie nichts. Ihr Lebens verändert sich total. Ihre Bedürfnisse werden von niemandem wahrgenommen. Ich konnte Andreas Gedanken und Ängste gut nachvollziehen, aber ihr Verhalten blieb mir fremd.
Auch in der heutigen Gesellschaft wird die Frau häufig noch in eine bestimmte Rolle gedrängt. Sie stößt auf Unverständnis, wenn sie sich gegen Kinder entscheidet. Eigentlich sollten wir das inzwischen überwunden haben.
Andreas Geschichte endet mit der Geburt, aber ansonsten bleibt das Ende offen. So kann sich jeder seine Gedanken machen.
Ein anspruchsvolles Buch, das nicht ganz einfach zu lesen ist. Trotz der melancholischen Stimmung hat mir das Buch gefallen.

Ein ganz anderes Schwangerschaftsbuch

Von: Tanja Datum: 19. März 2019

Bei Jesolo handelt es sich um ein ganz anderes Schwangerschaftsbuch. Ein Roman, der sich kritisch mit diesem Zeitraum auseinander setzt, in dem Frauen großem gesellschaftlichem Druck ausgesetzt sind. Bewusst wird das große Glück ein Kind zu empfangen an die Seite gestellt, um der gesellschaftlichen Rollenzuschreibung den Vortritt zu lassen. Ein Buch wie dieses zu schreiben, ist mutig, weil die Idee an sich schon gegen diese Normen aufbegehrt. Und in diesem Fall ist der Versuch auch ganz klar geglückt.


Den Schreibstil von Tanja Raich finde ich erfrischend anders. Man ist gezwungen konzentriert zu lesen und damit schnell im Geschehen. Die Protagonistin Anja ist sehr authentisch, wenn sie auch auf mich etwas depressiv wirkte.

Differenziert zeigt Tanja Raich auf, wie vielen Generalisierungen Schwangere unterworfen sind und wie absurd dieses allgemeine Verhalten ist. Die Realitätsnähe ist dabei erschreckend. Ich bin der Autorin ehrlich dankbar, dass sie diesen Roman geschrieben und veröffentlicht hat.

Einzig das Ende lässt mich etwas ratlos zurück. Wortwörtlich kann man sagen, es ist bedenklich, was gut zu diesem Buch passt.

Ich empfehle dieses Buch deshalb allen außer Hochschwangeren. Um dem Roman gerecht zu werden, sollte natürlich jede Schwangere selbst entscheiden, was ihr gut tut, ich möchte aber auf eine teilweise sehr drastische Darstellung der Herausforderungen in der Schwangerschaft hinweisen.

Lesehighlight!

Von: Nicole Datum: 01. März 2019

Es ist gerade mal Anfang März und ich traue mich zu behaupten, dass ich ein oder vielleicht DAS Lesehighlight des Jahres für mich gefunden habe.
Vielleicht liegt es an meinem Alter (mit knapp 30 kommt man als Frau ja oft ins Grübeln), meiner Lebenssituation, meinen bisherigen Erfahrungen – vielleicht auch einfach all den Ängsten, die dieses Erwachsen werden und vor allem das Mutter werden (irgendwann mal oder vielleicht nie) mit sich bringt.
Tanja Raich schafft es mit ihrem Roman „Jesolo“ auf knapp 221 Seiten all meine Gedanken, Sorgen und Bedenken über Beziehungen, Liebe, Mutterschaft niederzuschreiben. Dabei ist sie ehrlich, direkt und klar. Kein Schnickschnack. Manchmal folgen einfach nur unzählige Aufzählungen. Manchmal versinkt man in Traumszenen. Meistens ist man bedrückt. Wenn ich eines verstanden habe, dann ist es die Protagonistin: „Ist das alles in meinem Leben?“ „Ist dies das Leben, das ich führen will?“ „Bin ich je bereit für ein Kind?“ „Will ich überhaupt eines?“ „Wo steht man als Frau nachdem man Mutter geworden ist?“ und vor allem: „Ist es okay, wenn ich mich in all diesem Mutter werden – Haus bauen – Bausparverträge – Jesolo Urlaube – Gedankenkonstrukt verloren fühle?“ Dies alles gemischt mit der Liebe oder auch nur Gewohnheit zu einem Menschen, er immer 3 Schritte voraus ist und das perfekte gemeinsame Leben schon geplant hat.
Die Autorin kreiert ein Leben, welches für viele die Erfüllung und bei mir nur Beklommenheit und einen Fluchtgedanken auslöst. So will ich das nicht. Ich will nicht jedes Jahr das gleiche Urlaubsziel, das gleiche Hotel, die gleichen Liegestühle. Ich will mich nicht den Erwartungen der Gesellschaft, des Umfeldes, der Freunde beugen. Und das Buch zeigt eines: Es ist okay, dass es nicht das ist, was ich will. Ich bin nicht die einzige, die sich so fühlt und ich darf und soll verdammt nochmal selbst entscheiden.